Die fünfte Generation steht schon bereit: Die beiden Töchter von Tobias Maurer arbeiten im Buchser Malereigeschäft mit. Das 1878 gegründete Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern könnte also auch in Zukunft in Familienbesitz bleiben.

Das Ziel: Bis 2019 sollen die Töchter den Betrieb so gut kennen, dass sie über dessen Zukunft mitentscheiden können.

Doch die Erbschaftssteuerinitiative, so fürchtet Geschäftsleiter Tobias Maurer, könnte seine Pläne durchkreuzen.

Um vor den Folgen eines Ja bei der Abstimmung vom 14. Juni zu warnen, hat er am Dienstagabend zusammen mit dem «Aargauer Komitee» Interessierte in seine Werkstatt eingeladen.

«Wird die Initiative angenommen, wird die nachfolgende Generation Mühe haben», sagte er.

Erbschaftssteuer: Das sagen die Gegner und die Initianten.

Zwangsverkäufe und Schulden

Rechtsanwalt und Steuerberater Dieter Weber bestätigte diese Einschätzung. Der Mitinitiant der Unternehmergruppe «Nein zur Bundeserbschaftssteuer» sagte: «Das Familienunternehmen der Maurers ist eine Erfolgsstory. Doch bei einer Annahme der Initiative wird es schwierig bis unmöglich, diese weiterzuführen.»

Die Initianten wollen eine nationale Steuer auf Erbschaften und Schenkungen einführen. Der Steuersatz: 20 Prozent. Zwei Drittel der Einnahmen würden zweckgebunden an die AHV gehen, ein Drittel würden die Kantone erhalten. Beträge bis zwei Millionen Franken wären von der Steuer ausgenommen.

Dieter Weber betonte, es seien sehr viel mehr Personen davon betroffen, als dies auf den ersten Blick den Anschein machen möge. Gefährlich sei die Volksinitiative insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

«Sie trifft allen voran die Familienbetriebe und somit das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft.» Eines der Hauptprobleme sieht Weber darin, dass der Grossteil des Vermögens im Unternehmen steckt. Die Erbschaftssteuer könne deshalb zu Zwangsverkäufen, höherer Verschuldung oder Annullierung von Investitionen führen. «Denn woher soll das Geld sonst kommen?», fragte der Steuerberater rhetorisch in die Runde.

Um Unternehmen und Arbeitsplätze nicht zu gefährden, sieht der Initiativtext eine Ermässigung vor. Für vererbte Firmen sollen ein höherer Freibetrag und ein reduzierter Steuersatz gelten. Wie die Lösung konkret aussehen wird, lässt der Initiativtext offen. Sollte das Volk an der Urne Ja sagen, müssten National- und Ständerat die Einzelheiten festlegen. Das Initiativkomitee rechnet mit einem reduzierten Steuersatz von 5 Prozent und einem Freibetrag von bis zu 50 Millionen Franken. «Das ist erfunden», sagte Dieter Weber. «Heute weiss niemand, wie die Ermässigungsregel aussehen würde.»

Ein Rucksack für die Zukunft

Die Initiative sieht ausserdem vor, dass die Erben den Betrieb mindestens zehn Jahre weiterführen müssen, um von den Erleichterungen profitieren zu können. Dieter Weber warnte vor einem Rucksack, den auch Tobias Maurers Töchter ein Jahrzehnt lang tragen müssten. Die ganze Steuer würde auch dann noch fällig, wenn der Verkauf der Firma erst nach neun Jahren erfolgte. Und so zog Dieter Weber zum Schluss das Fazit: «Wir Unternehmer haben kein Vertrauen in diese Regelung.»