Herr Hofmann, im Herbst sagten sie noch, die Alstom-Fusion mit GE sei positiv. Haben Sie sich getäuscht?

Urs Hofmann: Ja, was das Ausmass des nun angekündigten Stellenabbaus angeht schon. Und ich bin vorallem enttäuscht. Ein Stellenabbau in dieser Dimension ist ein harter Schlag. Aber es gibt auch Positives...

 ...erklären Sie mir das.

Man muss sehen: Vor knapp zwei Jahren stand noch zur Debatte, dass Alstom ganz aus der Schweiz abzieht. Darum ist positiv, dass GE die Standorte im Aargau weiter betreibt und sich zu einem langfristigen Engagement in unserem Kanton bekennt. Dazu gehört die Ansiedelung von zwei globalen Headquaters in Baden.

Ihre ehemaligen Gewerkschaftskollegen sehen das etwas das kritischer. Sie reden von unnötiger Gewinnmaximierung und finden, GE missbrauche das liberale Arbeitsrecht in der Schweiz. Bei ihrem Standort in Frankreich könnten sie so einen massiven Stellenabbau nicht durchziehen. 

Wir können als Regierung zum jetzigen Zeitpunkt keine inhaltliche Beurteilung vornehmen. Die GE-Führung konnte am Mittwochmorgen erst in groben Zügen über die geplante Restrukturierung informieren. Ob Gewinnmaximierung im Vordergrund steht oder der Stellenabbau aus strukturellen Gründen erfolgt, werden wir in den weiteren Gesprächen mit GE sehen.

Was tut die Aargauer Regierung, um den Schaden zu minimieren?

Unser Hauptziel in der nun einberufenen Task Force mit GE ist es, zu hinterfragen, ob wirklich 1300 Stellen abgebaut werden müssen bzw. wir setzen alles daran diese Zahl zu reduzieren. Der Stellenabbau muss durch Anordnung von Kurzarbeit möglichst gering gehalten werden.

Welchen Trumpf können Sie ausspielen?

Der Wirtschaftsstandort Schweiz bietet hervorragende Bedingungen. Vorallem die hohe Qualifikation der Alstom-Mitarbeiter im Aargau sind ein Kapital. Das sind sich die GE-Manager bewusst.

Gibt es Hoffnung?

Es ist nun das vierte Mal, dass ich als Politiker mit Abbauplänen von Alstom konfrontiert bin. Ich will keine falsche Hoffnungen machen, aber es gab in den bisherigen Fällen immer Spielraum zwischen Ankündigung von Abbau und Umsetzung.

Volkswirtschaftsminister Urs Hofmann und Unia-Gewerkschaftssekretär Pascal Pfister im Talk zum Stellenabbau von Alstom auf Tele M1.

Volkswirtschaftsminister Urs Hofmann und Unia-Gewerkschaftssekretär Pascal Pfister im Talk zum Stellenabbau von Alstom auf Tele M1.