Christbäume

Warum sich die Förster im Juni schon für Weihnachten rüsten

Leonz Küng (links) weiht seine Zuhörer in die Geheimnisse der rentablen Produktion von Christbäumen ein.

Leonz Küng (links) weiht seine Zuhörer in die Geheimnisse der rentablen Produktion von Christbäumen ein.

Weihnachtsbäume? Zu dieser Jahreszeit? Jetzt, wo der Sommer endlich einsetzt? Der Sommer ist für das Christbaumgeschäft entscheidend, der Juni ist der entscheidende Wachstumsmonat. Zu Besuch bei den Förstern.

Im Handel hat das Weihnachtsgeschäft zwar noch nicht begonnen. (Erstaunlicherweise ist man zu sagen versucht.) In den Christbaumkulturen herrscht aber sozusagen das ganze Jahr über Saison.

«Im April nehmen wir an den Bäumen die Triebregulierung und die Korrekturen vor», erklärt Leonz Küng, Revierförster im Forstbetrieb Bremgarten-Wohlen-Waltenschwil, seinen Försterkollegen.

«Entscheidend für das Wachstum des Baumes ist der Juni. Im August werden die Bäume nach Qualität ausgezeichnet. Und von Mitte November an herrscht Hochbetrieb. Einen Monat lang steht der Betrieb wegen der Christbaumernte praktisch still.»

Dass die knapp zwei Dutzend Förster für den vom Aargauischen Försterverband im Rahmen der Weiterbildung Wald Aargau organisierten Kurs «Weihnachtsbäume rentabel produzieren» ins Reusstal gepilgert sind, hat seinen Grund.

«Der Forstbetrieb Bremgarten-Wohlen-Waltenschwil ist unter den Aargauer Forstbetrieben einer der grössten Christbaum-Produzenten, und Leonz Küng gilt als der Weihnachtsbaum-Guru im Aargau», erklärt Markus Steiner, Leiter des Forstbetriebes Bottenwil und im Försterverband für die Weiterbildung zuständig.

Zwar produziert der Forstbetrieb Bremgarten-Wohlen-Waltenschwil auf rund 15 Hektaren jährlich zwischen 15 000 und 16 000 Christbäume, die meist an Grossverteiler gehen.

Das allerdings bei einem Gesamtmarkt von rund 1,5 Millionen Bäumen, von denen nur rund 390 000 Bäume in der Schweiz und davon nur rund 130 000 in Forstbetrieben produziert werden. Mit rund 260 000 Bäumen entfällt der Grossteil der Christbaum-Produktion in der Schweiz auf landwirtschaftliche Betriebe.

Bereitwillig teilt Leonz Küng sein Wissen um den Christbaum mit seinen Berufskollegen. Von der mitentscheidenden Bodenbeschaffenheit über die Wahl der Baumsorte – die sich bei weitem nicht auf Nordmann- und Weisstanne beschränkt – bis hin zur «Reparatur» einer Baumspitze, die Schaden genommen hat, weil sich ein Vogel darauf abgesetzt hatte.

Zumindest für den Laien ist der Aufwand, der für die Produktion eines schönen Christbaumes betrieben wird, erstaunlich. Leonz Küng stellt denn auch fest: «Wenn man die Christbaum-Produktion nicht im Grossen betreibt, rentiert sie nicht. Es braucht eine gewisse Grösse.»

Damit dürfte das Weihnachtsbaum-Geschäft wohl für die meisten Forstbetriebe buchstäblich ein – allerdings willkommenes – Nischengeschäft bleiben.

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