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Wegen Differenzen mit dem Chefarzt: Am Kantonsspital Aarau gehen fünf Kardiologen

Kantonsspital Aarau: Ein Oberarzt und ein leitender Arzt haben Ende Juni 2019 gekündigt, zwei weitere leitende Ärzte sowie ein Oberarzt Ende August.

Kantonsspital Aarau: Ein Oberarzt und ein leitender Arzt haben Ende Juni 2019 gekündigt, zwei weitere leitende Ärzte sowie ein Oberarzt Ende August.

Gleich fünf erfahrene Ärzte haben in den letzten Monaten gekündigt – wegen Differenzen mit einem Chefarzt. Die Kardiologen wollen künftig als Belegärzte bei der Hirslanden Klinik arbeiten.

Gut elf Monate ist es her, seit das Kantonsspital Aarau (KSA) ankündigte, sich um den Leistungsauftrag für die Herzchirurgie zu bewerben. Das KSA wollte die Kooperation mit der Hirslanden Klinik beenden und die ganze Herzmedizin, also Operationen und kardiologische Behandlungen, selber anbieten. Man habe dafür alle Voraussetzungen, hiess es damals.

Ob das heute noch gilt, ist fraglich: Laut Informationen der AZ haben gleich mehrere Ärzte des Kardiologie-Teams gekündigt. KSA-Sprecherin Isabelle Wenzinger bestätigt dies auf Anfrage: «Ein Oberarzt und ein leitender Arzt haben Ende Juni 2019 gekündigt, zwei weitere leitende Ärzte sowie ein Oberarzt Ende August.» Wenzinger sagt weiter: «Wir haben Kenntnis davon, dass die fünf Kardiologen künftig als Belegärzte bei der Hirslanden Klinik arbeiten wollen.» 

Hat das Privatspital, möglicherweise als späte Rache für die Bewerbung des KSA für die gesamte Herzmedizin, dem Kantonsspital die Ärzte abgeworben? «Nein», sagt Hirslanden-Sprecher Philipp Lenz, «die Kardiologen sind auf uns zugekommen.» Die leitenden Ärzte seien schon seit 2014 im Rahmen des Herzzentrums Aargau an der Hirslanden Klinik tätig. Lenz hält fest, das KSA habe seine Bewerbung für die Herzchirurgie im Mai zurückgezogen, «damit war die Sache vom Tisch». Und auch Wenzinger sagt, das KSA habe keinen Grund zur Annahme, dass ein Zusammenhang zur Auseinandersetzung mit Hirslanden um die Herzchirurgie besteht.

Grund für die Kündigungen sind laut Informationen aus mehreren Quellen Konflikte mit dem neuen Kardiologie-Chefarzt, der diese Position erst seit Juni 2018 innehat. Die Spitalsprecherin sagt dazu: «Im Rahmen des Chefarztwechsels hat sich in den letzten Monaten gezeigt, dass es innerhalb des Teams unterschiedliche Vorstellung zur Führung und zur Entwicklung der kardiologischen Abteilung gab.»

Kantonsspital Aarau muss drei neue Ärzte suchen

Wenzinger betont, das KSA habe schon Ersatz gefunden für die beiden Kardiologen, die im Juni kündigten. Ein neuer Arzt nahm die Arbeit schon Anfang August auf, eine Ärztin beginnt im Oktober. Das Kantonsspital werde sich nun um die Nachfolge der drei weiteren Ärzte kümmern, sagt Wenzinger. Die Abgänge erfolgen nicht sofort, vielmehr haben die scheidenden Ärzte Kündigungsfristen von drei bis sechs Monaten.

Das KSA führe eine der bedeutendsten kardiologischen Abteilungen im Mittelland, hält die Sprecherin fest. «Wir sind deshalb überzeugt, fachlich gut qualifizierte Kaderärzte rekrutieren und einen nahtlosen Übergang gewährleisten zu können.» Trotz der Abgänge werde das Spital seine Patientinnen und Patienten in der Kardiologie weiter in hoher Qualität versorgen. «Das hat für uns oberste Priorität», sagt Sprecherin Wenzinger.

In der Herzmedizin arbeitet das KSA neben Hirslanden auch mit dem Kantonsspital Baden (KSB) zusammen. Mehrere der Aarauer Kardiologen, die nun gekündigt haben, hätten seit Jahren «vor Ort in Baden Leistungen für unser Spital erbracht», sagt KSB-Sprecher Omar Gisler.

Kantonsspital Baden kündigt Kardiologie-Vertrag mit Aarau

Isabelle Wenzinger betont, das KSA sorge für die Einhaltung der Kooperationsverträge mit Hirslanden und dem KSB und erbringe seine Leistungen weiter wie vereinbart. Das sehen die Verantwortlichen in Baden offenbar anders. Das KSB hat den Kardiologie-Vertrag mit dem KSA gekündigt und kooperiert neu mit Hirslanden. «Wir mussten reagieren, um unsere Patienten weiterhin im gewohnten Setting behandeln zu können», sagt KSB-Sprecher Gisler. Es sei wichtig, Kontinuität zu wahren und die Patienten im Kanton zu behalten. «Wir sind froh, die etablierte Zusammenarbeit mit diesen Kardiologen ohne Unterbruch weiterführen zu können», hält Gisler fest. Das heisst im Klartext: Auch künftig werden dieselben Kardiologen in Baden Patienten behandeln, nur sind diese jetzt bei Hirslanden angestellt, statt wie bisher im KSA.

Kürzlich wurde bekannt, dass das KSB bei der hochspezialisierten Chirurgie mit Hirslanden zusammenarbeitet, nun passiert dasselbe bei der Kardiologie. Ist Hirslanden also der neue Partner, weil es mit dem KSA öfters Probleme gibt? KSB-Sprecher Gisler verneint: «Das KSA ist und bleibt unser wichtigster Partner, wir haben mit dem Kanton nicht nur den selben Eigentümer, sondern viele bedeutende Kooperationen, so in der Radioonkologie, in der Neurochirurgie oder bei den Laboranalysen.»

Auch Hirslanden sieht das KSA weiterhin als möglichen Partner. «Der Zusammenarbeit in der Herzchirurgie steht von unserer Seite her nichts im Weg», sagt Philipp Lenz. Hirslanden frage jeweils verschiedene andere Häuser für Kooperationen an, wenn dies Sinn mache. Bei der zusätzlichen Kooperation in der Kardiologie gehe es darum, «dass das KSB auch weiterhin den kardiologischen Service sicherstellen kann, der in Baden vor Ort notwendig ist», sagt Lenz.

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