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Warum virtuelle Street-View-Spaziergänge im Aargau oft abrupt enden

Wer auf Google Street View virtuell durch den Kanton Aargau spaziert, kommt irgendwann an eine unsichtbare Mauer. Die Maus klickt ins Leere; die Reise endet abrupt. Denn diese Aargauer Orte sind für Google tabu.

Manuel Bühlmann
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Hier endet der virtuelle Spaziergang in der Aarauer Telli: 1300 Einrichtungen im Aargau gelten als heikel, weshalb Google Street View keine Aufnahmen zeigt, die in der Nähe entstanden sind.

Hier endet der virtuelle Spaziergang in der Aarauer Telli: 1300 Einrichtungen im Aargau gelten als heikel, weshalb Google Street View keine Aufnahmen zeigt, die in der Nähe entstanden sind.

Screenshot Google Street View

Wer auf Google Street View virtuell durch den Kanton Aargau spaziert, kommt irgendwann an eine unsichtbare Mauer. Die Maus klickt ins Leere; die Reise endet abrupt. So bricht etwa die Tellistrasse in Aarau genauso unvermittelt ab wie die Wylgasse in Lenzburg oder die Hauptstrasse in Brugg.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Kommando der Aargauer Kantonspolizei.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Kommando der Aargauer Kantonspolizei.

Felber

Die weissen Flecken auf der Karte sind allerdings keine technischen Fehler. Die Aufnahmen wären vorhanden, werden von Google bewusst nicht gezeigt. Der Grund liegt in der Nähe zu sensiblen Einrichtungen.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Gefängnis Lenzburg

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Gefängnis Lenzburg

EMANUEL PER FREUDIGER

Im Fall der oben genannten Beispiele: das Aarauer Kommando der Aargauer Kantonspolizei, das Lenzburger Gefängnis und das Brugger Bezirksgericht. In deren Nähe dürfen Personen und Fahrzeuge nur vollständig anonymisiert gezeigt werden – so will es das Bundesgericht. Weil die automatisierte Anonymisierung nicht funktionierte, entschied sich Google, im Umkreis von rund 70 Metern keine Aufnahmen zu veröffentlichen.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Kantonsspital Baden.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Kantonsspital Baden.

Alex Spichale

Rund 20 000 Einträge umfasst die Liste schweizweit, wie die «NZZ» schreibt. Wie viele davon auf Aargauer Gebiet liegen, gibt Google nicht bekannt. Ungefähr 1300 sind es gemäss Kanton, der bei der Zusammenstellung der Liste geholfen – und diese um rund 100 Einträge ergänzt hat. Darauf finden sich insbesondere Schulhäuser, Polizeiposten, Gerichte, Gefängnisse, Altersheime und Spitäler.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Psychiatrische Klinik Königsfelden.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Psychiatrische Klinik Königsfelden.

Dominic Kobelt

Beim Kanton heisst es, die Liste werde von Google eingehalten. «Die Zusammenarbeit klappte gut», sagt Samuel Helbling, Sprecher des kantonalen Departements Volkswirtschaft und Inneres. Und auch Francis Meier, Sprecher des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, findet lobende Worte: «Google hat dem Datenschutz bei der Umsetzung des Bundesgerichtsentscheids grosse Bedeutung eingeräumt.» Der Eindruck sei gut, man werde die Entwicklung aber im Auge behalten.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Kantonsschule Baden.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Kantonsschule Baden.

Rufli

Das Verhältnis zwischen Datenschützern und Google war jedoch nicht immer so rosig. Wegen Google Street View lieferten sie sich einen erbitterten Streit, den 2012 erst das Bundesgericht beendete.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Bezirksgericht Rheinfelden.

Virtuelle Mauern auf Google Street View: Bezirksgericht Rheinfelden.

Nadine Pfeifer

Aargauer Schlösser online erkunden

Seit dieser Woche sind zahlreiche neue Gebiete auf Google Street View erschlossen. Fast das gesamte Strassennetz sei zu sehen, verkündete der Konzern. Dazu kommen Sehenswürdigkeiten, die virtuell erkundet werden können. Im Aargau haben es das Kloster Königsfelden, das Schloss Wildegg und das Schloss Hallwyl in die Auswahl geschafft. Das grosse Update war bereits letzten Sommer angekündigt worden. Weil das Unternehmen allerdings Mühe bekundete, die vom Bundesgericht vorgegebenen Anforderungen an den Datenschutz umzusetzen, hat sich die Veröffentlichung des umfangreichen Datenmaterials verzögert. Google ist mit den speziellen Street-View-Fahrzeugen nach wie vor unterwegs – derzeit in der Westschweiz. (SAS)

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