Propaganda

Was Medien aus dem Ersten Weltkrieg lernen können

Auf Einladung des österreichischen Botschafters und der Aargauer Zeitung erlebten prominente Vertreter von Bund und Kanton ein aufschlussreiches Podium zur Rolle der Presse im Krieg.

Die Bilder erinnern uns täglich daran: Der Krieg in der Ostukraine wird auch über die Medien ausgetragen. Insbesondere in Russland ist die Berichterstattung mit staatlicher Propaganda gleichzusetzen. Auch wenn dazu heute mitunter neue Medien eingesetzt werden – die Idee dahinter ist eine alte.

Das erfuhren am Montag die Gäste eines prominent besetzten Podiums in der Residenz des Botschafters der Republik Österreich in Bern. Der von der Botschaft gemeinsam mit der az Aargauer Zeitung ausgerichtete Anlass ist eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe «Aargau/Österreich 1814–2014»; diese war im letzten Jahr von der österreichischen Botschaft und dem Kanton Aargau ins Leben gerufen worden.

«Ich freue mich sehr, dass wir unsere Freundschaft so pflegen und das Programm künftig weiterführen können», sagte Botschafter Jürgen Meindl bei der Begrüssung der rund 50 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Armee.

Der Krieg als Vater der Werbung

Der Titel des Abends versprach eine spannende Diskussion: «Presse, Druck und Propaganda – Medien im Ersten Weltkrieg». Und: Das Versprechen wurde eingelöst. Dafür sorgten die Philosophin, Autorin und SRF-«Sternstunde»-Moderatorin Katja Gentinetta, der Historiker Georg Kreis sowie der österreichische Autor und Kulturgeschichtsforscher Ernst Strouhal.

Moderator Gieri Cavelty, stellvertretender Chefredaktor der az Aargauer Zeitung, begann sogleich mit einer unbequemen Frage: Trägt die Presse eine Kriegsschuld? Katja Gentinetta ist überzeugt, dass die Medien während des Ersten Weltkriegs «dazu beigetragen haben, die Massen aufzuwiegeln, aber nicht, dass es zum Krieg kam».

Ernst Strouhal erinnerte daran, dass dies auch «die Geburtsstunde der modernen Werbung» gewesen sei. Werbung, die immer professioneller und bald zu politischer Propaganda wurde – getragen auch von meinungsstarken Intellektuellen wie Thomas Mann oder dem Komponisten Arnold Schönberg. Strouhal und Gentinetta waren sich einig, dass die heutigen Medien hieraus etwas lernen können: «Auch Intellektuellen sollte man nicht immer alles glauben.»

Georg Kreis legte in einem Referat dar, wie Propaganda der Kriegsparteien auch in die Schweizer Presse gelangte: Zeitungsanteile wurden aufgekauft, Agenturen eingerichtet, Artikel bestellt. So war etwa die «Züricher Post» unter deutscher und die «Tribune de Genève» unter französischer Kontrolle. Wäre das 100 Jahre später – Stichwort Russland und Ukraine – erneut denkbar?

Die Expertenrunde zeigte sich beunruhigt: Grundvoraussetzung für neutrale Berichterstattung sei finanzielle Unabhängigkeit, und die hätten heute nur noch wenige Medienhäuser. Gut überlegen müsste sich ein Verlag eine solche Unterstützung ohnehin. Denn, so Kreis: «Man hat immer wesentlich mehr Mühe, aus einem Krieg herauszukommen als in einen hineinzugehen.»

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