Rasertourismus
Wegen eines frechen Schweizer Rasers: Deutschen platzt der Kragen

Ein Schweizer Motorradfahrer wurde auf einer Ausserortsstrecke im benachbarten Deutschland mit Tempo 200 geblitzt und zeigte sich dann uneinsichtigt. Im Internet halten sich die Deutschen nicht zurück mit Kommentaren über Schweizer Raser.

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Ein Motorradfahrer wurde in Deutschland mit 200 km/h geblitzt – das führte zu heftigen Reaktionen. (Symbolbild)

Ein Motorradfahrer wurde in Deutschland mit 200 km/h geblitzt – das führte zu heftigen Reaktionen. (Symbolbild)

Keystone

Ein 44-jähriger Schweizer durchbrach letzten Freitag mit seinem Motorrad auf der B314 zwischen Eggingen und Stühlingen die 200 km/h-Schallmauer. Dabei überholte er einen Zivil-Pkw der Polizei. Von Verkehrspolizisten darauf angesprochen, mehrmals über 200 km/h gefahren zu sein, zeigte er sich laut suedkurier.de uneinsichtig und sagte: «In der Schweiz müsste ich dafür ins Gefängnis, deswegen fahre ich dort nicht.» Für die Geschwindigkeitsübertretung erhielt er laut Tele M1 eine Busse von 1200 Euro. In der Schweiz wäre sein Motorrad von der Staatsanwaltschaft eingezogen worden.

Bei den Deutschen löste das auf der Facebook-Seite der Südkurier-Redaktion Waldshut-Tiengen heftige Reaktionen aus. «Die Schweizer sind Gäste in Deutschland. wissen die sich als solche nicht, wie man sich benimmt?», schreibt Martina U. «Motorrad wegnehmen wie es in der Schweiz auch gemacht wird», fordert etwa Erika J. Manche fordern sogar noch eine höhere Strafe: «Führerschein weg und Einreiseverbot», schreibt Thor S. Besonders erzürnt sind die Kommentatoren, weil der Schweizer mit Vorsatz über die Grenze fuhr, um Tempo zu bolzen. Es fällt auch das Wort «Rasertourismus».

Allerdings gibt es auch andere Stimmen: Frank P. schreibt etwa, dass die Schweizer in Deutschland, «eher zu langsam als zu schnell» fahren. Und Sarah C. ärgert sich darüber, dass wegen einzelner Schwarzer Schafe gleich über die ganze Nation gemeckert wird. «Ganz grundsätzlich hasse ich diese Verallgemeinerungen, die bei solchen Diskussionen immer wieder gemacht werden. Sofort ist es immer wieder das ganze Land, das ganze Volk, das wegen eines Einzeltäters beleidigt wird.»

Gezielte Kontrollen der deutschen Polizei

Die deutsche Polizei schaut dem Treiben von Schweizer Rasern keineswegs nur zu. «Wir sind mit Hochdruck dabei, diese schwarzen Schafe zu stoppen», versichert Paul Wissler, Pressesprecher der Polizei gegenüber dem Südkurier. Auf Grund der Vielzahl von schweren Unfällen mit Motorrad-Fahrern werden seit längerer Zeit gezielt Kontrollen mit Video-Kameras durchgeführt.

«Hauptursache der Unfälle ist meistens überhöhte Geschwindigkeit», sagt Wissler weiter. Und die Zahl der Todesfälle steigt. Im Landkreis Waldshut sind 2014 bisher bereits drei Motorradfahrer ums Leben gekommen.

Wissler führt weiter aus, dass die die Zahl der Schweizer Motorradfahrer im Grenzgebiet erfahrungsgemäss immer sehr hoch sei. Die geringen Bussen im «Dütsche» würden durchaus eine Rolle spielen. «In der Schweiz würden die Fahrer bei derartigen Vergehen um ihre Existenz gebracht.»

Selbst bei Verstössen mit über 200 km/h muss der Fahrer in Deutschland nicht mit dem Verlust seines Führerscheins rechnen. Dies wäre nur bei konkreten Verkehrsgefährdungen der Fall. Zudem: Ein Fahrverbot wäre zwar möglich, ist aber jeweils nur auf das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland beschränkt. (pz)

Krasse Vergehen haben Folgen

In Deutschland müssen bei Fahrten ausserorts mit über 200 km/h nicht zwingend mit dem Verlust des Führerausweises rechnen. Dies ist nur bei einer konkreten Verkehrsgefährdung der Fall. Zudem: Ein Fahrverbot ist zwar möglich, beschränkt sich aber auf das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings gibt es da einen Haken: Meldet die deutsche Polizei den Schweizer Behörden ein krasses Vergehen, wie dies bei einer Töfffahrt mit 200 Stundenkilometern zweifellos der Fall ist, kann das zuständige Strassenverkehrsamt das Vergehen nach Schweizer Recht ahnden. «Ist ein Verkehrsrowdy nicht einschlägig vorbestraft, darf die Dauer des Fahrausweisentzugs die Dauer des ausländischen Führerausweisentzuges nicht überschreiten», sagt Martin Bruder, Leiter administrative Massnahmen im Strassenverkehrsamt in Schafisheim. Da im Ausland die Ausweisentzüge in der Regel weniger lang ausfallen als in der Schweiz, kommt ein Ersttäter mit einem blauen Auge davon. Ist der Verkehrssünder jedoch in der Schweiz wegen früherer Geschwindigkeitsexzesse mit Ausweisentzug registriert, kann das Strassenverkehrsamt die gleiche Strafe ausfällen, wie wenn die Tat auf Schweizer Boden begangen worden wäre. Nach neuer Rechtsprechung muss bei einem Raserdelikt mit Vorstrafeneintrag mit einer Mindestentzugsdauer zwischen zwei Jahren und lebenslänglich gerechnet werden. (Za)