Grossratswahlen

Wahlstatistik zeigt: Wo SVP draufstand, blieb auch am meisten SVP drin

Blick in den Saal des Grossen Rates.

Blick in den Saal des Grossen Rates.

Die SVP hat die treuste Wählerschaft, die Grünen sind die Panaschierkönige. Zu den Grossratswahlen vom Oktober liegt eine detaillierte statistische Auswertung vor, die einen tieferen Einblick in das Wahlverhalten der Aargauerinnen und Aargauer gibt.

Das Wahlgeheimnis wird ungern gelüftet. Man kennt es von den Umfragen bei mehr oder weniger prominenten Zeitgenossen: Sie geben sich meist nicht als glühende Anhänger einer bestimmten Partei zu erkennen, sondern wählen Köpfe, keine Programme. Die von Statistik Aargau veröffentlichte Auswertung der Grossratswahlen vom Oktober zeigt ein etwas anderes Bild: Der Aargauer Durchschnittswähler zeigt sich erstaunlich parteitreu: über 37 Prozent der Wahllisten wurden unverändert eingeworfen. Tendenz steigend, bei den Grossratswahlen 2009 lag der Anteil noch bei unter 34 Prozent.

Markante Unterschiede zwischen Parteien

Die Unterschiede zwischen den Parteien sind markant. Am treusten folgen SVP-Wähler unbesehen der Empfehlung ihrer Partei: 46,1 Prozent der SVP-Listen wurden unverändert eingelegt. Bei den Grünen waren es 41, bei der SP 39,8 Prozent. Der Anteil unveränderter FDP-Listen liegt mit 33 Prozent nahe beim Durchschnitt, bei der CVP liegt der Wert mit 23,5 Prozent hingegen deutlich darunter.

Der Anteil von unveränderten Wahlzetteln ist für die Parteien von grossem Interesse. Seit der Einführung des Kandidatenstimmenproporzes im Aargau (2005) hat das Panaschieren (Aufführen eines Kandidaten einer fremden Liste) direkten Einfluss auf die Sitzverteilung. Die Kunst liegt also darin, Kandidaten zu portieren, die einerseits auf der eigenen Liste nicht gestrichen und gleichzeitig auch auf die Wahlzettel anderer Parteien geschrieben werden.

SVP gibt keine Stimmen ab

Die wählerstärkste Partei, die SVP, ist vor allem stark darin, keine Stimmen abzugeben: 93 Prozent der auf SVP-Listen aufgeführten Kandidaten waren bei den Grossratswahlen 2012 eigene. Dass heisst auf der anderen Seite: Die SVP-Kandidaten punkteten ausserhalb ihrer Stammwählerschaft nicht sonderlich gut: nur 8,5 Prozent aller Kandidatenstimmen stammten von fremden Listen. Zum Vergleich die Werte der anderen Parteien: SP 82,8/17,2, FDP 75,6/24,4, CVP 73,8/26,2, GLP 73,2/26,8, EVP 71,0/29,0, BDP 69,4/30,6, Grüne 65,4/34,6.

Interessante Panaschierbilanz

Interessant für die Parteien ist die Panaschierbilanz, die Differenz zwischen Kandidatenstimmen auf fremden Listen und an parteifremde Kandidaten auf den eigenen Listen abgegebenen Stimmen in Relation zum Stimmentotal der eigenen Listen. Die Panaschierstimmen haben zwar nichts mit der Parteistärke zu tun, aber sie geben den Parteien Aufschluss über die überparteiliche Akzeptanz ihrer Kandidaten: Je höher der Wert der Panaschierstimmenbilanz, desto besser. Panaschierkönige bei den Grossratswahlen 2012 waren die Grünen mit einem Wert von 35,6. Die SVP kam lediglich auf einen Wert von 1,8. Eine negative Panaschierstimmenbilanz hatten nur die BDP (-9,5) und die Piratenpartei (-54,1). Recht hoch liegen auch die CVP (20,5) und die Freisinnigen (19,3), hinter denen die Sozialdemokraten mit 7,1 deutlich hinterher hinken.

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