Wenige Mausklicks und die Steuern sind via Onlinekonto bezahlt. Die elektronische Rechnung macht es möglich – zumindest in einigen Kantonen. Nicht so im Aargau, hier erhalten die Steuerzahler in jedem Fall einen Einzahlungsschein per Post. Der Hauptgrund: der Spardruck. Oder wie Roland Hofer, Sprecher des Departements Finanzen und Ressourcen, sagt: «Aufgrund der angespannten Situation bei den Kantonsfinanzen haben andere Projekte Vorrang.» Priorität habe derzeit die Erneuerung der Steuerinformatiksysteme.

In zwei oder drei Jahren

Allerdings müssen sich Aargauerinnen und Aargauer, die gerne eine elektronische Rechnung erhielten, wohl nicht mehr allzu lange gedulden. «Das kantonale Steueramt beabsichtigt, die Einführung der elektronischen Steuerrechnung in diesem Jahr zu prüfen und den Service in zwei oder drei Jahren anzubieten», kündigt Hofer an. Der grosse Vorteil für die Nutzer: Die Rechnung landet direkt im E-Banking-Konto, weshalb das mühsame Abtippen von Empfängerdaten, Betrag und Referenznummer entfällt – und keine Tippfehler mehr drohen. Aber nicht nur die Steuerzahler, sondern auch die Steuerämter könnten davon profitieren.

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» rechnet die Sprecherin der Berner Steuerverwaltung vor, pro Jahr könne der Kanton etwa 100 000 Franken an Kosten für Kuverts, Papier und Porto sparen. Demnach nutzen derzeit 32 000 der insgesamt 720 000 Steuerpflichtigen den Service – das Sparpotenzial läge gar bei 740 000 Franken, würde jeder Dritte den Einzahlungsschein nur noch elektronisch verlangen. Eine willkommene künftige Entlastung für die angespannte Aargauer Finanzlage? Immerhin verschickt das kantonale Steueramt jedes Jahr rund 1,5 Millionen Rechnungsbelege. Mit einem «stattlichen Betrag» rechnet angesichts der Porto- und Verpackungskosten Gérald Strub. Der Boniswiler Gemeindeammann und kommunale E-Government-Beauftragte sagt: «Die Technologie ist schon länger bekannt und erprobt. Die Leute würden das Angebot der E-Rechnungen ganz sicher nutzen.» Die Erwartungen des kantonalen Steueramts sind nicht besonders hoch. Man gehe für den Aargau von einem «vorerst geringeren Sparpotenzial» als jenem in Bern aus. Je nach Verfahren würden zudem Gebühren für die Übermittlung der Rechnung auf elektronischem Weg anfallen.

Die Erfahrungen im Kanton Basel-Landschaft sind in finanzieller Hinsicht eher bescheiden. «Es lässt sich kaum etwas einsparen, da auch die E-Rechnung nicht gratis verschickt werden kann. Zudem ist der Betrieb zu betreuen und zu unterhalten. Die Ersparnisse beim Papier können hingegen vernachlässigt werden», teilt Peter Nefzger, Vorsteher der Baselbieter Steuerverwaltung auf Anfrage mit.

Die Erfahrungen der Nachbarn

Die Steuerverwaltung im Nachbarkanton sammelt seit sechs Jahren Erfahrungen mit elektronischen Rechnungen. Die Nachfrage scheine nicht sehr gross zu sein, sagt Nefzger. Ungefähr 7000 von 160 000 Steuerpflichtigen nutzen den Service – das sind 4,4 Prozent. Ob die Zahlungsmoral dadurch gestiegen sei, kann Nefzger nicht beurteilen. «Die E-Rechnung dürfte aufgrund der noch nicht grossen Verbreitung aber kaum einen Einfluss auf das Zahlungsverhalten haben.»

Trotz den Plänen für die nächsten Jahre, gegenüber anderen Kantonen ist der Aargau bei den elektronischen Rechnungen im Rückstand. Dieser sei selbstauferlegt – «aufgrund der knappen Finanzen», sagt der E-Government-Beauftragte Gérald Strub. Letztlich handle es sich dabei um eine Frage der Prioritäten. «Ohne die Bereitschaft zu investieren geht es nicht.» Strubs Prognose: In fünf bis zehn Jahren wird der Grossteil der Verwaltung auf elektronische Rechnungen umgestellt haben.