Windenergie

Warum ein Solarpionier weiter auf ein Windkraftwerk im Aargau hofft

Paul Müri: Energie ohne negative Nebenwirkungen gibt es nicht.

Paul Müri: Energie ohne negative Nebenwirkungen gibt es nicht.

Der Freiämter Paul Müri präsidiert seit 12 Jahren die Regionalgruppe Aargau der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie. Aber Müri hofft auch unverdrossen, dass auch im Aargau einmal Windräder drehen werden: «Riesenparks können wir hier nicht aufstellen.»

Der Freiämter Paul Müri präsidiert seit 12 Jahren die Regionalgruppe Aargau der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie. Er hat die Reise in den Schwarzwald organisiert. Windkraftanlagen sind für ihn Teil der Energiewende. Seine Regionalgruppe zählt rund 770 Mitglieder, darunter viele älter gewordene Solarpioniere.

Das sieht man auch bei der Exkursion in den Schwarzwald. Wo sind die Jungen? Etliche hätten in diesem Alter andere Prioritäten, viele (nicht nur Junge) wüssten nicht einmal, wie viel sie für den Strom zahlen, sagt Müri nachdenklich. In seiner Regionalgruppe machen aber auch Maturanden und Fachhochschüler mit.

Müri hat einen langen Weg hinter sich. Als in den Sechzigerjahren die AKW Beznau I und II eröffnet wurden, war er überzeugt von dieser neuen Technologie. «Und die Frage der Entsorgung war noch weit weg.» Doch dann kamen die Atomunfälle in Harrisburg (1974), Tschernobyl (1986), Fukushima (2011).

Schon Harrisburg brachte Müri ins Grübeln. Als er als Ausbildner der Landwirtschaftlichen Schule Liebegg Bauern zeigen musste, wie sie sich im Falle einer radioaktiven Wolke schützen sollen, sah er: «Das geht ja gar nicht, die Bauern könnten ihre Tiere nicht schützen und die Böden danach nicht mehr bewirtschaften.»

Längst setzt der inzwischen pensionierte Müri darum auf erneuerbare Energien. Ein Hauptargument gegen Windmühlen ist ihr Lärm. «Der ist bei neuen Anlagen bei weitem nicht mehr so stark wie früher, mich ärgern eher laute Töffs», wendet Müri unter Verweis auf eine neue Windmühle im Schwarzwald ein, wo die Lärmmessung zum Gespräch der Exkursionsteilnehmer stärker ausschlägt als wegen der Anlage.

Doch im Aargau konnte bisher nichts realisiert werden. Die Widerstände und Ängste waren zu gross. Ein Gegenargument ist, dass Vögel den Anlagen zum Opfer fallen. Das sei ihm bewusst, so Müri: «Ich kenne keine Energieherstellung ohne negative Auswirkungen. Studien zeigen aber, dass es nicht so viele Vögel sind, erst recht nicht im Vergleich zu den Tausenden Vögeln, die in Scheiben fliegen oder von Katzen getötet werden.» Zudem wisse man, wann Zugvögel unterwegs sind. Dann könnte man eine Anlage so lange gezielt abstellen, schlägt er vor. Müri hofft unverdrossen, dass auch im Aargau einmal Windräder drehen werden: «Mir ist klar, dass wir hier keine riesigen Anlagen wie in Norddeutschland aufstellen können, das will ja auch niemand», sagt er.

Wichtig ist Müri, dass die Anwohner von Anfang an mit einbezogen und auch angrenzende Landbesitzer entschädigt werden: «Wenn es von unten wächst und die Bauern beteiligt werden, kann es klappen. Das zeigen die Anlagen auf dem Mont Crosin und im Schwarzwald.»

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