Umweltarena Spreitenbach
Warum die Grossratsdebatte erstmals per Livestream übertragen wird

Zum ersten Mal wird eine Grossratssitzung live übertragen. So können Angehörige neuer Grossräte bei deren Inpflichtnahme wenigstens virtuell dabei sein.

Mathias Küng
Drucken
Teilen
Nicht nur auf der Leinwand in der Umwelt Arena, auch im Livestream wird die Grossratssitzung heute übertragen.

Nicht nur auf der Leinwand in der Umwelt Arena, auch im Livestream wird die Grossratssitzung heute übertragen.

Britta Gut (17.11.2020

Am Dienstag wird auf der Website des Kantons erstmals eine Grossratsdebatte (ab 14 Uhr) via Livestream übertragen. Ratssekretärin Rahel Ommerli erklärt: «An der Sitzung werden die neu gewählten Grossrätinnen und Grossräte in Pflicht genommen, der neue Ratspräsident wird gewählt. Da wären gern viele Familienangehörige dabei.» Das gehe aber wegen Corona nicht, man sollte ja möglichst Direktkontakte vermeiden.

Damit Angehörige wenigstens virtuell dabei sein können, entschied der designierte Ratspräsident Pascal Furer, diese Debatte live zu übertragen (www.ag.ch/grossrat). Es fielen nur wenige Kosten an, so Ommerli, «weil die Umwelt Arena dafür eingerichtet ist». Danach werde die Nutzung des Livestreams analysiert. Ob es weitere Übertragungen gibt, lasse sich nicht sagen. Klar sei: «Im Grossratsgebäude fehlt diese Infrastruktur, da müsste man zuerst einiges investieren, falls man von dort aus einen Livestream machen wollte», so Ommerli.

Die Grossratssitzung können Sie ab 14 Uhr auf unserer Seite via Ticker und Stream mitverfolgen.

Livestreamvorstoss wurde vor Jahren klar abgelehnt

Grossrat Sander Mallien (GLP) hat 2014 mit einem Vorstoss eine Liveübetragung der Grossratsdebatte «zur Erhöhung der Transparenz sowie zur Förderung der Demokratie» verlangt. Damals, mitten in einer grossen Spardebatte, unterlag er haushoch. Daniel Hölzle (heute Präsident der Grünen), sagte vor sieben Jahren: «Wenn ich mich umschaue, ist schon hier im Saal das Interesse an den Debatten relativ gering. Ob dann vom Normalbürger überhaupt ein wesentliches Interesse an diesen erwartet werden kann, wage ich daher zu bezweifeln.»

Nicht alle hätten zudem Zeit, eine Debatte live zu verfolgen, die Protokolle seien problemlos online abrufbar. Der ­damalige FDP-Fraktionschef Daniel Heller meinte 2014, das Anliegen sei «nicht ganz unberechtigt, denn die Option, ohne den Filter der Medien direkt zu vermitteln, hat etwas für sich». Der Ratsbetrieb sei aber nicht intransparent, man fördere mit Livestream nur Bequemlichkeit, das Interesse sei zudem bescheiden. Es würden wohl etliche Verwaltungsangestellte so «ihre» Geschäfte mitverfolgen. Zudem würde eine Übertragung wohl die Redelust beflügeln.

Diese Argumente überzeugen Mallien nicht. Er begrüsst die heutige Liveübertragung und hofft, dass man dies institutionalisieren kann. Gewiss würden es nicht viele nutzen, «aber wir sollten diese Möglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger schaffen», so Mallien.