Der Aargauer Regierungsrat Alex Hürzeler war ein Jahr zu früh: Als 1981 in Lenzburg die erste Aargauische Berufsschau durchgeführt wurde, hatte er in Frick eben seine Banken-KV-Lehre begonnen.

Ein Messe-Rundgang hätte an seiner Berufswahl aber wahrscheinlich sowieso nichts geändert, meinte er gestern am «offiziellen Tag» der Aargauischen Berufsschau 2015. Nach Wettingen, wo der sechstägige Anlass dieses Jahr erstmals stattfindet, kam er denn auch nicht, um sich beruflich neu zu orientieren, sondern in seiner Funktion als Bildungsdirektor.

Und als solcher hielt er sich mit Lob natürlich nicht zurück. «Sie haben aus einer einst ganz beschaulichen Berufsschau eine grandiose Veranstaltung mit interkantonalem, wenn nicht gar internationalem Vorzeigecharakter gemacht», dankte er den anwesenden Branchenvertretern und dem für die Organisation verantwortlichen Aargauischen Gewerbeverband (AGV).

Das System und die Begeisterung

Auch der OK-Präsident Peter Fröhlich geizte nicht mit enthusiastischen Worten. Es laufe ihm manchmal kalt den Rücken hinunter, wenn er die Stände besuche und den Berufsstolz der Branchenvertreter spüre.

Von dieser Begeisterung, ist der AGV-Geschäftsführer überzeugt, «lebt das System der dualen Berufsbildung». Wenn sich derzeit Politiker aus Frankreich oder den USA für das System interessierten, habe er deshalb manchmal seine Zweifel, «ob sich dieses so einfach exportieren lässt wie unsere Uhren oder Chemieprodukte».

Den Berufsstolz versprühen sollen an den Ständen in erster Linie die Lernenden selbst, während sich die Verbandsleute im Hintergrund halten. Dieser Meinung ist auch die Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, Elisabeth Abbassi: «Das Wichtigste ist, dass die Lernenden den Schülern erklären können, was sie machen.»

Und das muss ja gar nicht immer so kompliziert sein. «Wir machen alles, was ein Schreiner macht, einfach mit Metall», erklärt ein Lernender am Stand der Metallbau-Berufe.

Die Schreiner ihrerseits messen sich im danebenliegenden Zelt in der Sektionsmeisterschaft um die Qualifikation für die überregionale Schreinermeisterschaft. Und auch Bildungsdirektor Alex Hürzeler muss während eines kurzen Rundgangs durch die Berufsschau Hand anlegen.

Am Banken-KV-Stand setzt er sich an einen Tisch mit Schreibmaschine. Und eigentlich sollte er – schliesslich war er ja ein Bauernsohn – am Landwirtschafts-Stand noch ein Kuhmodell melken.

Mehr Berufsorientierung

Aber die Zeit ist zu knapp. Hürzeler hat seinen Beruf ja bereits gewählt – und ganz unkompliziert ist dieser nicht. Denn trotz der Lobgesänge an der Berufsschau sieht der Bildungsdirektor noch Verbesserungspotenzial.

Auf der Agenda stehen Diskussionen über den Lehrplan 21. Ein wichtiger Aspekt sei in diesem Zusammenhang, so Hürzeler, «dass die Berufsorientierung ein viel grösseres Gewicht erhält als in den heutigen Lehrplänen».