Regierungsratswahl AG
Wegen Schlingerkurs: CVP-Präsidentin Binder ärgert sich über die FDP

Das Taktieren vor dem 2. Wahlgang für den letzten Regierungsratssitz kostet Nerven. CVP-Präsidentin Marianne Binder ist erstaunt darüber, dass die FDP nun doch die SVP-Kandidatin Franziska Roth unterstützt.

Jürg Krebs
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CVP-Präsidentin Marianne Binder ärgert sich über das Verhalten der FDP.

CVP-Präsidentin Marianne Binder ärgert sich über das Verhalten der FDP.

Sandra Ardizzone

Als die Aargauer CVP-Präsidentin Marianne Binder am Montagabend ihre Geschäftsleitung zur Besprechung traf, da ging sie davon aus, dass die FDP mit einer eigenen Kandidatin gegen die SVP antreten wird. Als sie wenige Stunden später die Sitzung wieder verliess, da war alles anders. Die Geschäftsleitung der Freisinnigen hatte an ihrer Sitzung, die gleichzeitig stattfand, einstimmig beschlossen, auf Franziska Roth zu setzen.

Binder ist "irritiert", wie sie gegenüber der az darlegt. "Die FDP hatte signalisiert, selber eine Kandidatin aufzustellen." Davon ging Binder nach dem TalkTäglich auf Tele M1 mit FDP-Präsident Matthias Jauslin aus. Aufgrund dieser Ausgangslage diskutierte Binder mit der CVP-Geschäftsleitung am Montagabend nach dem Talk.

Als FDP-Kandidatinnen kursierten am Montag Renate Gautschy, die Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner, Nationalrätin Corina Eichenberger und Grossrätin Sabina Freiermuth.

Doch dann schwenkte die FDP auf die SVP-Kandidatin um. "Da sagt die FDP immer, Roth sei nicht wählbar, und nun setzt sie doch auf sie", sagt Binder. Vor diesem Hintergrund wäre die Diskussion am Montagabend mit der CVP-Geschäftsleitung ganz anders verlaufen, führt sie weiter aus.

Dass nun über Roth diskutiert wird, hat einen guten Grund: SVP-Präsident Thomas Burgherr hatte die Regeln am Sonntagabend bestimmt, als er die erneute Kandidatur der Richterin verkündete. Damit setzte er FDP und CVP in Zugzwang.

Schlingerkurs der FDP

Binder klingt am Telefon verärgert über diesen Schlingerkurs der FDP. Diese Unsicherheit macht es für die CVP schwierig, einen eigenen Kurs festzulegen. "Ich kann wegen der FDP nicht alle 5 Minuten eine Sitzung der Geschäftsleitung einberufen", sagt Binder.

Da war alles noch ein bisschen anders – die Parteipräsidenten am Montag im «TalkTäglich», vor der Sitzung der Geschäftsleitungen von FDP und CVP:

Entscheid der CVP fällt am Mittwoch

Die CVP-Geschäftsleitung trifft sich am Mittwoch um 18.30 Uhr zur Lagebesprechung, um mit einem Vorschlag in die anschliessende Delegiertenversammlung zu gehen.

Noch immer hält Binder an ihrem Ceterum Censeo fest: "Wir brauchen eine einzige gemeinsame bürgerliche Kandidatin." Ob die CVP Franziska Roth unterstützen soll, müsse nun die Basis entscheiden, sagt Marianne Binder.

Eine zweite bürgerliche Kandidatur – denkbar ist auch eine Kandidatin aus der Mitte (etwa Maya Bally) – spielt SP und Grünen in die Hände.

Ob Roth zulegen kann? "Daran zweifle ich nicht", sagt Binder. Aber sie geht davon aus, dass Yvonne Feri ebenfalls zulegen könnte. Wer im zweiten Wahlgang vom 27. November den fünften Regierungssitz erobert, sei momentan schwierig abzusehen.

Regierungsrat: das Ergebnis des 1. Wahlgangs vom 23. Oktober 2016

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AZ