Kantonspolizei Aargau
Warum die Aargauer Polizei 2010 so wenige Einbrecher schnappte

Die Aargauer Kantonspolizei wird kritisiert zu wenig Einbruchsfälle aufzuklären und falsche Prioritäten zu setzen. Im kantonalen Vergleich fällt auf, dass die Aufklärungsrate für Einbrüche im Jahr 2010 massiv abgesackt ist.

Kim Ghilardi
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Im Aargau werden nicht alle Jahre gleich viele Einbrecher geschnappt. (Symbolbild)

Im Aargau werden nicht alle Jahre gleich viele Einbrecher geschnappt. (Symbolbild)

Walter Bieri/Keystone

Als der SVP-Nationalrat Luzi Stamm letzte Silvesternacht von Einbrechern heimgesucht wurde, hat dieser wegen der vielen Einbrüche schwere Vorwürfe gegen die Polizeiführung erhoben. «Die Polizei setzt falsche Prioritäten», hatte dieser kritisiert und Schnellgerichte und den Landesverweis für Einbrecher gefordert.

Aufklärungsrate der Kantone bei Einbruchdiebstahl

Aufklärungsrate der Kantone bei Einbruchdiebstahl

AZ

Stamms Kritik hat die Polizei aber nicht auf sich sitzen lassen. Am Montag bezog der Kommandant der Kantonspolizei Aargau, Stephan Reinhardt, Stellung zu den Anschuldigungen des SVP-Nationalrats. Er erklärte, dass die Einbruch-Problematik zur Priorität erklärt wurde. Dabei musste Reinhardt aber einräumen, dass die Aufklärungsrate bei den Einbruchdiebstählen im Aargau tatsächlich sehr tief sei. « Ein kleiner Trost ist, dass dies auch in anderen Kantonen der Fall ist.»

Um die Aussage des Polizeikommandanten zu prüfen, hat die az die kantonalen Aufklärungsraten bei Einbruchdiebstählen verglichen. Dabei ist herausgekommen, dass 2010 die Rate im Aargau von 31 auf 11 Prozent abgesackt ist.

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Max Suter von der Kantonspolizei Aargau kann sich diesen Absturz nicht erklären. Sowohl die Vorgehensweise als auch die Strukturierung bei der Jagd nach den Tätern habe sich von 2009 auf 2010 nicht verändert. Einen wesentlichen Anstieg des Kriminaltourismus konnte man in diesen Jahren auch nicht verzeichnen. Der Absturz liesse sich möglicherweise dadurch erklären, dass im Jahr 2009 auffällig viele Serien-Einbrecher gefasst und überführt wurden. Dabei käme es vor, dass einzelnen Banden sehr viele Delikte auf einmal nachgewiesen werden können. Auch andere Veränderungen seien nicht beobachtet worden. Suter versichert jedoch, dass die Polizei das Thema sehr ernst nehme. Die Rate sei auch nach 2009 immer noch gut, vergleiche man mit anderen Kantonen.

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Kanton Solothurn leidet unter hohem Aufwand

Auffällig in der Statistik ist, dass der Kanton Solothurn in beiden Jahren eine eher geringe Aufklärungsrate aufweist. Dabei wurden maximal 8,5 Prozent der Einbrüche aufgeklärt. Das war 2010. Dazu schreibt die Kantonspolizei Solothurn: «Die Aufklärungsquote bei Einbruchdiebstählen ist grundsätzlich eher tief. Da Einbruchdiebstahl ein Massendelikt ist, müssen für eine hohe Aufklärungsquote auch viele Delikte geklärt werden.»

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Um den Tätern Delikte nachzuweisen, muss ein erheblicher und in den letzten Jahren zunehmender Ermittlungsaufwand betrieben werden.» Dabei müsse man beachten, dass der Kanton Solothurn ein Transitkanton ist und die Täter, wie im Aargau, schnell via Autobahn flüchten können.

Basel, Bern und Zürich bleiben im Rahmen

Die restlichen Kantone weisen durchschnittliche Werte auf. Bis auf Zürich konnten alle ihre Zahlen verbessern. Besonders zu bemerken ist, dass Basel gesamthaft am besten abschneidet.

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