Auw

Wegen Käse-Schummelei bestraft: «Milchgold» und Emmentaler treffen sich wohl vor Gericht

Die Auseinandersetzung zwischen der Michgold AG und Emmentaler geht weiter. (Archiv)

Die Auseinandersetzung zwischen der Michgold AG und Emmentaler geht weiter. (Archiv)

Die Freiämter Käserei Milchgold und die Sortenorganisation Emmentaler konnten sich vor der Schlichtungsbehörde nicht einigen. «Milchgold» hat jetzt geklagt.

Der Käser der Milchgold Käse AG in Auw hat sich nicht an die Vorschriften im Pflichtenheft der Sortenorganisation Emmentaler gehalten. Er hat zwei Tage alte Milch zu Emmentaler AOP verarbeitet, obwohl das Pflichtenheft vorschreibt, dass die Milch maximal 24 Stunden alt sein darf. Ende Februar 2018 ist es den Kontrolleuren gelungen, dem Käser den Verstoss gegen das Pflichtenheft nachzuweisen. Als Sofortmassnahme wurde aller Emmentaler, der im Dezember 2017 bei «Milchgold» produziert worden war, zu Schmelzkäse deklassiert. Insgesamt mehr als 30 Tonnen.

Wird Käse deklassiert, hat das für eine Käserei drastische Folgen, weil deklassierter Käse einen viel tieferen Kilopreis hat. «Es ist die schärfste Sanktion, die der Sanktionskatalog der Zertifizierungsstelle vorsieht», sagte Emmentaler-Präsident Alain Meyer im November im Interview mit der AZ. Zusätzlich hat der Vorstand der Sortenorganisation eine Konventionalstrafe ausgesprochen und beschlossen, dass die Käserei den erzielten finanziellen Vorteil zurückzahlen muss. Im Laufe der Abklärungen stellte sich nämlich heraus, dass der Käser schon länger zu alte Milch zu Emmentaler AOP verarbeitet hatte und deshalb vom höheren Verkaufspreis profitierte. Der Käser habe zugegeben, dass die Milch seit Anfang 2016 älter als 24 Stunden war, sagte Meyer zur AZ.

Zwei Verfahren sind hängig

Die Höhe der Konventionalstrafe und der Rückforderung bezifferte der Emmentaler-Präsident nicht, weil das Verfahren damals noch nicht abgeschlossen war. Der Käser hatte gegen die beschlossenen Sanktionen der Sortenorganisation Rekurs eingelegt. Die Parteien trafen sich im November 2018 vor der Schlichtungsbehörde. Doch sie konnten sich nicht einigen, wie die Sortenorganisation auf Anfrage der AZ nun mitteilt. Die Schlichtungsbehörde habe der Milchgold Käse AG deshalb die Klagebewilligung erteilt. Der Käser hatte in der Folge drei Monate Zeit, um beim Gericht eine Klage einzureichen.

Diese ist Anfang März beim Regionalgericht Bern-Mittelland eingegangen, wie das Gerichtssekretariat auf Anfrage mitteilt. Wenn sich die Parteien nicht noch aussergerichtlich einigen und die Käserei ihre Klage zurückzieht, wird es demnach zu einer Verhandlung vor dem Richter kommen.

Betrugs-Verdacht

Es ist nicht die einzige Gerichtsverhandlung, die der Käserei bevorsteht. Im Aargau hat die kantonale Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Verdachts auf Betrug eröffnet. Der Fall ist hängig. «Wie lange es bis zum Abschluss des Verfahrens dauern wird, können wir derzeit nicht abschätzen», sagt Mediensprecherin Fiona Strebel. Für den beschuldigten Käser gilt die Unschuldsvermutung.

Bereits abgeschlossen ist das Verwaltungsverfahren des Bundesamts für Landwirtschaft. Dieses ergab, dass die Freiämter Käserei zu Unrecht 1,1 Millionen Franken Bundessubventionen bezogen hatte. Die Milchgold Käse AG musste die zu Unrecht bezogenen Subventionen zurückzahlen und ausserdem eine Busse von 8000 Franken bezahlen. Diese Sanktion hat die Milchgold Käse AG – im Gegensatz zu jener der Sortenorganisation Emmentaler – akzeptiert.

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