Zum Gedenken

Walter Fricker war die Stimme der Aargauer Regierung – während 24 Jahren

Walter Fricker.

Walter Fricker.

Der gebürtige Fricktaler war erster Informationschef des Kantons Aargau. Zudem sass er im Verfassungsrat.

Der frühere kantonale Informationschef Walter Fricker ist 92-jährig gestorben. Er versah den 1969 neu geschaffenen Posten in der Staatsverwaltung als Erster während 24 Jahren, bis zur Pensionierung 1993. Lange bewältigte er die regierungsrätlichen Informationsaufgaben allein. Heute teilt sich mehr als ein halbes Dutzend Personen in diese Funktion – nämlich der offizielle Regierungssprecher sowie Kommunikationsbeauftragte in jedem Departement.

Der Posten des Informationschefs entstand im Zuge einer Verwaltungsreform in den 1960er-Jahren, die eine Reaktion auf ein vielbeklagtes «aargauische Malaise» war – konkret auf einige Defizite im Staatsbetrieb, wozu auch die spröde Informationspolitik gezählt wurde.

Die Regierung liess sich mit der Umsetzung Zeit. Sie stand nicht im Ruf, den Kontakt oder gar die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit zu suchen. Dazu kam die Suche nach einer geeigneten Person. Vom neuen Informationschef wurde primär Loyalität erwartet.

Er wurde fast selber Regierungsrat

Die Wahl fiel auf den 41-jährigen Erlinsbacher Sekundarlehrer Walter Fricker. Dem gebürtigen Fricktaler waren politische Abläufe vertraut. Er gehörte seit 1965 dem Grossen Rat an – wie vor ihm sein Vater Hermann Fricker, langjähriger BGB-Gemeindeammann von Oberhof und Grossratspräsident 1959/80. Zudem war der Anwärter mit seiner A-Matur (Griechisch und Latein) klassisch ausgebildet,
als Exkursionsleiter für Ornithologie und Botanik vielseitig begabt, als Männerchordirigent gut geerdet und als hoher Artillerieoffizier zielbewusst.

Besonders nützlich in der neuen Aufgabe war Walter Frickers Fingerspitzengefühl. Seine Funktion verglich er mit jener des Türöffners oder mindestens des Mannes mit dem «Ölpintli», der dafür sorgte, dass die Türen beim Öffnen nicht jedes Mal in den Angeln ächzten.

Er erlebte ein Dutzend Regierungsräte, auch solche, die rasch sagten, über dieses oder jenes werde nicht informiert. 1983 stand er selber als einer von vier SVP-Kandidaten in der partei- internen Auswahl für die Nachfolge von Regierungsrat JörgUrsprung. Es reichte nicht zur Wahl, hingegen wurde er in den Verfassungsrat berufen.

Walter Fricker erlebte eine der bewegtesten Umbruchphasen des Staates Aargau – sowie der aargauischen Medienlandschaft. Er war nicht nur Informationschef, sondern auch ein unermüdlicher Imagepfleger des Kantons. 2018 zügelte er mit seiner Gattin von Erlinsbach nach Aarau; seit einem Jahr war Fricker pflegebedürftig.

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