Wahlen AG 2016
Wählerprofile: Welche Partei Rentner anzieht, die meisten Akademiker hat oder bei Jungen im Trend liegt

Welche Partei kann bei welchen Wählern punkten? Die Vimentis-Umfrage bringt Licht in den Aargauer Wahlkampf.

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Wer steht auf welche Partei? Die grosse Analyse der Aargauer Wählerinnen und Wähler.

Wer steht auf welche Partei? Die grosse Analyse der Aargauer Wählerinnen und Wähler.

Sandra Ardizzone

Welche Partei punktet bei welchen Bevölkerungsschichten am meisten? Die Vimentis-Umfragen liefern nicht nur die Profile von Kandidatinnen und Kandidaten, sondern geben auch darüber Auskunft. Auf der Basis von gesamtschweizerisch mehr als 20 000 und im Aargau knapp 2000 Umfrage-Teilnehmern hat nun Vimentis eine Analyse dazu erstellt.

Was sie zum Beispiel ergibt: Ob man mit ihren Lösungsansätzen nun einverstanden ist oder nicht, die CVP nennt sich zu Recht (und das ganz besonders im Aargau) Familienpartei. Über 90 Prozent der Kernwählerinnen und -wähler der CVP im Aargau haben Kinder, während nur gut die Hälfte der FDP-Wähler Eltern sind, bei den Grünen sind es sogar nur 42 Prozent. Auffallend dabei: Der Anteil von Aargauer CVP-Wählern mit Kindern liegt nicht nur weit über dem Elternanteil an der gesamten Stimmbevölkerung (58 Prozent), sondern auch über jenem der CVP-Wählerschaft in der ganzen Schweiz (78 Prozent). In den meisten anderen Segmenten unterscheiden sich die Stammwähler der Aargauer Kantonalparteien kaum wesentlich von jenen der jeweiligen Partei landesweit.

Junge wählen SVP

Ob die CVP damit auch die Nummer eins für junge Familien ist, steht aber auf einem anderen Blatt. Sie hat unter ihrer Wählerschaft nämlich den höchsten Anteil an Rentnern (46 Prozent). Auch die FDP (40 Prozent) und die BDP (36 Prozent) sprechen überdurchschnittlich viele Wählerinnen und Wähler im Rentenalter an. Das erstaunt bei der BDP insofern, als dass es sie erst seit Ende 2008 gibt und der Rentneranteil der ganzen Stimmbevölkerung nur bei 23 Prozent liegt.

Am besten bei den jungen Wählern scheint die SVP anzukommen. Bei keiner anderen Partei machen die unter 24-Jährigen einen so grossen Anteil der Stammwählerschaft aus: Immerhin 7 Prozent, bei SP und Grünen sind es nur 5, bei der CVP gar nur 2 Prozent.
Eher erstaunlich ist der Blick auf die Einkommensverhältnisse. Es ist nicht etwa die «Arbeiterpartei» SP, die am meisten Wählerinnen und Wähler mit bescheidenen Einkommen anzieht (20 Prozent ihrer Stammwähler verdienen weniger als 4500 Franken im Monat), sondern die CVP (34 Prozent). Dass auch ein hoher Anteil der SVP-Wähler (24 Prozent) zu den Niedrigverdienern gehört, könnte sich laut Vimentis mit ihrer Ausländerpolitik erklären: Weil vor allem die Arbeitnehmer in unteren Einkommensschichten Konkurrenz aus dem Ausland befürchten.

Grüne: die Akademiker-Partei

Am anderen Ende der Skala sticht die FDP heraus: Fast die Hälfte ihrer Stammwähler (49 Prozent) verdient mehr als 8000 Franken im Monat. Zu den Parteien mit den meisten gut verdienenden Wählern gehören auch die Grünen. Das passt mit dem Ausbildungsstand zusammen: Keine andere Partei hat so viele Wählerinnen und Wähler mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss (35 Prozent). FDP und Grünliberale folgen da schon mit deutlichem Abstand (28 und 27 Prozent). Von den Stammwählern der SVP haben nur 9 Prozent eine höhere Ausbildung abgeschlossen, 68 Prozent haben eine Berufslehre absolviert.

Die Vimentis-Analyse zeigt auch: Dem Ruf, sich von der Arbeiter- zur Akademikerpartei gewandelt zu haben, wird der SP nicht ganz gerecht. Die deutliche Mehrheit ihrer Stammwähler im Aargau (65 Prozent) hat «nur» eine Berufslehre gemacht, einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss haben lediglich 17 Prozent.

Autokanton Aargau

Die Auswertung der Vimentis-Umfragen bestätigt auch eine Besonderheit: Der Aargau ist ein ausgesprochener Autokanton. Gesamtschweizerisch gaben 57 Prozent der Stimmbürger an, für den Arbeitsweg primär das Auto als Verkehrsmittel zu nutzen, im Aargau sind es 67 Prozent. Dass dabei die SVP (85 Prozent der Stammwähler) die Autofahrer-Partei schlechthin ist, erstaunt nicht besonders. Schon überraschender ist die Tatsache, dass die Präferenz für den motorisierten Individualverkehr im Aargau bis ins links-grüne Lager durchschlägt: Auch die Mehrheit der SP-Anhänger ist hier primär mit dem Auto unterwegs (67 Prozent, bei den SP-Wählern landesweit sind es nur 46 Prozent). Und immerhin selbst 44 Prozent der Wähler der Grünen fahren im Aargau mit dem Auto zur Arbeit, während das schweizweit nur 25 Prozent ihrer Stammwähler tun.