Das diese Woche erstmals im Detail vorgestellte Projekt «Cargo Sous Terrain» ist revolutionär. Statt auf der Strasse soll ein Teil der Güter künftig in selbstfahrenden Transportern unterirdisch bewegt werden. Das Resultat: Weniger Lärm, Verkehr und CO2-Ausstoss. Die Initianten – ein Konsortium, dem unter anderem Swisscom und die Post angehören – halten das Milliarden-Vorhaben für wirtschaftlich und somit privat finanzierbar.

«Cargo sous terrain» – so soll der unterirdische Gütertransport funktionieren.

«Cargo sous terrain» – so soll der unterirdische Gütertransport funktionieren.


Mittendrin ist der Kanton Aargau. Denn das erste Teilstück soll ab 2030 Zürich über Spreitenbach und Suhr mit Härkingen-Niederbipp verbinden. «Wir sind über das Projekt informiert worden und finden den Ansatz interessant», sagt der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger. «Dass die Initianten für die Teststrecke den Kanton Aargau berücksichtigen, zeigt, dass hier die Verkehrsinfrastrukturen auf Schiene und Strasse entlastet werden müssen.» Bezüglich Umsetzung seien aber noch verschiedene Fragen zu klären, so der Baudirektor. «Beispielsweise auch die Auswirkungen der Hubs an der Oberfläche.»
Zehn solcher Tunnel-Zugangspunkte sind auf dem ersten Teilstück geplant: Drei am Stadtrand von Zürich, mindestens einer in Härkingen, und einige natürlich auch im Aargau.

Das Ziel sei, bestehende Verteil- oder Logistikzentren zu nutzen, erklärt Peter Sutterlüti, Präsident des Vereins Cargo Sous Terrain. Aus einer Güterfluss-Analyse gingen deshalb Spreitenbach und Suhr als wichtige Standorte hervor. Zu den Kandidaten zählt aber auch Schafisheim, wo Coop ein riesiges Verteilzentrum baut und ein Logistikcenter der Lagerhäuser Aarau AG steht.
Lagerhäuser-Geschäftsführer Beat Bolzhauser hofft, den unterirdischen Warentransport von und nach Schafisheim über seine Plattform abwickeln zu können. «In unser Projekt für eine neue Lagerhalle fliessen bereits Überlegungen für den Bau eines Zugangsstollens ein», verrät er.

Noch gibt es für «Cargo Sous Terrain» erst eine Machbarkeitsstudie. Sutterlüti ist aber zuversichtlich, die nötigen Investoren zu finden. «Das Interesse ist da», sagt er. Lagerhäuser Aarau beteiligte sich als Juniorpartner an der Machbarkeitsstudie. Als Investor werde man wahrscheinlich nicht auftreten, so Bolzhauser. «Wir sehen unseren Beitrag im Neubau, und diese Investition ist nicht unerheblich.» Dass das Projekt umgesetzt wird, steht für ihn ausser Frage. Die Logistikbranche werde von der zunehmenden Stauentwicklung erstickt: «Die Infrastruktur ist am Anschlag, deshalb brauchen wir eine neue Lösung.» Sollten nicht genügend private Investoren mitmachen, könnte sich Bolzhauser auch eine öffentliche Finanzierung vorstellen. «Mit der Zahl der Staustunden», ist er überzeugt, «wird auch der Druck auf die politischen Entscheidungsträger steigen.»


Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands, kennt diese Klagen. «Unternehmer fordern immer wieder, dass wir uns für eine Verbesserung der Verkehrssituation einsetzen», sagt er. Die Lösung sieht er jedoch in einer «schrittweisen Optimierung der Verbindungen». Zudem brauche es einen durchgehenden Sechsspur-Ausbau der A1 zwischen Zürich und Bern. Dass dank «Cargo Sous Terrain» darauf verzichtet werden könnte – die Initianten rechnen immerhin mit 20 Prozent weniger Lastwagenverkehr – glaubt er nicht. «Wir können nicht so lange warten», findet Schmid, zumal er dem Projekt sowieso wenig Chancen einräumt. Er habe «kein Problem mit visionären Ideen, aber diese ist eine Schuhnummer zu gross».