Geld ist kein Thema, über das hierzulande gern gesprochen wird. Das ist bei Politikern nicht anders. Insbesondere die bürgerlichen Kandidaten für den Ständerat tun sich schwer damit, offen über ihr Wahlkampfbudget zu sprechen – wie die Umfrage der «Schweiz am Sonntag» zeigt.

«Knecht wählen, Könige hat es genug»: Um den Slogan des SVP-Kandidaten kommt im Aargau derzeit kaum jemand herum. Hansjörg Knecht ist auf Plakatwänden und Inseraten so präsent wie sonst niemand.

Auf die Frage, ob er die Einschätzung teile, das grösste Budget aller Aargauer Ständeratskandidaten zu haben, antwortet er: «Da die Medien zunehmend den Showmastern in der Politik eine Plattform geben, bin ich gezwungen, meinen Leistungsausweis über Inserate und an Veranstaltungen bekanntzumachen.» Zahlen gibt er keine bekannt. Seine Begründung: «Ich stecke zum grössten Teil mein eigenes Geld in mein Hobby ‹Politik› und bin doch niemandem Rechenschaft schuldig, was ich mit meinem eigenen Geld mache.»

Auch FDP-Nationalrat Philipp Müller legt sein Budget nicht offen. Da er seinen Wahlkampf zurzeit eingestellt habe, sei für ihn die Anfrage «obsolet», teilt er mit. Nach dem Unfall, bei dem eine junge Rollerfahrerin schwer verletzt worden war, zog sich Müller vorläufig aus dem Wahlkampf zurück.

Schwer tut sich BDP-Nationalrat Bernhard Guhl mit der Offenlegung seines Budgets. «Ich gebe keine Zahl bekannt, weil ich davon ausgehe, dass die Zahlen, welche andere Kandidierende angeben, mit Vorsicht zu geniessen sind.» Deshalb sage er nur: «Aufgrund der Werbung, die ich bislang gesehen habe, schätze ich, dass mein Wahlkampf maximal zehn Prozent des Wahlkampfs des Nicht-Königs kostet.»

GLP-Nationalrat Beat Flach rechnet für seinen Wahlkampf mit einem Betrag «deutlich unter 100 000 Franken». Genauere Zahlen nennt er nicht – auch deshalb, weil er nicht glaubt, dass alle Konkurrenten mit offenen Karten spielen, die Budgets demnach schwer zu vergleichen sind.

Tiefere Einblicke in ihr Budget gewährt CVP-Kandidatin Ruth Humbel: Zu den rund 50 000 Franken für Plakate sowie 30 000 Franken für Inserate kommen Kosten für Flyer und Give-aways. Zusätzlich zu ihrem persönlichen Wahlkampf zahle sie unter anderem 6000 Franken für Listenplatz 1. Wird sie in National- oder Ständerat gewählt, muss sie ihrer Partei weitere 20 000 Franken überweisen. Im Gegenzug finanziert die Partei die Listenwerbung für die Nationalratswahlen – etwa Wahlunterlagen und Zeitungsbeilagen.

SP-Ständerätin Pascale Bruderer lässt sich die Kampagne für ihre Wiederwahl 180 000 Franken kosten; 30 000 Franken hat sie für einen allfälligen zweiten Wahlgang budgetiert. «Dieser Betrag umfasst sämtliche materiellen und personellen Aufwendungen, die rund um meinen Wahlkampf anfallen», sagt sie. 80 000 Franken steuert die SP bei, rund 15 000 Franken zahlt Bruderer selbst. Die Limite von privaten Spenden hat sie auf 15 000 festgelegt – ein Betrag in dieser Höhe sei bislang aber nicht eingegangen. «Ein kantonsweit wirksamer Wahlkampf ist ohne finanzielle Mittel nicht möglich, insofern spielt Geld durchaus eine Rolle.» Viel wichtiger sei allerdings die Unterstützung der Helfer aus Partei, Familie und Freundeskreis.

Deutlich kleiner ist das Budget von EVP-Kandidatin Lilian Studer: Rund 35 000 Franken stehen ihr für den persönlichen Wahlkampf zur Verfügung. Höchstens ein Drittel wird sie selbst berappen. Finanzielle Unterstützung von Verbänden erhält sie nicht, der grösste Betrag kommt von ihrer Bezirkspartei. «Leider spielt Geld eine zu grosse Rolle», sagt Studer. «Ich hoffe trotzdem, dass der Leistungsausweis und die Persönlichkeit bei den Wählern ausschlaggebender sind.»

Mehr Geld als geplant musste Irène Kälin (Grüne) aufwenden – trotz vielen Helfern. «Insgesamt wird mein Wahlkampf über 30 000 Franken verschlingen», sagt die Grossrätin. 2000 Franken steuerte die Kantonalpartei bei. 60 bis 70 Prozent der Kosten zahlt sie aus der eigenen Tasche. Unterstützung kommt auch von den Eltern: Sie spendierten der Tochter zwei Zeitungsinserate.