Hier würde die Sicht optimal sein, das war garantiert. «Eine Mondfinsternis gibt es etwa jedes halbe Jahr», erklärt Christian Wernli von der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft (SAG). Auch der Blutmond an sich komme öfters vor. Das sei also noch nichts Besonderes. Besonders sei die zusätzliche Planetenparade: die deutliche Sichtbarkeit von Mars, Saturn, Venus und Jupiter. Um diese genauer zu sehen, empfiehlt er, sich später, so nach 21 Uhr, in die Sternwarte zu begeben, die nur etwas oberhalb der Matte liegt.

Zunächst einmal gilt es aber, alle Geräte richtig einzustellen, solange es noch hell ist. Heute ist ein Glückstag. Denn, Wernli spricht etwas an, woran jetzt niemand denkt: «Rund 80 Prozent der astronomischen Beobachtungsevents müssen aufgrund schlechter Sicht wieder abgesagt werden. Heute nicht.» Jonas Schenker, Präsident der Astonomischen Vereinigung Aarau (AVA), stellt die Teleskope ein. Die AVA stellte vorgängig ein paar Teleskope ein, elektronisch gesteuerte.

«So viele Leute ...?»

Fredy Villiger aus Dulliken zählt auf seine Profikamera. Er sei oft hier auf der Schafmatt, aber um Schmetterlinge und die Vogelwelt zu fotografieren. «Das hier mache ich zum ersten Mal», sagt er, und deutet auf den Horizont. Die Sicht sei umwerfend, und später stelle er seine Bilder auf die sozialen Medien. Christian Glatz aus Aarburg hingegen hat sich spontan entschieden, hier hinauf zu kommen: «Hier ist die Sicht optimal», sagt er, sieht sich um und ergänzt: «Ich hätte nicht gedacht, dass es hier so viele Leute hat.» Tobias Knöpfli ist extra aus Basel angereist und brachte seine Kamera mit. «Den Aussichtspunkt habe ich bei Google Maps eruiert», so der Städter.

Zwischenzeitlich wird es auch langsam knapp mit den Parkplätzen. Einige fahren auf die Matte, was auch ohne Einweisung zivilisiert abläuft, doch die meisten bevorzugen den Strassenrand. Diese sonst schon enge Strasse ist gesäumt von Autos. Vielleicht könnte dies beim Verlassen der Schafmatt später noch Nerven kosten.

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Doch das Geschehen am heutigen Nachthimmel stiehlt solchen Gedanken schnell die Show. Um 21.38 Uhr ist der Mond in voller Pracht zu sehen, aber etwas «angefressen», um die Mondfinsternis etwas trivial und wenig romantisch zu umschreiben. Weiter vorne auf der Matte sehen sich offenbar alte Bekannte nach mehreren Jahrzehnten hier und heute wieder. Die Freude ist gross, die beiden fallen sich in die Arme: «Schon so lange nicht mehr gesehen. Es ist der Mond, der uns zusammengeführt hat», sagt jemand und lacht. Vielleicht war es die Kraft des Blutmondes? An esoterischen Ideen fehlt es heute nicht. Yogamatten mit Meditierenden sind allerdings nicht auszumachen. Auch Mantra ist keines zu hören, denn hier geht es schliesslich um Wissenschaft.

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Die totale Mondfinsternis zog am Freitagabend Astro-Fans in ihren Bann. Eine Reportage von der Sternwarte in Schmidrued-Walde.