Kraftwerke im Aargau
Wasserstrom-Projekte wegen viel zu viel Billigstrom auf Eis gelegt

Verzichten wir auf Atomkraft, gewinnen die einheimischen Wasserkraftwerke an Bedeutung. Doch es gibt einen Ausbaustopp. Die Stromschwemme aus Solar und Wind spült die geplanten Investitionen in Kraftwerke an Aare und Rhein den Fluss hinunter.

Hans Lüthi
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Das Wasserkraftwerk Laufenburg wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.

Das Wasserkraftwerk Laufenburg wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.

ed

Wasserstrom wird in unseren Flüssen seit über hundert Jahren rund um die Uhr produziert. Mit dem geplanten Ausstieg aus der Atomkraft gewinnt die einheimische, erneuerbare Energie zusätzlich an Bedeutung.

Hunderte von Millionen Franken sind in den letzten 20 Jahren in Flusskraftwerke im Aargau investiert worden.

Ausbaupotenzial ist vorhanden, aber alle grösseren Projekte liegen auf Eis. Europas Strompreise sind derart im Keller, dass sich Investitionen absolut nicht lohnen.

Weil bei viel Sonne und Wind das deutsche Stromnetz überschwemmt wird, mussten sich die Aargauer sogar gegen punktuelle Senkungen der Produktion am Rhein wehren.

Alle Ausbaupläne sind sistiert

Mit Konzessionserneuerungen wird in aller Regel kräftig investiert, weil die Besitzer dann für 60 oder mehr Jahre den Strom unter klaren Bedingungen ernten und verkaufen können.

Das funktioniert wegen der künstlichen Marktverzerrung heute nicht mehr. Beim Wasserkraftwerk am Klingnauer Stausee waren bisher auch die Deutschen beteiligt.

Mit der neuen Konzession ab Juli 2015 werden Axpo und AEW Energie AG alleinige Besitzer – und müssen bereits Abschreibungen tätigen. Sparen ist angesagt, für Erneuerungen kein Geld vorhanden.

«Das Potenzial für zusätzlichen Strom ist in Klingnau gering, neue Maschinen werden in Zukunft nicht eingebaut», sagt Patrick Rötheli, Leiter der Sektion Gewässernutzung im BVU.

Beim Kraftwerk im Rhein, zwischen dem deutschen Reckingen und dem Schweizer Rekingen, wollten die Besitzer ursprünglich zusätzliches Potenzial ausschöpfen. «Dies durch Höherstau oder Ausbaggern im Unterwasser», betont Rötheli. Doch wegen der Stromschwemme in Europa und aus ökologischen Gründen verzichten die Bauherren darauf. Zur Freude der Fischer, welche derart massive Eingriffe bekämpfen.

Beznau-Ausbau nicht vor 2022

Das Wasserkraftwerk Beznau gehört mit über 110 Jahren zu den ältesten in der Schweiz. Die Axpo wollte vor dem gescheiterten Atomkraftwerk Beznau 3 zügig ein neues Wasserkraftwerk bauen. Das neue Werk oberhalb der historischen Anlage und unterhalb der Atomkraftwerke brächte immerhin etwa 40 Prozent zusätzlichen Strom. Bei 19,5 Megawatt Leistung könnten statt heute 130 Millionen künftig 170 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugt werden. Doch die Axpo vertröstet wegen der Konzession auf 2022.

Flussaufwärts sind in Rupperswil-Auenstein ein Umgehungsfluss und eine Dotierturbine installiert worden. Das neu gebaute Kraftwerk Rüchlig in Aarau ist so weit fertig, dass selbst 1700 Kubikmeter Hochwasser durchfliessen könnten – mehr als bei den Überschwemmungen von 2007. Weiter flussaufwärts beim Kraftwerk Aarau kommt es nächstens zur Genehmigung des Projekts für die Erneuerung.

Natürliche Strecken geschützt

An den vier grossen Flüssen Aare, Limmat, Reuss und Rhein stehen im Wasserkanton Aargau 26 Kraftwerke. Mit 5831 Gigawattstunden (GWh) erreichte die Produktion letztes Jahr 113 Prozent des langjährigen Mittels. Nach einem zu trockenen Start ist die Wasserführung jetzt überdurchschnittlich gut. Ein Ausbau der noch frei fliessenden Strecke von Rekingen bis Koblenz ist tabu, die Reuss unterhalb von Bremgarten ist seit 50 Jahren per Gesetz geschützt.

An der Limmat in Baden sind die Kraftwerke Aue und Schiffmühle mit einer Dotierturbine ergänzt worden. Damit kann auch das Restwasser genutzt werden. Das Kraftwerk Kappelerhof ist rundum erneuert worden, in Turgi wäre Potenzial für zusätzlichen Strom vorhanden.