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Wegen Corona: Aargauer Museen büssten die Hälfte der Besucher ein

Die wegen hoher Coronazahlen verordnete Schliessung über die Feiertage traf vor allem das Stapferhaus in Lenzburg hart.

Stefania Telesca
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Menschen gibt es in der Stapferhaus-Ausstellung in Lenzburg derzeit nur als Projektion, das Museum ist für Besucher geschlossen.

Menschen gibt es in der Stapferhaus-Ausstellung in Lenzburg derzeit nur als Projektion, das Museum ist für Besucher geschlossen.

Chris Iseli

Monatelang hatte sich das Stapferhaus Lenzburg auf die Eröffnung der Ausstellung «Geschlecht. Jetzt entdecken» vorbereitet. Die Verantwortlichen hatten sich gefreut und bis zuletzt gezittert, ob sie wirklich starten dürften. Am Sonntag, 1. November, war es endlich so weit: Die Organisatoren stellten ein umfassendes Schutzkonzept auf, limitierten die Plätze und regulierten die Besucherströme durch Onlineanmeldungen – und die farbenfrohe Ausstellung begann.

Nach wenigen Wochen war schon alles wieder vorbei. «Es war für uns ein Abschied auf Raten», sagt Noemi Fraefel, Verantwortliche Kommunikation und Marketing im Stapferhaus. Die Schliessung aller Museen habe sich abgezeichnet, als eine Woche vorher bereits die Öffnung an Sonntagen und Abenden verboten wurde. Die Enttäuschung und etwas Wehmut sind vorhanden, hätten doch viele Menschen mit Leidenschaft gemeinsam an der Ausstellung gearbeitet und sich gefreut, sie möglichst vielen Menschen zu zeigen. Trotzdem habe man grosses Verständnis für die Regelung: «Es ist gut, dass nun in der ganzen Schweiz dieselben Regeln gelten. Es war auch unfair anderen Kantonen gegenüber, die auch tolle Ausstellungen hatten.»

Der Start der neuen Ausstellung im Stapferhaus war sehr gut angelaufen, sagt Fraefel: «Das Reservationstool hat gut funktioniert und die Wochenenden waren ausgebucht.» Die Ausstellung fand auf 1200 Quadratmetern Fläche statt, es wurden aber gleichzeitig nicht mehr als 100 Personen in die Ausstellung gelassen. So stand pro Person sogar mehr Platz als gesetzlich gefordert zur Verfügung. Das Fernbleiben von Schulklassen und Gruppen habe man am stärksten gespürt.

Stapferhaus: Höhe des Schadens noch unbekannt

Wie hoch der Schaden durch die Schliessung des Stapferhauses über die Festtage sein wird, könne man noch nicht beziffern. «Traditionell sind der 26. Dezember und der 2. Januar sehr stark besuchte Tage. Viele kamen nach dem Feiern gleich mit der ganzen Familie in die Ausstellung.» Das Stapferhaus finanziert sich zu einem grossen Teil durch Eintrittseinnahmen. «Wir sind davon abhängig», sagt Fraefel. Durchschnittlich habe man bei der aktuellen Ausstellung aufgrund der Beschränkungen täglich halb so viele Besucher gehabt wie bei der vorgängigen Ausstellung «Fake». Das Stapferhaus hat nun Entschädigungen beantragt und Kurzarbeit angemeldet, für die Leute, die an der Front arbeiten. Etwa am Empfang oder als Vermittlungsperson in der Ausstellung. Geplant war eine Ausstellung bis Ende Oktober 2021. «Wir möchten die Ausstellung gerne verlängern. Damit mehr Leute sie sehen können. Wir wissen aber noch nicht, ob wir das finanziell schaffen.» Dies wird im neuen Jahr entschieden.

Viele Menschen hätten auf die Feiertage hin Eintritts- und Wertgutscheine gekauft, um diese zu verschenken. Oder auch die Publikation zur Ausstellung bestellt: «Das freut uns. Denn das heisst, dass die Leute interessiert sind und uns unterstützen in schwierigen Zeiten.» Wenn alles nach Plan verläuft, öffnet das Stapferhaus am 23. Januar seine Türen wieder.

Museum Aargau: Ausstellung verschoben

Auch Museum Aargau musste die Eröffnung der Sonderausstellung «Von Menschen und Maschinen» coronabedingt erneut verschieben. Statt wie geplant im Frühling startete die Ausstellung im Gebäude der SBB-Historic in Windisch erst am 23. Oktober. Die spektakuläre Einweihung mitsamt nostalgischer Zugfahrt von Aarau nach Brugg fand wegen der rasant steigenden Coronazahlen von Ende Oktober ohne Zuschauer statt. Nach knapp zwei Monaten ist die Ausstellung über die Aargauer Zeitgeschichte stillgelegt. Sie wird erst am 26. März 2021 wiedereröffnet. Statt wie geplant bis zum 1. Mai 2021 wird die Ausstellung nun bis zum 31. Oktober 2021 verlängert.

Die Schlösser Lenzburg, Hallwyl und Wildegg sowie das Kloster Königsfelden und der Legionärspfad Vindonissa befinden sich sowieso bis zum 1. April in der Winterpause. Schloss Habsburg, das Museum Vindonissa und Industriekultur Aabach sind voraussichtlich bis zum 22. Januar geschlossen.

Museum Aargau hat ein spezielles Jahr hinter sich. Trotz Covid kamen rund 150'000 Besucherinnen und Besucher an die verschiedenen Standorte, die man unter Einhaltung der Schutzkonzepte nach dem Lockdown wieder besuchen konnte. Und es kamen mehr Individualbesucher als im Vorjahr. Was fehlten, waren aber die Schulklassen und Gruppen. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 besuchten rund 284'000 Personen, also fast doppelt so viele Menschen wie letztes Jahr, die Standorte von Museum Aargau.