Die Meldung hat in den vergangenen Tagen landesweit Schlagzeilen gemacht: Die Gemeinde Riniken hat den Hausbesitzern empfohlen, keine Wohnungen an Sozialhilfebezüger zu vermieten. Grund: Exorbitant steigende Sozialkosten.

Wie halten es die regionalen Immobilienverwalter mit diesem Appell? Vermieten sie weiterhin Wohnraum an Personen, die von der Fürsorge leben?

Eine Umfrage bei verschiedenen grösseren und kleineren Liegenschaftsverwaltungen in den Regionen gibt ein relativ einheitliches Bild: Die Frage wird von allen angefragten Büros bejaht.

Keine Ausnahme macht da die Realit AG, ein wichtiger Immobilientreuhänder im Kanton. «Den Mietermix bestimmt jedoch der Kunde, das heisst der Besitzer der verwalteten Immobilie», sagt Rahel Remund, zuständig für die Immobilienbewirtschaftung.

Trotzdem sind die Verwalter gefordert. Probleme sind da, doch laut Michael Schibli, Junior-Chef bei Schibli Treuhand in Niederlenz an einem andern Ort.

Die Herausforderungen zeigen sich im Alltag beim Zusammenleben mit den übrigen Hausbewohnern. Stein des Anstosses ist dabei nicht selten die Waschküche: «Empfänger von Sozialhilfe tun sich manchmal schwer mit dem Einhalten von Regeln, wie beispielsweise dem Waschplan. Sie waschen zu Unzeiten und lassen ihre Wäsche dann einfach an der Leine hängen», sagt Schibli.

Er habe selber solche Erfahrungen gemacht. Hinzu komme oftmals die Ruhestörung. Und diese wird von den Nachbarn nicht selten als gravierende Beeinträchtigung der Privatsphäre wahrgenommen.

«Wir sind in der Praxis deshalb eher zurückhaltend, freie Wohnungen an Sozialhilfebezüger zu vermieten», hält Schibli fest.

Grundsätzlich halte sich das Unternehmen in dieser Frage an die Vorgaben der Eigentümer der Liegenschaften. Ähnliche Erfahrungen macht die Realit AG.

Sie spricht «von speziellen Vorkommnissen in diesen Bereichen». Sie will jedoch den Schwarzen Peter nicht explizit den Sozialhilfeempfängern zuschieben. Probleme gebe es auch bei andern Mietverhältnissen.

Zins direkt von den Gemeinden

Den Mietzins lassen sich die meisten Verwaltungen direkt vom Sozialamt entrichten. Das ist ihnen am liebsten so. Denn die Gemeinden sind zuverlässige Zahler.

«Von der finanziellen Seite her ist es eine sichere Sache, der Mietzins ist durch die Wohngemeinde abgesichert», sagt Michael Schibli. Der Treuhänder aus Niederlenz gehört zum Kreis der kleineren Markt-Player, er ist in der Region Aarau–Lenzburg tätig.

Auch Jürg Kellermüller von Kellermüller Partner AG aus Suhr lässt sich den Mietzins direkt vom Sozialamt bezahlen. Er hat jedoch nur vereinzelte Wohnungen an Personen vermietet, die auf Fürsorgegelder angewiesen sind.

Etwas differenziert präsentiert sich die Situation bei der Realit AG, dort wird das Inkasso je nach Kanton und Gemeinde unterschiedlich gehandhabt, sagt Rahel Remund.

Die Umfrage zeigt: Die Praxis der Mietzinszahlungen widerspricht grundsätzlich den Empfehlungen des Kantons. Zwar gibt es keine Richtlinien, doch appelliert die Behörde an die Gemeinden, die Mietzinse nicht direkt an die Liegenschaftsbesitzer beziehungsweise die Immobilienverwalter zu leisten, sondern den Sozialhilfebezügern auszuzahlen.

«Diese sollen ihren Verpflichtungen wenn immer möglich eigenständig nachkommen», lässt Balz Bruder, Mediensprecher des Departements für Gesundheit und Soziales, gestern in der az verlauten.

Bruder verweist dabei auf das Sozialhilfe- und Präventionsgesetz, das die Gemeinden ausdrücklich verpflichtet, die Selbstständigkeit der Bezüger von Sozialhilfegeldern zu fördern.