Die Hirslanden Klinik Aarau und das Kantonsspital Baden (KSB) arbeiten in der hoch spezialisierten Bauch-Chirurgie zusammen. Der grüne Grossrat und Hausarzt Severin Lüscher kritisiert das «Extrazügli» der beiden Spitäler. «Zusammen mit dem Kantonsspital Aarau gibt es damit zwei Zentren für hoch spezialisierte Bauch-Chirurgie im Aargau. Das ist langfristig eines zu viel», findet Lüscher. Es genüge, wenn hochkomplexe Eingriffe an einem Spital durchgeführt werden. Dies umso mehr, als die Fallzahlen tief seien.

Das bestätigt ein Blick in die Statistik des Bundesamts für Gesundheit. Die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2016 zeigen, dass es 23 Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse im KSA und je 22 im KSB und in der Hirslanden Klinik Aarau gab. Das ist nur ein Bruchteil im Verhältnis zu den 892 Eingriffen, die es 2016 in der Schweiz gab.

Das Departement Gesundheit und Soziales ist von der neuen Kooperation nicht begeistert. Barbara Hürlimann, Leiterin der Abteilung Gesundheit, sagt: «Wir sind besorgt, ob im Kanton Aargau auch inskünftig ein Leistungsangebot für die grossen Bauchspeicheldrüseneingriffe sowie die grossen Lebereingriffe besteht.» Durch die Verlegung von Aarauer Patienten zur Operation nach Baden – wie es die neue Kooperation zwischen KSB und Hirslanden vorsieht – finde eine Verlagerung von Aarau nach Baden statt. «Möglicherweise werden dadurch die Fallzahlen in Aarau sinken», sagt Hürlimann. Es werde sich zeigen, ob langfristig beide Standorte erhalten bleiben können oder der Leistungsauftrag für den Kanton Aargau durch die Verteilung der Fälle auf zwei Standorte sogar ganz wegfalle. In diesem Fall gäbe es im Aargau anstatt zwei Zentren für hoch spezialisierte Bauch-Chirurgie gar keines mehr.

Verhindern, dass die hoch spezialisierte Bauch-Chirurgie im Aargau nicht mehr angeboten wird, kann der Kanton nicht. Bei der Verteilung der Leistungsaufträge im Bereich der hoch spezialisierten Medizin können die Kantone nicht mitreden. Diese werden durch ein interkantonales Entscheidorgan vergeben, dessen Mitglieder von der Gesundheitsdirektorenkonferenz gewählt werden.

KSB will niemandem etwas wegnehmen

KSB-Sprecher Omar Gisler beruhigt. Ziel der Zusammenarbeit sei es, die hoch spezialisierte Bauchmedizin im Aargau zu stärken. «Die Behauptung, damit würden anderen Spitälern Patienten abspenstig gemacht, entbehrt jeglicher Grundlage.» Vielmehr werde der Standort Aargau gestärkt und verliere keine Fälle an andere Kantone.

Das KSB habe im Bereich der Behandlung von Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs «enorme Fortschritte erzielt», seit Professor Antonio Nocito vor fünf Jahren übernommen habe. «Das Team hat in den letzten Jahren doppelt bis drei Mal so viele Pankreas-Eingriffe durchgeführt wie die geforderte Mindestzahl», sagt Gisler. Auch bei den Lebereingriffen verfüge das KSB über genügend Routine und Expertise, um die Anforderungen zu erfüllen.