In Irland hatte eine katholische Sekundarstufenschule bereits im letzten September Bücher durch iPads ersetzt. In Österreich wurde letztes Jahr die erste iPad-Klasse Österreichs eingeführt. Und in Schweden erhalten Erstklässler ein iPad um das Lesen zu lernen. Die Tablet-Computer erobern die Schulen rund um den Globus.

Solothurn mit Vorreiterrolle

Wie sieht der Stand der Dinge in der Schweiz aus? In Wohlen werden ab kommenden August die Schüler der Privatschule «Lern mit» mit iPads ausgerüstet und im Kanton Solothurn wurde diese Woche das Projekt «myPad» vorgestellt. Solothurn nimmt damit als Kanton eine Vorreiterrolle bei der Verwendung von Tablet-Computern im Unterricht ein.

«Die Tablets werden ein fester Bestandteil der Schweizer Schulen werden», sagt Andy Schär, Leiter Beratungsstelle imedias an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)

Den Grund dafür sieht Schär bei den Vorteilen im Lernprozess. Ausserdem sei mit dem «Eintritt der Smartphones in die Welt der Erwachsenen», die Tür für Tablets an Schulen geöffnet worden. Schliesslich sei der Tablet-PC im Grunde nichts anderes, als ein grösseres Smartphone. Und die Benutzer sind sich die Bedienung und das unmittelbare Aufstarten wie beim Smartphone gewöhntdies gilt als grosser Vorteil gegenüber den «langsamen» Desktop-Computern.

Pilotprojekte von imedias in Aargau und Solothurn

Die Beratungsstelle imedias der FHNW hat Sitze in den Kantonen Aargau und Solothurn. Mit dem Projekt «myPad – mobiles, kooperatives Lernen im Unterricht» das von imedias ins Leben gerufen wurde, will die Beratungsstelle Schulen und auch Kindergärten die Möglichkeit bieten, Tablets im Unterricht einzusetzen (siehe Box).

Bei einem Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit sechs Lehpersonen aus den Kantonen Aargau und Solothurn wurde letztes Jahr jeder Klasse für je zwei Monate ein Set von zehn iPads der ersten Generation zur Verfügung gestellt.

«Angefangen haben wir mit jüngeren Kindern, die noch nicht mit der Tastatur schreiben können», erklärt Schär. Durch das Berühren und das Fühlen des Bildschirms sei dies in Kombination mit den vielen Apps, die explizit für jüngere Kinder entwickelt wurden, ein gute Ergänzung zum Unterricht.

Laut Schär macht der Einsatz von Tablets aber nicht nur an Primarschulen Sinn. «Die Tablets im Unterricht in den Hochschulen zu verwenden würde vieles erleichtern», sagt der Dozent für Weiterbildung von Lehrpersonen an der FHNW.

Gutes Kosten-Nutzen Verhältnis

Ein Tablet für jeden Schüler in jeder Schule also. Klingt nach einer teuren Angelegenheit? Andy Schär nennt dazu ein Beispiel: «Nehmen wir einen guten, durchschnittlich teuren Laptop. Dieser kostet etwa das Doppelte eines Tablets.»

Natürlich werde es trotzdem teuer, wenn eine ganze Klasse mit beispielsweise iPads ausgerüstet würde. «Wir gehen aber davon aus, dass der Preis für Tablet-Computer in absehbarer Zeit sinken wird», so Schär.

Und wie erste Ergebnisse zeigen: Die Tablets sind qualitativ genügend robust, um den Alltag mit Kindern zu überstehen. «Bis jetzt hatten wir bei iPads der ersten Generation, die wir seit rund einem Jahr im Einsatz haben, keinen einzigen Defekt festgestellt», sagt Andy Schär stolz.

Zuerst der Lehrer, dann der Schüler

Ein Projekt wie «myPad» bilde sich nicht von selbst, indem man einer Klasse einfach ein paar iPads zur Verfügung stelle. Dahinter stehe ein Prozess, bei dem es zuerst darum geht, die Lehrer zu sensibilisieren und sie mit dem Arbeitsfluss des neuen Geräts vertraut zu machen, sagt Schär. «Ich kann ja keine Dateien in eine App reinspeichern, oder die Fotos einfach wie beim PC in einen Ordner verschieben.» Das sei ein anderer Ablauf und müsse geschult werden.

Dabei erlernen die Kinder diesen relativ schnell. Die Erwachsenen benötigten etwas länger, «aber dann läufts», sagt Andy Schär. In einem weiteren Schritt werden die Lehrpersonen geschult, um später mit Hilfe der Tablets unterrichten zu können. Erst nach Ablauf dieses didaktischen Modells wird eine Klasse mit den Geräten ausgerüstet.

Was überrascht habe, sei die Begeisterung auch von Lehrern, die sich bis anhin eher gesträubt hätten den Computer im Unterricht miteinzubeziehen. «Mit den iPads haben wir Lehrer erreicht, die bei den angebotenen Kursen zur Informations- und Kommunikationstechnologie nicht teilgenommen hatten», erklärt Schär.

«Die Erfahrungen die wir bis anhin machten sind vielfälltig. Einerseits wird das Gerät von Kindern und Jugendlichen gerne benutzt, und zweitens kann damit vorallem bei moderneren Unterrichtsformen von den Tablets profitiert werden», so Schär weiter.

Apple will ein Stück vom Kuchen

Dass die Tablets Schritt für Schritt ein Teil des Unterrichts werden könnten, beweist auch ein Blick nach Übersee. Anfangs Jahr wurde bekannt, dass die US-Computerfirma Apple auf den amerikanischen Lehrbuchmarkt drängt. Im Januar startete das Unternehmen den Verkauf von elektronischen Versionen der wichtigsten US-Schulbücher für das Tablet. Der US-Computer-Riese will sich ein Stück des Kuchens abschneiden.

Ob die Tablets tatsächlich auch in der Schweiz Schule machen werden, wird sich spätestens nach der Auswertung des ersten grossen Projekts im Kanton Solothurn herausstellen. Andy Schär zeigt sich aber jetzt schon positiv gestimmt: «Schon in Kürze werden die Tablets an Schulen immer stärker verbreitet sein.»