Wahlparteitag
Warum Probleme in der CVP wichtiger werden

Die CVP Aargau feierte in Wettingen den Wahlparteitag – ohne Gaga, aber mit Bundesrätin Doris Leuthard.

Mario Fuchs
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Zu Hause zu Besuch: Bundesrätin Doris Leuthard begrüsst ihre Kameraden und Kameradinnen der CVP Aargau.

Zu Hause zu Besuch: Bundesrätin Doris Leuthard begrüsst ihre Kameraden und Kameradinnen der CVP Aargau.

Mario Fuchs

Wahlparteitage sind Selbstinszenierungen. Sie sagen deshalb viel über eine Partei aus: Wie sie sich sieht, wie sie gesehen werden will. In Wettingen traf sich am Freitagabend die CVP Aargau, im Löwensaal an der Klosterstrasse, zum «Wahlparteitag mit unserer Bundesrätin Doris Leuthard». Mit orangefarbigen Servietten auf den Tischen, darauf Teelichter in orangefarbenem Dekorsand. Mit an die Wände gelehnten Wahlplakaten. Mit Balkan-Musik und Tango des serbischen Akkordeonisten Srdjan Vukasinovic, Weltmeister von 1999. Gegen 100 Parteimitglieder kamen und nahmen an runden Tischen Platz. Der Vorteil von runden Tischen: Die Runde ist beliebig erweiterbar, und wenn die eigene Bundesrätin kommt, erweitert man gerne.

Drei Minuten vor Programmstart fragt der Musiker die Organisatorin, ob er noch eins spielen solle oder keins mehr. Der Entscheid: keins mehr, gleich geht es los. Kantonalpräsident Markus Zemp steht auf, nimmt das Funkmikrofon in die Hand und sagt zur Versammlung: «Ihr seid plötzlich alle so ruhig geworden, dann fange ich jetzt halt an, auch wenn es noch zwei Minuten zu früh ist.» Heute, sagt Zemp, wolle die CVP zeigen, was sie draufhabe. «Wir machen Wahlkampf nicht mit Gaga, von uns werden Sie niemanden sehen, wie er auf dem WC sitzt oder oben ohne in den Pool springt», spielte er auf das gleichentags veröffentlichte, viel diskutierte Wahlkampfvideo der SVP an.

Eingeladen war Doris Leuthard für ein Gespräch mit Jürgen Sahli, dem Chefredaktor von Radio Argovia. Thema: «Darum braucht es eine starke CVP!» Sie kenne ja sicher diese Hörerspiele von Privatradios, die man mache, um gute Stimmung zu verbreiten, eröffnete Sahli, halb sicher und halb fragend. «Ich sage jetzt nicht, dass es hier drin schlechte Stimmung hat, aber wir können sicher noch etwas dafür machen», stellte er fest.

Einstiegsfrage: Wie sehen Leuthards Prognosen für die Wahlen vom 18. Oktober aus? «Bei den Sitzen, so haben wir das Gefühl, sieht es momentan gut aus. Beim Wähleranteil nicht so.» Die CVP habe es schon immer schwer gehabt, sich im Wahlkampf zu profilieren. Wohl habe man eigentlich klare Positionen. «Die SVP hingegen trifft ein Bauchgefühl. Aber nachher kommt dann nichts.» Dass es in der Schweiz «zu viele Asylanten» gebe, sei schnell gesagt, doch in Sachen Abgrenzung müsse man differenzieren.

So ging es eine halbe Stunde: Sahli fragte höflich, Leuthard antwortete sachlich. Zur Energiewende, zu den Atomkraftwerken, zum Stau am Gotthard. Überraschendes oder Neues gab die Bundesrätin nicht von sich. Der Aargau, bemerkte Interviewer Sahli, mache viel, aber könne nicht verkaufen, was er alles mache. «Ja», bestätigte die Bundesrätin, «der Aargauer ist immer etwas zu bescheiden.» Etwa bei den Finanzen – Leuthard deutete auf Finanzdirektor Roland Brogli in der ersten Reihe. «Ich sage ja schon lange: Verzichtet doch mal auf diesen Finanzausgleich. Der Aargau könnte das auch alleine stemmen.»

Die Leitfrage, warum es eine starke CVP braucht, wurde erst nach Ablauf der vorgesehenen Zeit beantwortet, als Sahli sich kurz versichert hatte, ob er ein paar Minuten überziehen dürfe. Er durfte, und Doris Leuthard sagte: «Radikale Positionen sind viel einfacher zu vertreten.» Das Problem der CVP sei, dass sie immer grad mögliche Lösungen sehe und diskutieren wolle. «Wir müssen üben, zuerst klarer über die Probleme zu reden.»