Regierungsratswahlen
Warum Attiger der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist

Es müsste schon einiges schiefgehen, damit Stephan Attiger nicht der nächste FDP-Regierungsrat würde. Abgesehen davon, dass er zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz ist: Ist er auch wirklich so gut?

Urs Moser
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FDP-Regierungsratskandidat Stephan Attiger.

FDP-Regierungsratskandidat Stephan Attiger.

Emanuel Freudiger

Im Auswahlverfahren der Aargauer FDP für die Nachfolge des abtretenden Regierungsrats Peter C. Beyeler hatte man das Gefühl, es sei so etwas wie gottgegeben, dass der Kandidat nur Stephan Attiger heissen kann: Es gab keins. Jedenfalls war nie an die Öffentlichkeit gedrungen, dass in den Parteigremien eine Alternative zum Badener Stadtammann überhaupt nur erwogen worden wäre oder dass jemand anderes es gewagt hätte, überhaupt nur zu erwägen, entsprechende Ambitionen anzumelden.

Attiger ist der Richtige für den Regierungsrat

Politische wie auch unternehmerische Erfahrungen sind da, als Stadtammann von Baden verfügt er über den nötigen Bekanntheitsgrad und ist im Kandidatenfeld nicht nur der einzige, sondern der Repräsentant des Ostaargaus schlechthin. Es ist schwer vorstellbar, den Kanton der Regionen ohne Vertretung des Wirtschaftsmotors zu regieren.

Es gibt wohl nur einen, der ähnlich gut ins Profil gepasst hätte: Parteipräsident Thierry Burkart. Er polarisiert allerdings stärker als Attiger, ist für den Regierungsposten vielleicht noch ein kleines Spürchen zu jung und hat die politischen Weichen frühzeitig in eine andere Richtung gestellt: Als designierter Grossratspräsident 2014/15 wird er rechtzeitig zu den nächsten Nationalratswahlen von einem zusätzlichen Popularitätsschub profitieren und sich gute Chancen auf den Sprung nach Bern ausrechnen können.

Ein Mann mit Qualität und Sympathie

Regierungsratskandidat Attiger wird in den höchsten Tönen gelobt. Eine integre Persönlichkeit, ein weitsichtiger Politiker, ein Mann mit Macher-Qualitäten, der die Probleme erkennt, anpackt und einer mehrheitsfähigen Lösung zuführt. So und ähnlich wird er nicht nur von engsten politischen Freunden qualifiziert. Schlechtes hört man kaum. Der Mann muss schon fast beängstigend gut sein. Kommt hinzu, dass er einfach sympathisch rüberkommt.

Mit seinen 45 Jahren und seiner Erfahrung als Manager in der Privatwirtschaft, Politiker und Familienvater ist seiner Erscheinung etwas Jungenhaftes geblieben. Im Wahlkampf wirkt er unbeschwert. Mit seinem Standardspruch bringt er immer ein Lächeln auf die Gesichter im Säli: «Wenn Sie mich für den Posten fähig halten, wählen Sie mich. Wenn Sie mich für fähig halten und sympathisch finden: Wählen Sie mich und erzählen es weiter.»

Zwei Jahre als Stadtammann in Baden

Attiger ist seit 2006 Stadtammann von Baden, also noch keine zwei Legislaturperioden. Keine unanständig kurze, aber auch keine übertrieben lange Frist, um nach den nächsthöheren politischen Weihen zu greifen. Die Leistungsbilanz: Baden gehts prächtig. In Attigers Amtszeit konnten die Steuern gesenkt werden, sie sprudeln aber weiter reichlich und der Haushalt ist gesund.

Das hat die Stadt vielleicht ihrem Ammann, sicher aber dem Umstand zu verdanken, dass ABB, Alstom und Axpo den Sturm an den internationalen Finanzmärkten weitgehend unbeschadet überstanden haben. Wie sie längerfristig mit der anhaltenden Frankenstärke zurechtkommen, wird sich noch zeigen. Aber dann ist Attiger nach menschlichem Ermessen weg.

Grundsolide ja, aber eine Zeit der grossen Würfe, das ist die Ära Attiger für Baden nun auch nicht unbedingt. Die letzten Jahre waren geprägt von einem Investitionsstau. Dass Grossvorhaben zurückgestellt werden mussten, hatte zwar vor allem mit der Unsicherheit in der Schulraumplanung nach dem Scheitern des Bildungskleeblatts zu tun. Die Stadtregierung ist nun aber angehalten, künftig flexibler zu agieren und gegebenenfalls auf später geplante Projekte vorzuziehen.

Bitter für Baden

Die muffige Verwaltungszentrale Aarau hat der pulsierenden Wirtschaftsmetropole buchstäblich den Rang abgelaufen. Bei der geplanten Fusion mit Neuenhof verweigerten die Stimmbürger der Stadtregierung die Gefolgschaft. Jetzt ist Aarau nach der Eingemeindung von Rohr grösser. Und schöner: Im Städteranking des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» rückte Aarau 2011 plötzlich vom 11. auf den 6. Platz vor, Baden fiel vom 5. auf den 7. Platz hinter die Hauptstadt zurück. Rückstufungen gab es bei den Bewertungskriterien Bevölkerungsentwicklung, Wohnungsmarkt, Erholung, Gesundheit, Soziales, Sicherheit und Verkehr. Dieses Jahr liegen beide Städte wieder drei Plätze weiter hinten, Aarau aber immer noch vor Baden.

Solche Spielereien taugen nicht für eine seriöse politische Leistungsbilanz, schon gar nicht der einzelnen Person des Stadtammanns, mag man einwenden. Aber augenfällig ist es schon: Aarau bekommt von den SBB einen topmodernen Bahnhof geschenkt, die Stadt schenkt dem Fussballklub ein neues Stadion und möbelt die Altstadtgassen zur pulsierenden Partymeile auf. Baden wartet auf Botta.