Die Gemeinde Aarburg will gegen die «Gammel-Liegenschaften», in welchen Immobilienbesitzer schäbige einzelne Zimmer zu satten Preisen an Sozialhilfebezüger vermieten, vorgehen. Deswegen hat sie jetzt den ehemaligen Gasthof Burghof an der Bahnhofstrasse für 1,4 Millionen Franken gekauft. «Der ehemalige Gasthof fiel in den vergangenen Jahren immer wieder negativ auf», schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung. Einzelne Zimmer mit Etagendusche seien ausschliesslich an sozial Benachteiligte und Flüchtlinge vermietet worden, welche für die Zimmer dann überhöhte Preise bezahlten. Ebenfalls habe immer wieder die Polizei aufgrund von Delikten wie illegalem Glücksspiel oder Drogenbesitz eingreifen müssen.

Im Vorfeld des Kaufs hat es Überzeugungsarbeit gebraucht. «Wir waren schon länger mit dem Eigentümer im Gespräch und versuchten eine Lösung zu finden», sagt Aarburgs Finanzvorsteher Dino Di Fronzo. Dabei habe der Gemeinderat klargemacht, dass er dieses Modell der Zimmervermietung in Aarburg nicht mehr goutieren werde.

Die Sozialhilfebezüger sind schon aus dem Burghof in Aarburg ausgezogen.

  

Der Besitzer hatte die Zimmer laut Di Fronzo zu den Ansätzen der Sozialhilfe für eine Wohnung für Alleinstehende vermietet, also für rund 600 Franken. «Es ist ja auch ein menschenunwürdiges Modell, solch heruntergekommene Zimmer für diese Preise anzubieten.» Der Eigentümer, der nicht in Aarburg wohne, habe dann aber Hand geboten zu einer Lösung. «Nun haben wir ihm das Haus zu einem fairen Marktpreis abgekauft.»

Der Kauf hat etwas bewirkt

Und der Kauf hat schon Wirkung entfaltet. «Die meisten der bisherigen Mieter sind schon aus Aarburg weggezogen», sagt Di Fronzo. So könne die Gemeinde jährlich rund 250'000 Franken an Sozialhilfekosten einsparen. Das ist mit ein Grund für die aktive Bodenpolitik des Gemeinderates. «Denn die aktuelle Menge an Sozialhilfebezügern ist für Aarburg nicht mehr bewältigbar», sagt Di Fronzo. Mitschuldig an der sehr hohen Sozialhilfequote Aarburg sind aus Sicht des Gemeinderates die zahlreich vorhandenen günstigen Wohnangebote. Darum wolle er weiter konsequent gegen das Geschäftsmodell der Zimmervermietung vorgehen. Solche Modelle privater Eigentümer würden die Gemeinde nicht nur finanziell belasten, sondern auch jegliche Integrationsbemühungen ersticken. Man werde weiter dezidiert Einfluss nehmen, um eine positive Entwicklung des Städtchens voranzutreiben.

Schon vor ein paar Monaten hat die Gemeinde die Squash-Halle in Aarburgs Norden gekauft, um dort das Quartier positiv zu entwickeln. Und der Burghof ist wohl nicht das letzte Haus, das die Gemeinde erwirbt. «Wir wollen in der Nachbarschaft des Burghofes und an anderen Punkten weitere Liegenschaften kaufen, um dieses Zimmermodell zu unterbinden», so Di Fronzo. Längerfristig solle das Gebiet um den Burghof positiv entwickelt werden.

Momentan prüft der Gemeinderat für den Burghof kurzfristig eine zweckmässige Nutzung. Was mit dem Gebäude später geschieht, ist noch offen. «Da lassen wir uns Zeit», sagt der Finanzvorsteher. «Es soll aber sicher eine Nutzung sein, die Aarburg etwas bringt.»