Kite-Surfing

Wassersportler: «Der Kanton Aargau gönnt den jungen Leuten keinen Spass»

Der Bund will mit der Revision der Binnenschifffahrtsverordnung das Kite-Surfing in der Schweiz erlauben. Dass sich der Kanton Aargau dagegen ausspricht, sorgt bei Wassersportlern am Hallwilersee für Kopfschütteln.

«Kite-Surfing ist in den letzten Jahren sicherer geworden und braucht weniger Platz», sagt Felix Bürgi von der Swiss Sailing School in Tennwil. Als das Surfen mit Drachensegeln (Kites) vor einigen Jahren in der Schweiz ein Thema wurde, seien die Seile noch gut 30 Meter lang gewesen. Heute genügten 15 bis 20 Meter Länge, so Bürgi.

Auf dem 8,5 Kilometer langen Hallwilersee ist die Randsportart verboten. Der Bund will mit der Revision der Binnenschifffahrtsverordnung jedoch den Weg für das Kite-Surfing grundsätzlich frei machen. Das Schweizer Parlament hatte eine entsprechende CVP-Motion überwiesen.

Der Kanton stehe der ersatzlosen Streichung des Verbots skeptisch gegenüber, hält der Regierungsrat in seiner Vernehmlassungsantwort an das Bundesamt für Verkehr (BAV) fest.

Gründe für die Beibehaltung des Verbots sind gemäss Regierungsrat der Naturschutz und Sicherheitsüberlegungen. Auf dem Mittellandsee seien viele Boote unterwegs und die Zahl der Besucher steige stetig.

Aus Randsportart wird kein Trend

«Mit der Aufhebung des Verbots würde es sicher keinen Ansturm von Kite-Surfern am Hallwilersee geben», sagt Bürgi. «Am Ufer hat es fast überall Bäume. Das macht den See für Kiters nicht sehr attraktiv.»

Bürgi kann nicht verstehen, warum der Kanton Aargau am Verbot festhält: «Es ist schon schade, dass der Kanton den jungen Leuten keinen Spass gönnt. Ein paar Kiters würden das Landschaftsbild bestimmt nicht stören.

Übers Jahr gesehen, sind die Windverhältnisse nämlich nur an wenigen Tagen für diese Sportart geeignet und das ist genau dann, wenn es sonst eher wenig Boote auf dem See hat.»

Leute aus unserer Region könnten sich bei idealen Witterungsverhältnissen auch die lange Autofahrt ins Engadin sparen, sagt Bürgi zum Umweltschutzaspekt. Der Silvaplanersee gilt als Kite-Surfer-Mekka der Schweiz.

Kanton würde eigenes Gesetz aufstellen

Gemäss Bund soll das Kite-Surfing ab 2015 dem Wasserskifahren und Windsurfen gleichgestellt werden. Dem Aargauer Regierungsrat geht das zu schnell. Er verlangt eine Übergangsfrist von drei Jahren - damit der Kanton genug Zeit hat, das Kite-Surfen auf dem Hallwilersee per Gesetz verbieten zu können.

«Der Kanton will also auf Vorrat ein Verbot erstellen. Sollte es nach der Aufhebung des Verbots durch den Bund dennoch zu Konflikten mit Kiters kommen, könnte man ja immer noch ein neues Gesetz in die Wege leiten», räumt Bürgi ein. «Leider scheint der Kanton nicht so aufgeschlossen zu sein.»

Grosse Kollisionsgefahr

Der Kanton will aus Sicherheitsüberlegungen am Verbot festhalten. «Die Unfallgefahr steigt mit der intensiveren Nutzung. Die Bootsdichte auf dem Hallwilersee ist im vergangenen Jahrzehnt unverändert hoch geblieben und lediglich dank Kontingentierungsbestimmungen nicht angewachsen. Die Angebote der Kursschifffahrt wurden ausgedehnt», sagt Samuel Helbling, Leiter Kommunikation beim Depratement Volkswirtschaft und Inneres.

«Die Attraktivität der Region als Erholungsgebiet und Ruheoase für alle Bevölkerungsgruppen hat zugenommen.» Die stetig wachsende Besucherfrequenzen am Hallwilersee, stelle für die Seegemeinden und die Ordnungskräfte eine zunehmende Herausforderung dar, so Helbling weiter.

Besonders bei guten Windverhätnissen rechnet der Kanton mit Konfliktpotenzial. «Das Interesse am Sees ist gerade dann gross, wenn es einmal Wind hat. Dann wären Segler und Kite-Surfer gleichzeitig auf dem kleinen See und die Kollisionsgefahr entsprechend gross», fasst Helbling die Situation zusammen.

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