Sexuelle Belästigung

Wegen Sex-SMS: Lehrmeister musste seine Bewilligung abgeben

Der Lehrmeister musste nach Bekanntwerden der Belästigung seine Bewilligung abgeben.

Der Lehrmeister musste nach Bekanntwerden der Belästigung seine Bewilligung abgeben.

Die kantonale Lehraufsicht wurde von der Staatsanwaltschaft informiert – der verurteilte Mann darf seit der Verurteilung keine Lernenden mehr ausbilden.

Bei der Befragung vor Gericht sagte der Angeklagte, er sei heute nicht mehr als Lehrlingsverantwortlicher im grafischen Gewerbe, sondern als Berater in einer anderen Branche tätig. Dies allerdings nicht ganz freiwillig, wie eine Nachfrage der az beim kantonalen Bildungsdepartement ergibt. Im aktuellen Fall übermittelte die Staatsanwaltschaft den rechtskräftigen Strafbefehl wegen Pornografie gegen den Lehrlingsverantwortlichen an die Lehraufsicht.

Diese überprüfte daraufhin, ob beim verurteilten Mann «die Voraussetzungen für die Ausbildung von Berufslernenden noch erfüllt sind», wie Simone Strub, Sprecherin des Bildungsdepartements, auf Anfrage sagt. «Wegen der Eindeutigkeit des Strafbefehls» sei der Lehrlingsverantwortliche aufgefordert worden, die Bildungsbewilligung zurückzugeben respektive den Verzicht auf die Bildungsbewilligung zu erklären.

Dies tat der Verurteilte offenbar – hätte er sich geweigert, hätte die Abteilung Berufsbildung und Mittelschule ein aufsichtsrechtliches Verfahren betreffend Entzug der Bildungsbewilligung einleiten müssen, wie die Sprecherin erklärt.

Vier ähnliche Fälle bekannt

Jeder Lehrmeister, der Lernende ausbildet, benötigt eine solche Bewilligung. Dafür muss vorgängig ein sogenannter Berufsbildnerkurs absolviert werden. Das kantonale Bildungsdepartement kann diese widerrufen, wenn die Bildung in beruflicher Praxis ungenügend ist, Lehrmeister die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllen oder ihre Pflichten verletzen.

Strub hält fest, Lehrmeister müssten «nicht nur über fachliche und pädagogische Fähigkeiten, sondern auch über die nötigen Sozialkompetenzen verfügen». Insbesondere die persönliche Integrität der Lernenden müsse genügend geschützt sein, wie dies im Arbeits- und Gleichstellungsgesetz verlangt ist.

Doch wie häufig kommt es vor, dass das Bildungsdepartement einschreiten muss, weil ein Lehrmeister eine Lernende sexuell belästigt? «Es bestehen keine langjährigen Datenreihen», sagt Simone Strub, «in den letzten beiden Jahren standen aber je zwei Verfahren betreffend Entzug von Bildungsbewilligungen im Zusammenhang mit dem Vorwurf sexueller Belästigung.»

Dem Widerruf einer Bildungsbewilligung gehen laut Simone Strub sorgfältige Abklärungen voraus. Diese können unter anderem eine Befragung des Lehrmeisters, aktueller oder ehemaliger Lernender und Beschäftigter des jeweiligen Betriebs und eine Bestandsaufnahme vor Ort beinhalten.

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