Schafisheim

Wegen Mobbingvorwürfen: Rudolf-Steiner-Schule gerät ins Visier der Politik

Auch im neuen Jahr steht die Rudolf-Steiner-Schule Aargau weiterhin im Blickpunkt.Annika Bütschi

Auch im neuen Jahr steht die Rudolf-Steiner-Schule Aargau weiterhin im Blickpunkt.Annika Bütschi

Grossrätinnen aus drei Parteien stellen dem Regierungsrat kritische Fragen zur Qualität der in Kritik geratenen Rudolf-Steiner-Schule. Fragezeichen machen sie sich unter anderem zur Qualifikation der Lehrpersonen.

Vor knapp einem Monat wandten sich Eltern an die Medien und berichteten von Mobbing, Gewalt gegen Schüler und unqualifizierten Lehrpersonen und an der Rudolf-Steiner-Schule in Schafisheim.

Nun nimmt sich die Politik der Vorwürfe an: In einer Interpellation, die gestern im Grossen Rat eingereicht wurde, stellen Trudi Huonder (CVP, Egliswil), Esther Gebhard-Schöni (EVP, Möriken-Wildegg) und Barbara Portmann (GLP, Lenzburg) dem Regierungsrat kritische Fragen zur Steiner-Schule.

In ihrem Vorstoss weisen die Grossrätinnen auf eine «grosse Fluktuation bei Lehrkräften» der Steiner-Schule hin.

Kündigung nach einem halben Jahr

Laut Informationen der Aargauer Zeitung hat auch Schulkoordinator Roman Schurter seine Stelle gekündigt.

Lucio Carlucci, der Präsident des Rudolf-Steiner-Schulvereins Aargau, sagt dazu: «Es ist mir wichtig, dass personelle Änderungen, welche die Schule betreffen, zuerst durch die Schulleitung an die Eltern, Lehrpersonen und Schüler kommuniziert werden können, bevor Medien darüber berichten.»

Daher möchte Carlucci zurzeit «nicht näher auf die angesprochene Kündigung eingehen». Der Schulvereinspräsident äussert sich auch nicht zur Frage, ob Schurters Kündigung mit der Aufsichtsbeschwerde mehrerer Eltern und der Belastung durch häufige Medienanfragen zusammenhänge.

Roman Schurter war gestern für eine Stellungnahme zu seiner Kündigung nicht erreichbar. Er hatte seine Stelle als Koordinator bei der Rudolf-Steiner-Schule erst im Sommer 2013 angetreten. Zuvor war er als Redaktor und Projektleiter beim Lehrmittelverlag des Kantons Aargau tätig.

Evaluation durch externe Firma

Sorgen machen sich die Grossrätinnen auch um die Schulqualität. «Wird die Rudolf-Steiner-Schule wie die öffentlichen Schulen regelmässig durch eine externe Stelle evaluiert?», wollen sie wissen.

«Nein», sagt Irène Richner, Kommunikationschefin im Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS), «dafür gibt es im Kanton Aargau keine rechtliche Grundlage.» Lucio Carlucci hält fest: «Unsere Schule wird jährlich von einer akkreditierten Prüfstelle für Kindergärten, Schulen, Aus- und Weiterbildungsstätten auditiert.»

Dabei handelt es sich um die Confidentia in Zürich. «Aufgrund der aktuellen Situation findet am 16. Januar ein ausserordentliches Audit statt, das sich mit der Behandlung von Elternbeschwerden befasst», ergänzt Carlucci.

Auf der Website der Steiner-Schule wird dieses Audit beschrieben. «Wie werden Reklamationen, Beanstandungen und Kritik von der Schule aufgenommen und verarbeitet? Welche Werkzeuge stehen zur Verfügung? Wo sind Schwachstellen, wie werden diese behoben?», sind einige Fragestellungen.

Carlucci sagt weiter: «Die Auditberichte zeigen auf, dass unsere Schule in den letzten Jahren regelmässig und nachhaltig an definierten Handlungsfeldern gearbeitet hat.»

Fragen zur Lehrerqualifikation

Fragezeichen machen Huonder, Gebhard-Schöni und Portmann auch bei der Qualifikation der Lehrer an der Steiner-Schule. «Ist es einer Privatschule erlaubt, Lehrpersonen, Kindergarten-Lehrpersonen und Personal der Kinderkrippe ohne pädagogische Ausbildung oder Lehrerdiplom anzustellen?», wollen sie wissen.

Eine Nachfrage beim BKS zeigt: Bei der Qualifikation der Lehrpersonen gibt es Unterschiede zwischen privaten Schulen, Kindergärten und Krippen.

«Voraussetzung für die Bewilligung zur Führung einer Privatschule ist, dass die Qualifikationen der Lehrpersonen jener der öffentlichen Schule entsprechen müssen», hält BKS-Sprecherin Richner fest.

Für private Kindergärten ist erst seit der Annahme der Vorlage zur Stärkung der Volksschule eine Bewilligung nötig. «Bis spätestens 1. August 2015 muss eine solche vorliegen», führt Richner aus.

Derzeit gibt es also keine Vorschriften des Kantons, wie private Kindergärtnerinnen qualifiziert sein müssen. Für Kinderkrippen, wie die «Farfallina» bei der Steiner-Schule
in Schafisheim, ist nicht das BKS zuständig, sondern die Gemeinden.

Schulvereinspräsident Lucio Carlucci sagt: «Zur Überprüfung der Vorwürfe haben wir beim BKS die Qualifikationen unserer Lehrpersonen eingereicht.»

Carlucci betont weiter: «Nach meiner Beurteilung der Unterlagen beschäftigt unsere Schule eine hohe Anzahl gut qualifizierter Lehrpersonen. Die Vorwürfe erscheinen mir nicht gerechtfertigt.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1