Ständeratswahl

Wahltalk mit SP, CVP, FDP und SVP: Bei diesen Themen geraten sich die Kandidierenden in die Haare

Cédric Wermuth, Marianne Binder, Thierry Burkart und Hansjörg Knecht: Hier finden Sie einen Zusammenschnitt der spannendsten Aussagen der Ständeratskandidaten der grossenParteien.

Cédric Wermuth, Marianne Binder, Thierry Burkart und Hansjörg Knecht: Hier finden Sie einen Zusammenschnitt der spannendsten Aussagen der Ständeratskandidaten der grossen Parteien.

Die Ständeratskandidaten der grossen Parteien im Talk bei TeleM1: Wie viele Krawatten Cédric Wermuth besitzt, wer wie viel Geld in den Wahlkampf steckt und in welchen Themen die Kandidierenden gar einer Meinung sind.

Im Ständerat werden die zwei Aargauer Sitze frei, acht Kandidierende sind noch im Rennen. Im Rahmen eines zweiteiligen TV-Talks für TeleM1 wurde den Vertretern der grossen und kleinen Parteien getrennt auf den Zahn gefühlt.

Die Wahlumfrage im Kanton Aargau von vergangener Woche zeigte, dass die vier Kandidaten von SP, CVP, FDP und SVP die Nase im Rennen um den Ständeratssitz vorn haben. Im 25-minütigen Talk liefern sie sich einen Schlagabtausch.

«Eine Wahl muss immer zuerst bestritten werden»

Die erste Frage an Kandidat Cédric Wermuth (SP) hat dann aber keinen politischen Hintergrund: «Im Ständerat gilt Krawattenzwang, aber ich habe Sie noch nie in einer Krawatte gesehen», eröffnet Moderatorin Anne-Käthi Kremer und fragt: «Hätten Sie überhaupt eine?» Wermuth lacht. Er habe tatsächlich eine. Diese habe er zwar geschenkt bekommen, aber er würde sich den Regeln selbstverständlich beugen und sein Arsenal an Krawatten aufrüsten, würde er gewählt werden. Laut Prognosen könnte er den Sprung in den Ständerat im zweiten Wahlgang schaffen.

So könnten denn die beiden frei werdenden Sitze von Pascale Bruderer (SP) und Philipp Müller (FDP) gar bei denselben Parteien bleiben: Ziemlich sicher gewählt wird Thierry Burkart (FDP). Er dürfte das Rennen bereits im ersten Wahlgang machen, geht es nach der repräsentativen Umfrage. Burkart gibt sich jedoch bescheiden: «Eine Wahl ist eine Wahl. Die muss immer zuerst bestritten werden.»

Hansjörg Knecht (SVP) hat sein Glück schon vor vier Jahren probiert. Damals hat es nicht geklappt. Aber vielleicht in diesem Jahr? «Ich konnte mich weiter profilieren. Aus meiner Sicht bringe ich die idealen Voraussetzungen für den Ständerat mit», sagt Knecht. Auch Marianne Binder (CVP) ist überzeugt, die richtige Kandidatin für den Sitz zu sein: «Mit meiner lösungsorientierten Politik und meiner Partei im Hintergrund habe ich eine Möglichkeit, diese Aufgaben zu erfüllen.» Ausserdem sei sie schon auf Bundesebene tätig gewesen und gut vernetzt.

Klimabewegung spaltet die Gemüter

Nach dieser kurzen Vorstellungsrunde wird die Diskussion eröffnet. Diskutiert werden die Themen Klima, Flugticketabgabe, das Rahmenabkommen mit der EU und die vergangene Legislatur. So stehen die Ständeratskandidaten dazu:

«Das Klima ist derzeit das dominierende Thema, dem können wir uns nicht entziehen», sagt Marianne Binder. Sie betont, grosse Achtung vor der Schülerbewegung zu haben: «Die hat das Umweltthema ins Bewusstsein gebracht.» Auf der gleichen Seite steht SP-Kandidat Cédric Wermuth: «Ich bin ein grosser Fan dieser Klimabewegung und ging selbst auch schon demonstrieren.» Man habe jedoch nur eine Chance für Veränderung im Klima, wenn gleichzeitig die Krankenkassenprämien runter kämen und die Renten stiegen. «Dann sind die Leute bereit, mitzukämpfen.» Wermuth äussert sich auch positiv gegenüber der Flugzeugabgabe: «Wir könnten es doch zehn Jahre lang versuchen und dann Bilanz ziehen, ob es etwas nützt.»

Eine andere Meinung vertreten die Herren auf der rechten Seite des Podiums: «So ein kleiner Betrag hat null Wirkung, die Leute werden weiterhin fliegen», ist Thierry Burkart überzeugt. Eine Flugzeugabgabe sei nur «Symbolpolitik». Internationale Abkommen und weltweit im Gleichschritt zu sein, sei viel wirkungsvoller, um die Verpflichtungen und Ziele des Klimaabkommens zu erreichen. 

Hansjörg Knecht ist der Meinung, die Schweiz sei bereits sehr gut unterwegs. Diesen Weg gelte es, weiter zu gehen. Man solle da erneuerbare Energien einsetzen, wo sie sinnvoll sind: «Ich habe ein Minergie-Haus und nutze Solarenergie», nennt der SVP-Kandidat ein persönliches Beispiel. «Wegkommen von fossilen Energieträgern ist eine gute Idee. Aber als Alternative haben wir im Moment nur Drecksstrom aus Deutschland.» Er ist deshalb der Meinung, die AKWs — im Kanton Aargau gibt es drei — so lange als möglich weiter zu betreiben. Zudem müssten Lenkungsabgaben aus seiner Sicht massiv sein, «sonst haben sie keine Wirkung».

Rahmenabkommen soll in der vorliegenden Form nicht unterschrieben werden

Bei der Diskussion um das Rahmenabkommen mit der EU zeigt sich: Hier sind sich die Kandidaten für einmal einig. Sie sind der Meinung, der Vertrag könne in der vorliegenden Form nicht einfach so unterschrieben werden. Marianne Binder und Cédric Wermuth sind trotzdem ganz klar der Meinung, es brauche den Vertrag mit der Europäischen Union. «Die Schweiz ist auf den europäischen Markt angewiesen», sagt Binder. Der Vertrag habe aber Mängel und falle einseitig zugunsten der EU aus. Wermuth bezeichnet die Gegeninitiative der SVP dazu gar als «Ich hasse den Kanton Aargau»-Initiative. Würde die Diskussion mit der EU gestoppt, wäre das das Ende der bilateralen Beziehungen.

Hansjörg Knecht kann ob dieser Aussage nur den Kopf schütteln. «Die Schweiz ist angewiesen auf die EU. Aber so ist es auch umgekehrt. Die Diskussionen müssen auf Augenhöhe stattfinden und das tun sie momentan nicht.» Das Rahmenabkommen könne man folglich so nicht unterzeichnen. Dieser Meinung ist auch Thierry Burkart: «Es braucht Korrekturen im Abkommen.» Jedoch ist der FDP-Kandidat auch der Überzeugung, dass der Bundesrat mit der EU weiterkommen wolle und darin unterstützt werden sollte.

«Fokus soll im Kanton liegen, nicht in der Parteipolitik»

Die vergangene Legislatur wird von Moderatorin Anne-Käthi Kremer als verlorene Legislatur bezeichnet, da sich Links und Rechts aufgehoben hätten. Was halten die Kandidaten davon? «Im Ständerat wird immer mehr Parteipolitik betrieben», sagt Thierry Burkart. «Dabei muss man die Sache in den Vordergrund stellen. Der Fokus Aargau ist am wichtigsten.» Das bestätigt auch Cédric Wermuth: «Ich gehöre als Einziger zu der Generation, die die Themen vertritt, die den Aargau beschäftigen.»

Hansjörg Knecht findet, in Bern werde zu schnell nachgegeben: «Als Geschäftsmann bin ich es mir gewöhnt, hart zu verhandeln. Aber man muss auch nachgeben können.» Er ist der Meinung, die Mitte spiele den Linken in die Hände, das verschlechtere uns als Wirtschaftsstandort Schweiz. Diese Meinung teilt Marianne Binder nicht: «Unsere Demokratie ist nicht auf Extremen aufgebaut.» In unserem politischen System sei lediglich jeder gezwungen, mit dem anderen zu reden.

Kurz und knapp:

- Wie lautet Euer Wahlkampfbudget?

Cédric Wermuth: 300'000 Franken
Marianne Binder: Das sage ich dann nach der Wahl
Thierry Burkart: 200'000 Franken
Hansjörg Knecht: 200'000 Franken

- Vier Wochen Vaterschaftsurlaub?

Cédric Wermuth: Ja
Marianne Binder: Nein
Thierry Burkart: Nein
Hansjörg Knecht: Nein

- Rentenalter 67?

Cédric Wermuth: Nein
Marianne Binder: Ja
Thierry Burkart: Ja
Hansjörg Knecht: Nein

- Samenspende für lesbische Paare?

Cédric Wermuth: Ja
Marianne Binder: Ja
Thierry Burkart: Ja
Hansjörg Knecht: Nein

- Stimmrecht für Ausländer mit Ausweis C?

Cédric Wermuth: Ja
Marianne Binder: Nein
Thierry Burkart: Nein
Hansjörg Knecht: Nein

- Co2-Abgabe auf Flugtickets?

Cédric Wermuth: Ja
Marianne Binder: Ja
Thierry Burkart: Nein
Hansjörg Knecht: Nein

Hier können Sie den ganze Wahltalk schauen: 

Ständeratswahlen AG: Grosse Parteien

   

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