Energieeffizienz

Was Aargauer Unternehmen für den Klimaschutz machen – und machen müssen

Arbeiten in der Knecht-Mühle während der Ernte: Das Unternehmen hat Geld in die Energieeffizienz gesteckt. (Archiv)

Aargauer Grossverbraucher sind verpflichtet, ihre Energieeffizienz zu steigern. Der Kanton zieht eine positive Zwischenbilanz.

Der Unternehmer und SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht hat sich in die Höhle des Löwen gewagt. Ende Februar nahm er an einem Podium mit jungen Klimaaktivisten teil. Die Schülerinnen und Schüler sparten nicht mit Kritik. Für seine Aussage, die Schweiz produziere nur ein Promille der weltweiten Emissionen, das sei eigentlich nur Peanuts, wurde Knecht ausgebuht. Der SVP-Nationalrat sagt, er freue sich, «wenn sich junge Menschen einem der prägenden Themen unserer Zeit annehmen und laut auf ihre Anliegen aufmerksam machen». Ihn störe aber, «dass die Wirtschaft immer wieder ungerechtfertigt in eine dreckige Ecke gestellt wird». Die Wirtschaft mache nämlich schon sehr viel.

Knecht engagiert sich freiwillig

Auch seine eigene Firma, die Knecht Mühle AG, engagiere sich seit über 15 Jahren freiwillig bei der Energie-Agentur der Wirtschaft. Der SVP-Nationalrat schickt der AZ das entsprechende Zertifikat. Darauf heisst es, das Unternehmen setze sich «aus Überzeugung für den nachhaltigen Klimaschutz ein». Mit der Teilnahme am Programm bekenne sich die Knecht Mühle AG «zur aktiven Reduktion der CO2-Emissionen und zur Optimierung der Energieeffizienz».

Knecht sagt, es handle sich um einen Prozess, der laufend optimiert werde. So habe die Knecht Mühle AG zum Beispiel bei der Beleuchtung teilweise auf LED-Lampen umgestellt und neue effizientere Elektromotoren eingesetzt. Zukünftig gehe es unter anderem darum, bei der Getreidetrocknung vom Heizöl wegzukommen, so Knecht.

Die verschiedenen Massnahmen hätten natürlich Geld gekostet und der Aufwand sei am Anfang etwas grösser, bis der Prozess laufe. «Aber es hat sich gelohnt», sagt der SVP-Nationalrat. Der Einsatz für den Klimaschutz kommt nicht nur bei der Kundschaft gut an, er lohnt sich auch finanziell. Wer weniger Elektrizität verbraucht, hat tiefere Stromrechnungen. Dazu kommen Rückvergütungen aus der CO2-Abgabe. 2017 hätten sich diese Rückvergütungen auf rund 15'000 Franken belaufen, sagt Hansjörg Knecht.

Grossverbraucher in der Pflicht

Knecht hat sich vor 15 Jahren freiwillig entschlossen, die Energieeffizienz seiner Firma zu steigern. Andere Firmen haben gar keine Wahl. 2012 wurde im Aargauer Energiegesetz der Grossverbraucherartikel aufgenommen. Dieser basiert auf den Vorgaben des Bundes und auf der kantonalen Energiestrategie. Unternehmen mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 0,5 Gigawattstunden beziehungsweise einem Wärmeverbrauch von fünf Gigawattstunden sind verpflichtet, ein Grossverbrauchermodell zu wählen, mit dem sie die Energieeffizienz in ihrem Unternehmen steigern. Dadurch sollen der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen gesenkt werden. Mittlerweile haben 23 der 26 Kantone den Grossverbraucherartikel in ihren Gesetzen aufgenommen.

Im Aargau stehen für Unternehmen drei verschiedene Modelle zur Auswahl. Die Universalzielvereinbarung wird mit einer Agentur durchgeführt, zum Beispiel der Energie-Agentur der Wirtschaft. Die kantonale Zielvereinbarung ist vom Prinzip her gleich, allerdings wird sie direkt mit dem Standortkanton abgeschlossen, ist nur dort gültig und das Unternehmen kann den Netzzuschlag nicht zurückfordern und sich auch nicht von der CO2-Abgabe befreien lassen. Unternehmen, die sich weigern, werden zu einer Verbrauchsanalyse und zumutbaren Massnahmen verpflichtet.

Klimaschutz lohnt sich finanziell

Von den über 400 Grossverbrauchern im Aargau haben sich bisher knapp 110 für eine solche Energieverbrauchsanalyse entschieden, ist in einem aktuellen Bericht der kantonalen Abteilung Energie nachzulesen. 2018 seien rund 30 Prozent der Analysen abgeschlossen worden. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat im Herbst 2018 zusammen mit einem externen Ingenieurbüro eine Stichprobenanalyse durchgeführt und ausgewertet. Ziel war es, relevante Erkenntnisse zu gewinnen. Bei einem Besuch vor Ort wurden die Unterlagen mit den Unternehmern diskutiert. «Eine Besichtigung der Infrastruktur zeigte bei allen Unternehmen anschaulich die umgesetzten Massnahmen», heisst es im Bericht. Besonders beeindruckend sei, dass die Unternehmen ihre Ziele «zum Teil markant übertroffen haben». Die Energieeinsparungen und die Reduktion der CO2-Emissionen seien «beträchtlich». Entsprechend signifikant seien auch die finanziellen Einsparungen, von denen die Unternehmen profitieren.

Erfreulich sei weiter die Rückmeldung von der Hälfte der Unternehmen, dass die Vorgabe zur Effizienzsteigerung zu einer «ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema geführt hat», heisst es im Bericht weiter.

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