Das Leserwandern ist auch dazu da, neue Leute kennenzulernen. Diese Erfahrung machten am Bahnhof Waldenburg, wo 78 Wanderer zur 16. Etappe starteten, etwa SP-Landrat Linard Candreia und der Baselbieter Kreisförster Beat Feigenwinter, die sich offensichtlich auf Anhieb sympathisch waren. Als Feigenwinter aufzählte, für welche Wälder er zuständig ist und das Laufental erwähnte, strahlte Candreia. Und der begabte Erzähler Candreia nahm den Faden sofort auf, begann mit seinem warmen Bündner Dialekt beim Geigenholz aus dem Dittinger Wald und endete ... ja, wo endet Candreia immer? Im Bündnerland natürlich, dieses Mal beim Klangholz aus Bergün, sodass selbst der erfahrene Förster Feigenwinter etwas dazulernte.

Der 2,8 Kilogramm leichte Zwergpudel der grünen Nationalrätin Maya Graf war in diesen Spalten schon ein Thema. Und er gab auch gestern wieder zu reden. Meinte SP-Landrat Hannes Schweizer, im Kopf wohl den Wolf als Urahne aller Hunde, das Mini-Hündchen sei sicher genmanipuliert. Graf, bis vor kurzem oberste Schweizer Aktivistin gegen Gentechnologie, ist aber nicht auf den Mund gefallen: «Ganz im Gegenteil. Das ist ein Bio-Hund – effizient, ökologisch und toll.»

Keuchend und verschwitzt holte Sabine Brede aus Turgi die Wandergruppe – angeführt von Wanderleiterin Susanne Schlicker – kurz nach der Waldweide ein. Sie hatte bei der Anreise vom fernen Aargau einen Anschluss verpasst und startete in Waldenburg mit einstündigem Rückstand. Die regelmässige Teilnehmerin beim Leserwandern ist so etwas wie der Pechvogel dieser Saison: Auf dem Gotthard letzten Donnerstag löste sich bei ihrem Marken-Wanderschuh die Sohle. Die Wanderleiter von der Konkurrenzfirma Mammut konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen und überbrückten die Malaise mit Verbandsmaterial.

Es war ein besonders schwüler Wandertag. Kurz vor dem Ziel, der Bergstation Wasserfallen, führte der Wanderweg durch einen dichten und schattigen, aber recht abschüssigen Wald. Da sah man schon aus einigen Metern Entfernung, dass sich Tiere unter den Bäumen vereinten, die man dort kaum erwartete: sechs ausgewachsene Pferde. Geduldig liessen sie die Wanderschar ihren Schattenplatz passieren. Und für einmal musste man sich nicht vor Kuhfladen in Acht nehmen, sondern vor Rossbollen. (hi/frb)