«Aufgrund geänderter Vorschriften darf die Feuerwehr keine Wespen- und Hornissennester für Dritte mehr beseitigen. Wenden Sie sich bei Bedarf an Fachbetriebe für Schädlingsbekämpfung», schreibt die Gemeinde Besenbüren in ihrer aktuellsten Verlautbarung. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich in absehbarer Zeit weitere Aargauer Feuerwehren aus dem Wespenkampf zurückziehen. Nicht nur wegen der seit 2015 geltenden neuen Vorschriften des Bundesamtes für Gesundheit, sondern auch, weil die Belastung mehr und mehr zunimmt.

Wespenbekämpfer müssen einen Kurs absolviert haben

Grundsätzlich ist es Feuerwehren nach wie vor erlaubt, für Private Wespen- oder Hornissennester zu beseitigen. Seit 2015 müssen Feuerwehrleute, die das machen, jedoch einen zweitägigen Kurs absolviert haben. Das schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit 2015 vor. Verantwortlich dafür sind vor allem die Biozide, die bei der Bekämpfung verwendet werden. Es soll verhindert werden, dass neben Wespen und Hornissen allenfalls auch Menschen davon betroffen werden.

Im Freiamt verfügen mehrere Feuerwehren über solche Spezialisten. In Bremgarten sind es aktuell sogar drei. Dennoch müsse man sich überlegen, wie lange man diesen (für Private kostenpflichtigen) Service noch anbieten könne, sagt Kommandant Thomas Burger: «Wir haben im vergangenen Jahr über 60 Wespen- und Hornisseneinsätze geleistet. Das geht an die Substanz, auch wenn wir diese Einsätze auf drei Personen verteilen können.»

Wohlen verfügt über einen ausgebildeten Wespenspezialisten. Der ist laut Kommandant Marcel Christen 2018 über 50 Mal ausgerückt und im laufenden Monat bereits sechsmal. Auch in Wohlen sei die Wespenbekämpfung immer wieder ein Thema: «Wir verlangen für diese Dienstleistung im Normalfall 180 Franken. Damit decken wir die Kosten für den eingesetzten Giftspray, das Einsatzfahrzeug und zwei Stunden Arbeit. Ein Geschäft ist das nicht, aber eine zunehmende Belastung», sagt Christen.

Seit Jahren keine Wespeneinsätze mehr leistet die Stützpunktfeuerwehr Frick. «Wenn Tiere in Gefahr sind, müssen wir diese retten, das ist eine unserer Aufgaben. Die Wespenbekämpfung hingegen gehört nicht zu den Pflichten einer Feuerwehr. Wenn eine Feuerwehr das macht, macht sie es freiwillig», sagt Kommandant Andreas Fahrni. Die Gemeinden Frick, Gipf-Oberfrick und Oeschgen würden bei Anfragen auf private Schädlingsbekämpfer verweisen, erklärt Fahrni weiter. Insbesondere mit der Organisation Faltenwespe.com, die vom Brugger Roland Diener betrieben wird, habe man dabei gute Erfahrungen gemacht.

Diener ist in der ganzen Nordwestschweiz tätig und sieht sich nicht primär als Wespen- oder Hornissenbekämpfer: «Das Vergiften von Wespen und Hornissen kommt für mich erst zuletzt. Vorher prüfe ich vor Ort mögliche Alternativen wie eine Umsiedlung der Nester oder den Einsatz von Insektenschutznetzen.» Er ist überzeugt, dass die beratende Dienstleistung heute immer gefragter ist: «Das spüre ich an den steigenden Anfragen. Viele Leute machen sich Gedanken zum Insektensterben und gehen deshalb bei Wespen- oder Hornissenplagen Kompromisse ein.»

Toni Widmer