Mobbing
Warum Hygiene an Schulen das grössere Problem ist als unangemessene Kleidung

An der Oberstufe ist mangelnde Hygiene das grössere Problem als unangemessene Kleidung. Wer ungepflegt ist, werde oft gemobbt und von Klassenkameraden gemieden, sagt Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes.

Noemi Lea Landolt
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Mobbing: Mangelnde Hygiene können für Schüler unangenehme Folgen haben. (Symbolbild)

Mobbing: Mangelnde Hygiene können für Schüler unangenehme Folgen haben. (Symbolbild)

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Zu freizügige Kleider im Unterricht sorgen gerade im Sommer immer wieder für Diskussionen. Die Schule Merenschwand hat deshalb eine Kleiderordnung eingeführt. Gerade auf der Oberstufe gebe es ein grösseres Problem, sagt Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. «Ich stelle fest, dass Hygiene auf dieser Stufe ein viel wichtigeres Thema ist», sagt sie.

In der Pubertät verändert sich der Körper. Der Schweiss riecht stärker, Körperpflege wird wichtiger. Hygiene werde in diesem Alter aktuell und es sei wichtig, dies zu thematisieren. «Auch wenn es schwieriger ist, jemanden auf mangelnde Hygiene anzusprechen als auf unpassende Kleidung», sagt Abbassi. Für Schüler, die müffeln, dreckige Kleider tragen oder diese zu selten wechseln oder waschen, kann es nämlich unangenehme Folgen haben. «Jugendliche sind gnadenlos», sagt Abbassi. Wer ungepflegt ist, werde oft gemobbt und von Klassenkameraden gemieden. «Da heisst es dann schon mal: ‹Du stinkst!›». Deshalb ist Hygiene auch Teil des Lehrplans, während es Kleidung nicht explizit ist.

Natürlich hängen die Themen zusammen: «Wenn es um Hygiene geht, kann auch das regelmässige Wechseln der Kleider angesprochen werden», sagt Abbassi. Bei dieser Gelegenheit könne auch elegant thematisiert werden, welcher Dresscode für welchen Anlass angebracht ist. Ein gepflegter Eindruck sei wichtig, nicht nur in der Schule, sondern vor allem später, wenn es darum geht, am Vorstellungsgespräch einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

Duschverbot vom Sportlehrer

Teilweise scheinen aber nicht nur die Schülerinnen und Schüler für Schweissgeruch im Schulzimmer verantwortlich zu sein. Bei jüngeren Schülern bleiben die Sportsachen oft mehrere Wochen ungewaschen in der Schule und stinken dort still vor sich hin. Es gebe auch vereinzelt Sportlehrer, die ihren Klassen nach dem Turnunterricht kaum Zeit lassen, um zu duschen: «Es ist keine zwei Monate her, dass ich das letzte Mal mit einem Sportlehrer darüber diskutiert habe», sagt Abbassi. Die Folge: Entweder kommt die Klasse zu spät oder ungeduscht in die nächste Stunde. Wie mit Schülern, die sich unangemessen anziehen oder die Körperpflege vernachlässigen, sucht Abbassi das Gespräch hier mit den Lehrern.