Etwa einen Monat habe er nach der Geburt seiner Tochter frei genommen, sagt Cédric Wermuth im Talk Täglich – der SP-Nationalrat vertritt die Initianten, die 20 Tage Vaterschaftsurlaub fordern. Obwohl es in diesem Fall ohne staatliche Unterstützung möglich war, brauche es den staatlichen Eingriff, findet er: «Für viele meiner Kollegen ist das nicht möglich. Ich habe einfach auf Einkommen verzichtet.»

Sein Kontrahent Roland Müller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, hat bereits vier Kinder – «wir haben das alles ohne gesetzlichen Vaterschaftsurlaub geschafft», sagt Müller. Bei seinem letzten Kind habe er fünf Tage frei genommen.

Wermuth als auch Müller wollen sich mit ihrer Position für die KMU einsetzen. «Grosse Firmen haben erkannt, dass das wichtig ist, besonders für Leute, die Karriere machen wollen. Aber wie will es sich der Metzger im Dorf leisten, allen Angestellten einen Vaterschaftsurlaub zu bezahlen. Deshalb braucht es die öffentliche Hand», argumentiert Wermuth. Für Müller ist es dagegen eine zu grosse Belastung für die KMU, wenn zum Feriensaldo noch Militär und Vaterschaftsurlaub kommen.

Auch sonst sind sich die Beiden zwar nicht einig, aggressiv wird die Diskussion aber nie. Man stimmt sich sogar in manchen Punkten zu. Zusammengefasst: Auf freiwilliger Basis, mit Ferien- und unbezahlten Freitagen gibt es bereits einen Vaterschaftsurlaub, für Wermuth greift das aber zu kurz.

Sehen Sie hier die ganze Sendung zum Thema «Vaterschaftsurlaub»

Sehen Sie hier die ganze Sendung zum Thema «Vaterschaftsurlaub»

Mit SP-Nationalrat Cédric Wermuth und Roland A. Müller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Am Schluss der Sendung dürfen die Zuschauer per Telefon ihre Meinung äussern. Schnell wird klar, dass die Initiative einen schweren Stand hat. Eine Anruferin aus Reinach sagt etwa: «Ich bin komplett dagegen. Ich finde, man soll nicht immer alles dem Staat abschieben.» 

«Das ist ein vollkommener Blödsinn. Die Frau hat den ganzen Chrampf, warum sollen die Männer etwas davon haben? Wir mussten waschen, sieden und 'd'Häfeli lüpfe'. Ihr würdet doch schauen, dass ihr im nächsten oder übernächsten Jahr gleich wieder Vaterschaftsurlaub beziehen könntet», so die klaren Worte einer anderen Zuschauerin.

Ein Anrufer aus Unterkulm vertritt dieselbe Meinung: «Ich finde das absolut nicht in Ordnung. Die Schweiz wäre heute nicht dort, wo sie heute ist, wenn jeder für alles Ferien nehmen könnte.»

20 Tage Vaterschaftsurlaub für alle?

Mai 2015: 20 Tage Vaterschaftsurlaub für alle?

In der Sendung «TalkTäglich» am Dienstagabend diskutierten der frischgebackene Vater und SP-Nationalrat Cédric Wermuth (links) und der baldige Vater und SVP-Grossrat Benjamin Giezendanner. Sie sind alles andere als gleicher Meinung. Sehen Sie hier die wichtigsten Ausschnitte aus der Sendung.

Auch die letze Anruferin findet deutliche Worte: «Es dumms cheibe Gschnäder», findet sie die Diskussion um den Vaterschaftsurlaub – selbst Wermuth kann ein Grinsen nicht unterdrücken. Dass die Anruferinnen und Anrufer andere Meinungen vertreten, nimmt er gelassen: «Wir werden uns wohl nicht einig.»

Kontra Vaterschaftsurlaub: Der werdende Vater und SVP-Grossrat Benjamin Giezendanner ist gegen die aufgezwungenen Ferien.

Kontra Vaterschaftsurlaub: Der werdende Vater und SVP-Grossrat Benjamin Giezendanner ist gegen die aufgezwungenen Ferien.

(April 2015)