Beratungsangebote

Warum die Aargauer Regierung kein Jugendhilfegesetz will

Die aktuellsten Daten zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Aargau stammen aus dem Jahr 2015. (Symbolbild)

Die Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche unterscheiden sich im Aargau von Gemeinde zu Gemeinde. Der Regierung reichen die heutigen Gesetze trotzdem.

Kinder und Jugendliche müssen im Aargau teilweise bis zu einem halben Jahr warten, bis sie in die psychiatrische Kinder- und Jugendklinik der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) aufgenommen werden können. Die Versorgungslage ist prekär. Genaue Zahlen, wie es um die psychische Gesundheit der Aargauer Kinder und Jugendlichen steht, fehlen. 2015 erstellte das Departement Gesundheit und Soziales zuletzt einen Bericht. Darin klagten rund 15 Prozent der Jugendlichen über eine mittlere bis starke psychische Belastung, schreibt der Regierungsrat zu einer Interpellation von Grossrätin Elisabeth Burgener und Grossrat Jürg Knuchel (beide SP).

Doch nicht nur bei der psychiatrischen Versorgung harzt es im Aargau. Ein weiteres Problem sei das Angebot an niederschwelligen Beratungsstellen, schreiben Burgener und Knuchel. Solche Stellen würden helfen, Kinder und Jugendliche aufzufangen und zu unterstützen, bevor eine psychiatrische Versorgung nötig werde. Die immaterielle Hilfe sei zwar im Sozial- und Präventionsgesetz geregelt, die Gemeinden seien aber grösstenteils sich selber überlassen, kritisieren die Grossräte. Die Unterschiede zwischen den Bezirken seien «auffällig», zudem fehle es an Koordination.

Der Regierungsrat kann die Frage zum Angebot im freiwilligen Kinderschutz in den Bezirken nicht beantworten, weil er «über keine Angebotsübersicht verfügt». Der gesetzliche Auftrag sei klar gegeben. Die Gemeinden seien «in der Wahrnehmung ihrer Aufgabe frei». Die Regierung teilt denn auch mit, es gebe im Aargau «ein sehr heterogenes Feld an Angeboten im Rahmen der persönlichen Hilfe». Dennoch sei es nicht nötig, die gesetzlichen Grundlagen anzupassen und etwa ein Kinder- und Jugendhilfegesetz zu schaffen. «Eine dichtere Normierung würde das notwendige Ermessen der Gemeinde einschränken und dem Sinn und Zweck der persönlichen Hilfe zuwiderlaufen.»

Motion für mehr Kinderschutz?

Längerfristiges Ziel sei es, günstige Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche zu schaffen sowie ein gesundheitsbewusstes und eigenverantwortliches Verhalten der Kinder und Jugendlichen zu fördern. Im Rahmen der Revision des Betreuungsgesetzes und des Spitalgesetzes will der Regierungsrat eine gesetzliche Grundlage schaffen, um versorgungsrelevante ambulante Angebote finanziell unterstützen zu können. Elisabeth Burgener befürchtet, dass dies allein nicht reicht beziehungsweise zu lange dauern werde. Sie überlegt sich deshalb, mit einer überparteilichen Motion mehr Druck zu machen, damit der Regierungsrat beim Kinderschutz handelt. Dank der Antworten der Regierung habe sie eine Grundlage für weitere Forderungen, so Burgener.

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