Aargau
Warum der Aargau in Zürich so präsent ist

Zwei Aargauerinnen präsidieren die Stadt Zürich – auch sonst ist der Nachbarkanton stark präsent. So pendeln über 30000 Aargauer zur Arbeit nach Zürich – sei dies in Schulen, Stadtverwaltung oder bei der Stadtpolizei.

Manuel Bühlmann
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Zwei Aargauerinnen präsidieren die Stadt Zürich

Zwei Aargauerinnen präsidieren die Stadt Zürich

Keystone

In «Aargauer Frauenhand» sei Zürich dieses Jahr, sagte Dorothea Frei nach ihrer Wahl zur Präsidentin des Stadtzürcher Gemeinderats.

Die SP-Politikerin, aufgewachsen in Ehrendingen, ist seit kurzem die höchste Zürcherin. Zusammen mit Stadtpräsidentin Corine Mauch, die ebenfalls Wurzeln im Nachbarkanton hat, besetzen zwei Aargauerinnen die höchsten politischen Ämter der grössten Schweizer Stadt.

Doch nicht nur in der Zürcher Politik spielen die Bewohner des Nachbarkantons eine zentrale Rolle. Wie wichtig die Beziehungen zwischen den beiden Kantonen sind, zeigt allein schon ein Blick auf die aktuellsten Pendlerzahlen: 54 600 pendeln vom Aargau in den Kanton Zürich – das ist mehr als die Hälfte aller Wegpendler.

Die Mehrheit davon – 30 500 Personen – zieht es in die Stadt Zürich. Von Kultur über Sicherheit bis hin zur Wirtschaft. Es gibt kaum einen Bereich, der ohne Aargauer auskommt. Einige Beispiele:

  • Das Zürcher Opernhaus lockt zahlreiche Besucher aus dem Aargau an, wie viele es sind, gibt der Kulturbetrieb nicht bekannt. 57 der 664 Mitarbeitenden wohnen im Aargau. Dazu kommt: Regierungsrat Alex Hürzeler ist Mitglied des Opernhaus-Verwaltungsrates. Der Kanton Aargau zahlt den höchsten Betrag für die Nutzung der überregionalen Kultureinrichtungen im Kanton Zürich.
  • Auch die Zürcher Stadtverwaltung ist froh um Aargauer Arbeitskräfte: 2100 der insgesamt 28 000 Mitarbeitenden überqueren auf dem Arbeitsweg die Kantonsgrenze.
  • In vielen Schulhäusern der Zürcher Volksschule sähe es deutlich leerer aus ohne die 237 Lehrpersonen und Schulleitenden, die ein Aargauer Diplom vorweisen können.
  • Die Uni Zürich setzt auf Professoren und Lehrbeauftragte aus dem benachbarten Kanton: 150 von rund 4200 wohnen dort.
  • Wer sich im Universitätsspital Zürich behandeln lässt, begibt sich womöglich in die Pflege von Aargauern: 36 Ärzte und 442 Mitarbeitende haben ihren Wohnsitz im Aargau.
  • Tausende Aargauer Partygänger zieht es jedes Wochenende nach Zürich, daneben gibt es auch Aargauer, die für Ruhe und Ordnung sorgen: Knapp 15 Prozent der Mitarbeitenden der Zürcher Stadtpolizei wohnen ennet der Kantonsgrenze.
  • Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) kümmern sich darum, dass niemand im Dunkeln sitzt – mit nachbarschaftlicher Arbeitskraft. Über 120 der 1500 Mitarbeitenden sind Aargauer.
  • Die Zürcher Kantonalbank beschäftigt 450 Personen, die im Nachbarkanton leben – das sind rund 8 Prozent der ganzen Belegschaft.
  • Der Zürcher Flughafen sorgt im Aargau wegen des unliebsamen Lärms zuweilen für rote Köpfe – aber auch für willkommene Arbeitsplätze: 125 der 1600 Beschäftigten der Flughafen Zürich AG wohnen auf Aargauer Boden.