Archäologie

Warum eine Ausgrabung in Gränichen viel Geld aus dem Swisslos-Fonds erhält

Die Lochgasse in Gränichen ist eine Fundstelle von nationaler, wahrscheinlich gar europäischer Bedeutung. Dank dem Beitrag aus dem Swisslos-Fonds können die Funde nun während vier Jahren wissenschaftlich ausgewertet werden. Das Bild zeigt den Stand der Grabung im Sommer 2017.

Die Lochgasse in Gränichen ist eine Fundstelle von nationaler, wahrscheinlich gar europäischer Bedeutung. Dank dem Beitrag aus dem Swisslos-Fonds können die Funde nun während vier Jahren wissenschaftlich ausgewertet werden. Das Bild zeigt den Stand der Grabung im Sommer 2017.

Die Kantonsarchäologie erhält den grössten Beitrag aus der Herbstausschüttung der Aargauer Swisslos-Gelder. Sie verwendet die 700'000 Franken für die Auswertung der Ausgrabung Lochgasse in Gränichen, um neue Einblicke in die damalige Siedlungsweise zu erhalten.

Mit Beiträgen aus dem Swisslos-Fonds fördert der Kanton das Aargauer Kulturschaffen. Auf der neusten Liste stehen wieder 41 Kulturprojekte aus allen Sparten, die finanziell unterstützt werden.

Den grössten Beitrag der Herbstausschüttung erhält diesmal die Kantonsarchäologie: 700'000 Franken für die Auswertung der Ausgrabung Lochgasse in Gränichen. Man erhofft sich von der Auswertung, Einblicke in das Leben einer Siedlung in der Mittelbronzezeit zu erhalten. Doch wie genau soll das geschehen? Und warum rechtfertigt das, was die Archäologen an der Lochgasse in Gränichen entdeckt haben, die grosse Unterstützung aus dem Swisslos-Fonds?

Rund 100'000 Fundobjekte

In Gränichen wurden 2016 bis 2017 auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche von rund 10'000 Quadratmetern die Reste einer mittelbronzezeitlichen Siedlung ausgegraben. Es handelt sich um die bisher grösste prähistorische Ausgrabung im Kanton Aarau. Ein Grabungsteam von 15 Personen war während zehn Monaten an der Arbeit. Es war eine klassische Notgrabung vor dem Baubeginn für eine Überbauung mit 100 Wohnungen.

Die Archäologen waren sich einig: Was sie da an der Lochgasse vorfanden, war von ausserordentlicher wissenschaftlicher Relevanz. In der Schweiz ist bisher keine ausgegrabene Siedlung aus der Mittelbronzezeit (ca. 1600–1250 v. Chr.) in dieser Grössenordnung bekannt.

Die Zeit drängte, galt es doch, den geplanten Bau nicht zu verzögern, im Oktober 2017 wurde die Fundstelle den Bauleuten übergeben. Inzwischen sind die letzten Spuren der prähistorischen Siedlung verschwunden. Ihre Stelle nehmen nun die Tiefgarage und die ringsum entstehenden Mehrfamilienhäuser ein. Archäologin Sophia Joray, welche die Ausgrabung geleitet hat, kann der «kontrollierten Zerstörung» auch Positives abgewinnen. «Trotz grossem Zeitdruck gelang es uns, die archäologischen Strukturen vollständig auszugraben und angemessen zu dokumentieren», sagte Joray.

Die erstellte Grabungsdokumentation umfasst denn auch 1527 Pläne und Zeichnungen sowie 2840 Fotos. Insgesamt wurden rund 100'000 Fundobjekte geborgen, 95 Prozent davon sind Keramikscherben. Dass sich an dieser Stelle – auf dem Schwemmfächer des Lochbachs am Eingang zum Wynental – eine prähistorische Siedlung befunden hatte, habe man zwar vermutet, sagte Joray. Überrascht sei man dann aber von der Grösse gewesen. «Die Siedlung Gränichen-Lochgasse ermöglicht, neue Einblicke in die damalige Siedlungsweise und das Alltagsleben der damaligen Menschen zu erhalten oder auch regionale und überregionale Beziehungen zu erkennen.»

Auswertung bringt Erkenntnisse

Damit dies aber gelingt, braucht es eine gründliche wissenschaftliche Auswertung des gefundenen und dokumentierten Materials. Diese in Kooperation mit der Universität Basel durchgeführte Auswertung ist aufwendig, und sie ist teuer. Gearbeitet wird mit einem interdisziplinären Ansatz, also der Kombination von Archäologie, Geoarchäologie und Archäobotanik. Die nächsten vier Jahre wird sich Sophia Joray, gemeinsam mit einem Team von Wissenschaftlern der Universität Basel, intensiv mit der Lochgasse beschäftigen. Dann sollen die Ergebnisse vorliegen und in ihrer Dissertation präsentiert werden. Weitere Veröffentlichungen zur Lochgasse sind geplant; auch für die Öffentlichkeit sollen die Resultate zugänglich gemacht werden.

Kantonsarchäologe Georg Matter, der beim Regierungsrat für das Projekt den Beitrag aus dem Swisslos-Fonds beantragt hat, betonte, das Beispiel zeige, wie wichtig der Swisslos-Fonds für die Aargauer Kultur sei. Ohne Swisslos-Fonds würden der Kantonsarchäologie im Moment die Mittel für die Auswertung fehlen: Man hätte zwar 100 000 Gegenstände, 1527 Pläne und 2840 Fotos aus dem Gränicher Untergrund. Wirklich wertvoll werden diese aber erst, wenn zeitnah nach der Ausgrabung auch die Forschungsarbeit geleistet werden kann, die neue Erkenntnisse möglich macht.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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