Regionaler Naturpark

Was der Jurapark dem Aargau bringt: Geschäftsleiterin Christine Neff zieht Bilanz

Christine Neff ist Geschäftsführerin des Jurapark Aargau.

Christine Neff ist Geschäftsführerin des Jurapark Aargau.

Vor der zweiten Betriebsphase spricht Geschäftsleiterin Christine Neff über das Potenzial des Juraparks Aargau – und darüber wo noch Nachholbedarf besteht.

Die Hornusser entscheiden am Mittwochabend, ob sie dem Jurapark Aargau (JPA) beitreten wollen. An den Gemeindeversammlungen in Bözen, Elfingen und Thalheim geht es dann ebenfalls noch vor den Sommerferien darum, ob die Stimmbürger die Jurapark-Mitgliedschaft erneuern möchten. Die anderen betroffenen Kommunen fällen den Jurapark-Entscheid in der zweiten Jahreshälfte. Der JPA ist seit 2012 einer von insgesamt 18 Regionalen Naturpärken in der Schweiz.

Grundsatzentscheid: Deshalb steht in über 30 Gemeinden eine Abstimmung an

Ende 2020 läuft der im Jahr 2011 unterzeichnete Parkvertrag aus. Für die Erneuerung des Parklabels müssen deshalb alle 28 Parkgemeinden entscheiden, ob sie für die nächste Betriebsphase von 2021 bis 2031 weiterhin Jurapark-Gemeinden bleiben und den überarbeiteten Parkvertrag genehmigen. Zudem können ab 2022 neue Gemeinden dem JPA beitreten. Sieben Gemeinden kandidieren. Eine Hauptvoraussetzung ist die Erfüllung der Kriterien bezüglich Natur- und Kulturwerte des Bundesamts für Umwelt. Die Aufnahme als Parkgemeinde-Kandidat muss ausserdem durch die Vereinsversammlung des JPA erfolgen. Klappt es in einer Gemeinde mit der Aufnahme nicht, würde sich das vorgesehene Parkgebiet verkleinern.

Organisation: Schulen und Restaurants dabei

Der JPA ist als Verein organisiert, mit einem Vorstand (strategische Leitung) und der Geschäftsstelle in Linn (operative Leitung). Diese fungiert als Drehscheibe für Vernetzungsarbeit und Projekte. Der JPA umfasst die vier Handlungsfelder nachhaltige Regionalwirtschaft, Gesellschaft und Kommunikation, Natur und Landschaft sowie Parkmanagement und Forschung. Die Zusammenarbeit erfolgt beispielsweise mit Gemeinden, Organisationen, Forschungsinstitutionen, Schulen, Landwirtschaftsbetrieben, Detailhändlern und Restaurants.

Der Jurapark ist bekannt für seine blühenden Kirschbäume.

Der Jurapark ist bekannt für seine blühenden Kirschbäume.

    

Die Geschäftsleiterin zieht eine erste Bilanz

«Ich bin stolz darauf, dass die Gegend seit 2012 dank unserem vielfältigen Wirken bekannter geworden ist. Eine Anerkennung ist auch, dass sieben neue Gemeinden für eine Mitgliedschaft bei uns kandidieren und die sich bietenden Chancen erkennen. Als regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung stehen wir ein für Natur- und Landschaftswerte sowie für nachhaltige Regionalentwicklung. Es ist ein Gütesiegel für die Qualitäten der Gegend. Unser ganzheitliches, spartenübergreifendes Handeln ist ein Vorteil gegenüber anderen Playern», sagt Geschäftsleiterin Christine Neff. Die 47-jährige Geografin arbeitet seit 2011 für den JPA und wohnt in Brugg. Sie freut sich besonders, dass immer mehr Parkbewohner mit Ideen auf den JPA zukommen. «Gerade auch in der Coronakrise spürten wir sehr stark, wie die Leute die regionalen Produkte und die Natur vor der Haustür wertschätzen», sagt Neff. Viele Leute sind stolz darauf, in dieser schönen Landschaft zu leben.

Arbeitsplätze: So viele Leute arbeiten im JPA

Auf der Geschäftsstelle im ehemaligen Linner Schulhaus sind zwölf Personen mit insgesamt 835 Stellenprozenten angestellt. Zudem stehen Kursleiter, Landschaftsführer und Freiwillige regelmässig für den JPA im Einsatz. Pro Jahr finden ungefähr 300 Exkursionen und Kurse mit rund 4800 Besuchern statt.

Auf dem Weg durch den Jurapark Aargau.

Auf dem Weg durch den Jurapark Aargau.

      

Finanzen: Die Hälfte kommt vom Bund

Die Parkgemeinden zahlen fünf Franken pro Einwohner und Jahr, was einem Beitrag von zwölf Prozent am JPA-Gesamtbudget entspricht. 50 Prozent des Budgets stammen vom Bund, 18 Prozent vom Kanton und ein Prozent von den Mitgliedern. Über Projekte und Dienstleistungen werden 19 Prozent der Einnahmen generiert. Das Gesamtbudget für das Jahr 2020 beträgt mehr als 1,7 Millionen Franken.

Geldfluss: Dafür setzt der JPA seine Mittel ein

Die Gelder werden hauptsächlich für die Projektarbeit eingesetzt. Die ersten acht Jahre standen im Zeichen des Aufbaus. Über die Website, Social-Media-Kanäle und thematische Broschüren informiert der JPA über Angebote und Tätigkeiten.

Diese Erfolge kann der JPA seit 2012 vorweisen

Rund 300 Jurapark-zertifizierte Regionalprodukte wie Würste, Brot oder Spargeln von 32 Produzenten sind direkt vor Ort, in einigen Dorfläden im JPA sowie in 90 Coop-Filialen erhältlich. Der Gesamtumsatz dieser zertifizierten Regionalprodukte beläuft sich auf über 10 Millionen Franken. Zudem sind über die «Genuss-Strasse» 23 Produzenten mit 15 Restaurants und 4 Dorfläden in der Region vernetzt. JPA kümmert sich um die Vermarktung. Die Gesamteinnahmen aus touristischen Angeboten wie Weinwanderung, Genussreisen, Bierwanderung, Kräuterexkursionen im Bereich Landschaftsmedizin belaufen sich auf rund 831'000 Franken. Diese Einnahmen gingen direkt an die Partner.

Natur und Landschaft waren schon vor dem Jurapark da.

Natur und Landschaft waren schon vor dem Jurapark da.

     

Arbeitseinsätze: So profitiert die Natur

Seit 2015 finden jährlich durchschnittlich 25 Natureinsätze mit Firmen und Schulen statt, mit Mehrwert für Natur, Landschaft und Mensch. Die beteiligten Landwirte haben dank diesen Einsätzen insgesamt 152'000 Franken verdient. Auch wurden 60 Laichgewässer für die Geburtshelferkröte neu angelegt oder aufgewertet sowie über 1000 Quadratmeter Trockenmauern rund um das Schloss Kasteln saniert. Hierfür hat der JPA Drittmittel von über 1 Million Franken akquiriert. Rund 200 Wieselhaufen mit Aufzuchtskammern konnten ebenfalls neu angelegt werden.

Korrekturen: Der Fokus hat sich verschoben

Der Aufbau eines regionalen Naturparks war für alle Beteiligten eine neue Erfahrung. Am Anfang bestand beispielsweise die Idee, dass sich der JPA für nachhaltige Energienutzung einsetzen soll. In den Anfängen des Parks hat der Kanton eine eigene Energieberatung lanciert. «Den Jurapark braucht es in dieser Thematik nicht an vorderster Front, daher ist dies kein Schwerpunkt mehr», sagt die Geschäftsleiterin.

Entwicklung: So sähe die Region ohne JPA aus

«Die Traditionen in den einzelnen Gemeinden sowie die Natur und die Landschaft waren natürlich schon vor dem Jurapark da. Hingegen wäre die Region deutlich weniger gut vernetzt und die Gemeinden sowie die verschiedenen Akteure hätten nicht so viel voneinander lernen können», hält Christine Neff fest. Sie bezeichnet den Jurapark als Dach für die Mitgliedergemeinden, Partner und weiteren Beteiligten, unter dem die Kräfte gebündelt werden. Ohne den Jurapark würde es auch den Perimuk nicht geben. Um das sympathische und unternehmungslustige Maskottchen in Form eines kleinen Dinosauriers wird der JPA von den anderen Pärken in der Schweiz oft beneidet.

Auf der Ruine Tiersteinberg.

Auf der Ruine Tiersteinberg.

   

Der Handlungsbedarf ist hier am grössten

Die zweite Betriebsphase bis 2031 wird im Zeichen der Konsolidierung stehen. So geht es einerseits darum, die neuen Mitgliedergemeinden erfolgreich im bestehenden JPA zu integrieren und deren Potenzial optimal zu nutzen. Andererseits ist beispielsweise über das ganze Parkgebiet eine Erholungsplanung vorgesehen. Gesucht werden gut verträgliche Lösungen beispielsweise für die Parkplatzproblematik an neuralgischen Punkten wie der Linner Linde oder der Ampfernhöhe unter dem Aspekt des absehbaren Bevölkerungswachstums im Kanton und der Mobilitätsbedürfnisse. «Diese Arbeit sollte auch dem Kanton Aargau wichtige Erkenntnisse liefern, denn bei diesem Thema besteht Nachholbedarf», sagt Neff. Der Park möchte darüber hinaus noch stärker als Dienstleister auftreten.

Anlaufstelle: Hier finden die Besucher Ansprechpartner

Ebenfalls in der zweiten Betriebsphase könnte es im JPA einen oder mehrere zentral gelegene Info-Points für Besucher geben. Diese sollten mit dem ÖV gut erreichbar sein. Ob die Geschäftsstelle danach weiterhin im Bözberger Ortsteil Linn angesiedelt ist, wird sich zeigen.

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Wachstum: Die ideale Grösse für den JPA

Wenn alle sieben Parkgemeinde-Kandidaten die Aufnahme schaffen, wird sich die Parkfläche um 20 Prozent (49 km2) von 241 km2 auf 290 km2 erhöhen. Die Bevölkerungszahl im Park nimmt von 41'370 Einwohnern um 28 Prozent (11'722 Personen) auf 53092 Einwohner zu. Für Neff ist die angestrebte Grösse mit den sieben neuen Gemeinden eine gute Grösse, um in der nächsten Betriebsphase weiterhin etwas bewegen zu können. Die Ausdehnung des Parks sei nicht ein Hauptkriterium. Wichtiger ist für die Geschäftsleiterin vielmehr, dass die Mitgliedergemeinden hinter der Parkidee stehen können. Dass dies alles Zeit braucht, weiss Neff aus Erfahrung. Umso mehr freut sie sich, wenn die Bevölkerung auch die Initiative ergreift und auf den JPA zugeht, um Projekte umzusetzen oder Innovationen zu vermarkten.

Kooperation: Die Alternative zum Grossverteiler

Eine Premiere feierte eine neue Kooperation zwischen Landwirten, der Landi Oberes Fricktal und dem JPA am vergangenen Samstag. Weil die Fricktaler Kirschen von den Hochstammbäumen für den Verkauf beim Grossverteiler oft zu klein sind, suchten die Besitzer von Hochstammbäumen einen neuen Vertriebskanal. Hier sprang der JPA in die Bresche. Von der Landi in Wölflinswil wurden die Kirschen gesammelt. Am Wochenmarkt in Baden brachten zwei Angestellte vom JPA vor Ort 170 Kilogramm frische Fricktaler Kirschen unter die Leute. Diese Aktion wird wiederholt: am Badener Wochenmarkt, Cordulapassage, am 27. Juni, 4. und 11. Juli, jeweils von 7 bis 13.30 Uhr sowie am Buuremärt in Frick, Hauptstrasse 35, am 27. Juni, 4. und 11. Juli, jeweils von 9 bis 12 Uhr.

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