«Aargau – my place» wurde von der kantonalen Standortförderung zusammen mit der Stadt Baden und Aargau Tourismus durchgeführt. Unterstützt wird der Informations- und Netzwerkanlass von Partnern aus der Wirtschaft: ABB, Ansaldo Energia, Paul-Scherrer-Institut (PSI), FHNW, ask! und dem Spouse Career Centre.

Die Absicht dahinter: die ganze Familie in den Arbeitsmarkt und den Wohnort zu integrieren und sie im Aargau lokal zu vernetzen. «Den Expats soll mit dieser Veranstaltung die Ankunft erleichtert werden», sagt Projektleiterin Marietta Frey, die im Departement Volkswirtschaft und Inneres für die Standortentwicklung des Kantons Aargau zuständig ist.

Die Expats arbeiteten sowohl in den grossen, exportorientierten Unternehmen als auch in verschiedenen KMU. Während die Vernetzung bislang vor allem auf persönlicher Basis über Online-Plattformen wie «Internations» oder «Meet-up» zustande kam, soll mit «Aargau – my place» künftig ein offizieller Anlass regelmässig dabei helfen, Angebote auch von Vereinen, Sprachschulen oder Möglichkeiten in der Freiwilligenarbeit kennenzulernen.

PSI: 450 ausländische Forscher

Für Sevil Minniti, Bereichspersonalleiterin am PSI, ist klar, warum es spezialisierte Mitarbeitende aus dem Ausland braucht: «Um uns weiterhin an der Weltspitze der Forschung behaupten zu können, müssen wir auch weltweit die besten Leute holen können.»

Am PSI forschen derzeit 450 ausländische Mitarbeitende (von total 2100). Sie sind für eine begrenzte Zeit in Villigen und sammeln die für eine Forscherkarriere übliche Auslandserfahrung. Sie bleiben im Schnitt für zwei bis vier Jahre. Viele von ihnen wohnen in der Region Brugg oder der näheren Umgebung.

Mit Angeboten wie «Aargau – my place» erhielten sie einen kompakten Überblick, was es im neuen Umfeld alles zu beachten gebe, sagt Minniti: «Das gibt ihnen die Möglichkeit, sich rasch zu integrieren.» Die meisten kämen nicht alleine, sondern mit Partner, Partnerin, auch Kindern. «Uns ist es ein Anliegen, dass auch sie sich hier wohlfühlen.»

ABB: Die Hälfte ist international

Jeannette Good, Diversity and Inclusion Manager bei ABB, sagt, es gehöre zur ABB-Kultur, dass man die Verschiedenartigkeit der Mitarbeitenden als wichtig betrachte und Vielfalt fördere. Dazu gehöre auch die Vielfalt der Herkunft.

«Je vielfältiger, desto mehr können wir voneinander lernen, von verschiedenen Blickwinkeln profitieren.» Man wolle den passenden Mitarbeitenden am richtigen Ort.

Zudem gebe es schlicht Situationen, in denen man die gesuchten Spezialisten in der Schweiz nicht finde. Dann könne man unter anderem auf Mitarbeitende aus über 100 Ländern zurückgreifen. Entsprechend kommen die meisten Expats bei ABB nicht von extern, sondern aus ABB-Niederlassungen aus der ganzen Welt.

Einen ähnlichen Anlass wie «Aargau – my place» habe man auch intern bereits organisiert, erklärt Jeannette Good. Dort sei es aber vor allem um die praktische Hilfe bei der Ankunft gegangen: Wie funktioniert die AHV? Wie findet man eine Wohnung? Wieso muss man sich die Waschmaschine mit den Nachbarn teilen, und worauf sollte man dabei achten?

Die Integration erfolge dann laufend, auch dann, wenn man es gar nicht bewusst wahrnehme: in der Kaffeepause, in der Sitzung, bei einem Bier mit Arbeitskollegen nach Feierabend. «Ganz wichtig ist uns aber, dass wir uns nicht nur um die Mitarbeitenden kümmern, sondern auch um deren Familien.» Wenn sich beispielsweise eine Ehefrau nicht wohlfühle, sei der Aufenthalt des Expats zum Scheitern verurteilt. Good lobt die Initiative von «Aargau – my place» und sagt:

«Wenn man in einem solchen Umfeld arbeitet wie ABB, will man diese Vielfältigkeit haben. Und darf sie auch bewusst zelebrieren.» Von den 6000 Mitarbeitenden bei ABB Schweiz kommt etwas weniger als die Hälfte aus dem Ausland, vor allem aus Europa.

Ansaldo: Beliebt bei Italienern

Peter Offtermatt, Director Human Resources bei der Ansaldo Energia Switzerland AG, sagt, es gehöre zur Unternehmenstradition, dass man viele Mitarbeitende unterschiedlicher Herkunft habe.

Der italienische Energiekonzern hatte 2016 das Gasturbinengeschäft von Alstom in Baden übernommen. «Wir befinden uns immer noch in der Integrationsphase», erklärt Offtermatt. Auf Stellen würden sich insbesondere viele Italiener bewerben. «In Italien sind wir bekannter als in der Schweiz, und die Schweiz ist für italienische Ingenieure ein attraktiver Werkplatz.»

Man wolle ihnen «Hilfestellung bieten, wo sie sie brauchen». Und man achte darauf, dass die Integration in beide Richtungen funktioniere: Alle Angestellten erhalten kostenlos Italienischkurse – und wer Italienisch als Muttersprache hat, kann in den Deutschkurs.

Manchmal seien es ganz einfache Dinge, bei denen Unterstützung gefragt sei, etwa beim Ausfüllen eines Formulars der Wohngemeinde. Der Aufwand lohne sich in jedem Fall: «Von verschiedenen Herangehensweisen und Blickwinkeln profitieren am Schluss alle.»