Energie
Wasserkraftwerke produzieren weniger Strom trotz vollen Flüssen

Durch den Aargau fliesst nach den starken Regenfällen so viel Wasser wie schon lange nicht mehr, doch davon profitieren die Kraftwerke nicht – im Gegenteil.

Manuel Bühlmann
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Die Betreiberin des Wasserkraftwerks in Aarau beklagt gar eine Minderproduktion. (Archivbild)

Die Betreiberin des Wasserkraftwerks in Aarau beklagt gar eine Minderproduktion. (Archivbild)

Ueli Wild

Die Aargauer Flüsse führen nach den starken Niederschlägen von Anfang Mai immer noch überdurchschnittlich viel Wasser. Die Flüsse sind voll. Besonders eindrücklich zeigt sich dies in der Aare: Dort fliesst derzeit mehr als doppelt so viel Wasser wie üblich. Und der Regen ist auf Ende Woche zurückgekehrt.

Auch deshalb sagt Patrick Rötheli, Leiter Gewässernutzung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt: «Der Abfluss in die Aargauer Flüsse wird noch zwei, drei Wochen sehr hoch bleiben.» Er spricht von einer «ausserordentlichen Situation». «Ein so hoher Stand über so lange Zeit kommt vielleicht alle zehn Jahre vor.» Ideale Verhältnisse also für die 26 Aargauer Wasserkraftwerke? Viel Wasser, viel Strom – so einfach ist die Rechnung allerdings nicht.

20 Prozent weniger Strom

Das zeigt das Beispiel IB Aarau: Die Betreiberin des Wasserkraftwerks in Aarau beklagt gar eine Minderproduktion. Ungefähr 20 Prozent weniger Energie werde derzeit gewonnen, sagt Sprecher Roland Dätwyler. Die gleiche paradoxe Ausgangslage meldet auch das Kraftwerk in Rheinfelden: «Die Stromproduktion sinkt, obwohl eigentlich genügend Wasser zur Verfügung stehen würde», sagt Alexander Lennemann von der Betreiberfirma Energiedienst Holding AG.

Die Laufwasserkraftwerke – wie sie im Mittelland verbreitet sind – produzieren dann am meisten Strom, wenn die Höhendifferenz zwischen Ober- und Unterwasser am grössten ist. Bei hohem Pegelstand kann nur ein Teil der Wassermenge auf die Turbinen geleitet werden, der Rest muss abgelassen werden. Dadurch erhöht sich der Wasserspiegel unterhalb des Kraftwerks und die Fallhöhe verringert sich. Die Folge ist eine reduzierte Stromproduktion.

Wasser fliesst ungenutzt vorbei

Dazu kommt: Weil mehr Wasser den Rhein runter fliesst, als das Kraftwerk verarbeiten kann, muss ein beträchtlicher Teil über das Stauwehr abgeleitet werden – ohne daraus Strom zu gewinnen. In Rheinfelden etwa kann zurzeit rund ein Drittel des Wassers nicht verwendet werden. Dennoch sei die Stromproduktion noch rentabel, sagt Lennemann. Für sie herrsche aktuell keine aussergewöhnliche Situation.

Und auch die Axpo, die mehrere Wasserkraftwerke im Kanton betreibt, gibt sich gelassen. «Die Stromproduktion lief problemlos auf dem gewohnten Niveau und es gab keinerlei Unregelmässigkeiten, Beeinträchtigungen oder gar Sachbeschädigungen durch Hochwasser», sagt Sprecherin Catherine Mettler.

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