Im Aargau fehlen altersgerechte Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen. Das hat zwei Gründe. Die Menschen leben länger und die Geburtenstarken Jahrgänge (1946 bis 1967) haben das Pensionsalter erreicht oder stehen kurz davor. Hinzu kommt, dass Seniorinnen und Senioren länger gesund und aktiv bleiben, selbstständig wohnen und weiter am öffentlichen Leben teilnehmen wollen. Die Nachfrage nach geeigneten Wohnungen, die das möglich machen, sei deshalb gross, und sie wird weiter wachsen. Zu diesem Schluss kam die Fachstelle «Alter und Familie» bereits im Jahre 2017.

Wohnangebote fehlen

Die Zahlen bestätigen den Befund: 2010 waren im Kanton Aargau 95'000 Personen über 65 Jahre alt, 2016 waren es bereits 113'000. In zwanzig Jahren wird es im Aargau rund 75'000 über 80-Jährige geben, das sind fast dreimal so viele wie heute.

Etwa ab dem 75. Lebensjahr steigt der Pflegebedarf tendenziell. Trotzdem ist das Wohnen in einem Pflegeheim die Ausnahme. Die meisten älteren Menschen wohnen selbstständig in der eigenen Wohnung. Im Aargau sind es heute 95 Prozent der über 65-Jährigen und 79 Prozent der über 80-Jährigen. Durch diese «neuen Alten» kommen auf die Gemeinden neue Aufgaben zu. Sie müssen Rahmenbedingungen, Wohnangebote, Dienstleistungen und Beratungen so gut organisieren, dass sie zu starke Zunahme an älter werdenden Menschen auffangen können. Die Förderung von altersfreundlichen Wohnungen kann sich für die Gemeinden durchaus lohnen. Die Fachstelle Alter und Familie hat errechnet, dass im Aargau rund 6000 Menschen weniger in Pflegeheimen leben müssten, wenn es genügend Alterswohnungen gäbe. Doch die Zahlen sprechen bisher eine andere Sprache: In über der Hälfte der Aargauer Gemeinden gab es 2017 kein Angebot im Bereich «Wohnen im Alter». Immerhin haben die Aargauer Gemeinden in einer Umfrage dieses Thema als das wichtigste in der Alterspolitik bezeichnet.