"Es gilt die Unschuldsvermutung" - das steht am Ende der Mitteilung des Obergerichts zum Urteil gegen Walter Dubler. Die zweite Instanz hat Dubler am Montag in allen Punkten schuldig gesprochen, wegen Betrugs und ungetreuer Geschäftsführung. Tatsächlich ist der Schuldspruch der höchsten kantonalen Instanz aber noch nicht rechtskräftig. Walter Dubler kann das Obergerichts-Urteil innert 30 Tagen beim Bundesgericht anfechten. Die Beschwerdefrist läuft laut Simone Kiefer, Sprecherin der Gerichte Aargau, ab Dienstag. 

"Mein Mandant und ich haben das Urteil des Obergerichts vom 21. September 2016 heute erhalten, zur Kenntnis genommen und analysiert", teilt Christian Bär, der Walter Dubler als Rechtsanwalt vertritt, auf Anfrage mit. "Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass Walter Dubler keinen Straftatbestand erfüllt hat", schreibt Bär und erklärt: "Das Urteil wird deshalb mit Beschwerde beim Bundesgericht angefochten."

Der Regierungsrat, der Dubler auf Antrag des Wohler Gemeinderats im letzten November suspendierte, hat das Urteil zur Kenntnis genommen. Die Regierung werde das Urteil analysieren, kündigt Sprecher Peter Buri an. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in den Bericht zur administrativen Untersuchung gegen Dubler einfliessen. «Dabei wird auch der Entscheidungsfahrplan überprüft», sagt Buri.

Der Zeitpunkt des Entscheides über eine Enthebung oder Wiedereinsetzung von Walter Dubler im Amt als Gemeindeammann von Wohlen richte sich nach den rechtlichen und formalen Erfordernissen der administrativen Untersuchung, aber auch nach der weiteren Entwicklung des Strafverfahrens, führt Buri aus. Das heisst im Klartext: Ob es zur Amtsenthebung kommt, hängt massgeblich davon ab, ob das Urteil rechtskräftig wird.

Auch der Wohler Gemeinderat wird vorerst nicht aktiv, wie Vizeammann Paul Huwiler auf Anfrage sagt. Man wolle abwarten, ob das Urteil des Obergerichts weitergezogen werde. «Zuständig in dieser Angelegenheit ist der Aargauer Regierungsrat, der Gemeinderat Wohlen ist nicht verfahrensbeteiligt». hält Huwiler fest. Ob der Gemeinderat dennoch in irgend einer Weise tätig werde, entscheide er nach dem Ablauf der 30-tägigen Beschwerdefrist.

Walter Dubler verurteilt

Walter Dubler verurteilt

Wegen mehrfachen Betrugs und ungetreuer Geschäftsbesorgung befand das Gericht den Wohler Gemeindeammann für schuldig. (Tele M1, 16.3.2016)

Härtere Strafe für Walter Dubler?

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Der suspendierte Gemeindeammann wurde zu einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt. Nun fordert die Staatsanwaltschaft eine härtere Strafe.