Fussball
Warum der Aargauer Fussball auf dem Weg zum Idealzustand ist

Die Diagnose mag überraschend klingen. Der Aargauer Fussball, in den letzten Jahren oft gescholten, befindet sich auf dem Weg zum Idealzustand. Drei Schritte fehlen zur Vollendung.

Andreas Fretz
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Erstens: Der FC Aarau kehrt zurück in die Super League. Zweitens: Der FC Baden steigt in die neu gegründete 1. Liga Promotion auf. Drittens: Das Team Aargau U21 schafft den seit langer Zeit angestrebten Sprung von der 2. Liga interregional in die 1. Liga Classic.

Warum sind diese drei Aufstiege derart wichtig? Gelingt die Vollendung, wäre der Aargau, oder präziser das Team Aargau (der Zusammenschluss von Aarau, Wohlen und Baden) lückenlos in den vier höchsten Ligen des Landes vertreten. In der Super League mit Aarau, in der Challenge League mit dem FC Wohlen, in der 1. Liga Promotion mit Baden und in der 1. Liga Classic mit dem Team Aargau U21. Drei kleine Schritte für die einzelnen Vereine, ein grosser Schritt für den Kanton.

Dieser Idealzustand kommt in erster Linie den hoffnungsvollsten Aargauer Talenten zugute. Als das Team Aargau U21 im Jahr 2007 den Spielbetrieb aufnahm, hatte man ein Ziel vor Augen: Spieler mit Potenzial sollen auf jeder Leistungsstufe ein Angebot erhalten. Ein Junior lanciert seine Karriere in der U21. Empfiehlt er sich für höhere Aufgaben, kann er sich Schritt für Schritt weiterentwickeln, Liga um Liga aufsteigen. Und das, ohne den Kanton je verlassen zu müssen. Am Ende der Leiter winkt die Super League. Nur so kann der Abfluss der grössten Talente in die Fussballmetropolen Basel, Zürich oder Bern wenn auch nicht gestoppt, so zumindest minimiert werden. Was wiederum sämtlichen Aargauer Fussballvereinen zugutekommt.

Die Ausgangslage vor der Winterpause präsentiert sich vielversprechend. Sowohl der FC Aarau als auch der FC Baden grüssen in ihrer Liga von der Tabellenspitze. Wer dachte, dass auf Aarau nach 29 fetten 29 magere Jahre zukommen, sieht sich möglicherweise bald eines Besseren belehrt. Auch wenn es bis zum Aufstieg noch ein weiter, steiniger Weg ist, die Chance muss gepackt werden. Stadionfrage hin oder her. Wer weiss, wann sich das nächste Mal die Gelegenheit bietet.

Der FC Baden stand nach dem Abstieg aus der Challenge League mehrfach nahe am Wiederaufstieg. Der Verein leistet gute und solide Arbeit. Das Team ist jung und besteht zu einem grossen Teil aus ehemaligen Spielern des Team Aargau U21. Die Zeit ist reif. Der FC Baden ist mit seiner Infrastruktur und seinem Umfeld geradezu prädestiniert für die 1. Liga Promotion. Schwieriger gestaltet sich die Ausgangslage für das Team Aargau U21. Der Rückstand auf den Tabellenführer in der 2. Liga inter beträgt sieben Punkte. Die Equipe hat einen Umbruch hinter sich. Ein Aufstieg am Ende der Saison ist unwahrscheinlich, muss aber für die nächsten Jahre das Ziel sein. Mit Ausnahme von Servette und Lausanne verfügen sämtliche Super-League-Vereine über ein Nachwuchsteam in der 1. Liga.

Um in den obersten vier Ligen lückenlos vertreten zu sein, ist auch der Verbleib Wohlens in der Challenge League unabdingbar. Der Hilferuf des Vorstands, wonach die FC Wohlen AG im äussersten Fall zum Verkauf stünde, soll nicht überbewertet, darf aber auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nichts ist tödlicher als ein Defizit, welches sich Saison für Saison erhöht.