Die Aargauer Staatsanwaltschaft kann zu dieser Frage keine Stellung nehmen – zu viele Variablen verunmöglichen es generell, eine Prognose zu treffen. Klar ist: Bis die Strafverhandlung tatsächlich angesetzt wird, dürften noch Monate Arbeit vor den Ermittlern liegen. Zu diesem Schluss führt eine Nachfrage bei Rolf Grädel, Generalstaatsanwalt im Kanton Bern und Präsident der Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz.

Auch Grädel will sich nicht auf die Äste hinaus lassen – aber er kennt den Ablauf des sogenannten Vorverfahrens genau. «Weiter muss jetzt das persönliche Umfeld des Beschuldigten abgeklärt werden», erklärt er. Dabei steht auch die Frage im Zentrum, ob es nebst der Tat von Rupperswil weitere andere Delikte gab.

Entsprechend wären zusätzliche Befragungen und Abklärungen nötig. Die Staatsanwaltschaft erklärte kurz nach der Verhaftung, es werde «zu Abklärungen und Befragungen in den Fussballvereinen kommen, bei denen der 33-jährige Schweizer als Trainer und Koordinator tätig war».

Ebenfalls eine gewisse Zeit wird die Erstellung des psychiatrischen Gutachtens über Thomas N. in Anspruch nehmen. Damit werden Rückfallgefahr und Schuldfähigkeit abgeklärt. Rolf Grädel: «Dass der Beschuldigte geständig ist, macht das Vorverfahren etwas einfacher.» Die Ermittler könnten seine Version nehmen und überprüfen.

Doch selbst wenn ein Geständnis vorliege, müssten alle Abklärungen exakt gemacht werden. «Es besteht immer die Gefahr, dass ein Geständnis zurückgezogen wird. Auch dann muss die Anklageschrift dicht sein», sagt Grädel.

Alle Ermittlungshandlungen müssen dokumentiert sein, etwa alle Ergebnisse des kriminaltechnischen Dienstes, alle Befragungen. Ist die Untersuchung abgeschlossen, erhalten die Klägerschaft und der Beschuldigte eine Frist, in der sie weitere Beweisanträge stellen können. Danach kann ein Termin für die Verhandlung angesetzt werden. (rio)