Ständeratswahlen

Wahlempfehlungen mit Fragezeichen: Total harmonisch geht es zwischen FDP und SVP nicht zu und her

FDP-Nationalrat Matthias Jauslin wird vom TCS Aargau nicht unterstützt. (Archiv)

Der Hauseigentümerverband empfiehlt nur Präsident Hansjörg Knecht, TCS Aargau unterstützt FDP-Nationalrat Matthias Jauslin nicht.

In der Wahlumfrage der AZ liegen Thierry Burkart (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) klar vorn. Bei den Wahlen streben die beiden Parteien die ungeteilte Standesstimme an, eine rechtsbürgerliche Doppelvertretung im Stöckli. Total harmonisch geht es zwischen FDP und SVP, oder Burkart und Knecht, im Aargau aber nicht zu.

Das zeigt ein Blick in die Publikationen der Verbände der Kandidaten. Knecht ist Präsident des Hauseigentümerverbandes Aargau, in der «Wohnwirtschaft» wird nur er selber für den Ständerat empfohlen. Es folgen Porträts von Nationalratskandidaten wie Sabina Freiermuth, Jeanine Glarner, Silvan Hilfiker, Maja Riniker (alle FDP), Michaela Huser (SVP) und Karin Koch Wick (CVP). Thierry Burkart, der vom Schweizer Hauseigentümerverband unterstützt wird, und CVP-Kandidatin Marianne Binder sind nur kurz in einer Liste mit weiteren empfohlenen Politikern aufgeführt.

Knecht war bei Diskussion über Empfehlungen im Ausstand

Ständeratskandidat und Hauseigentümer-Präsident Hansjörg Knecht verweist auf Anfrage der AZ an seinen Stellvertreter. Thomas Hilfiker, der Vizepräsident des Hauseigentümerverbandes Aargau, hält fest, Präsident Knecht sei im Ausstand gewesen, als der Vorstand die Empfehlungen diskutiert habe. «Wir haben uns für ein Einerticket entschieden, weil wir sonst mehr als zwei Kandidaten für den Ständerat empfehlen müssten, was dem Wähler nicht viel hilft».

Binder und Burkart würden sich hauseigentümer-freundlich verhalten, Knecht habe aber als Verbandspräsident ein zusätzliches Plus. Dasselbe gilt auch für die Porträts von Nationalratskandidaten mit Bild: Diese erhalten laut Hilfiker Mitglieder des Verbandes, die im Grossen Rat im Sinn der Hauseigentümer stimmen und sich zusätzlich im Vorstand von regionalen Sektionen engagieren.

Jauslin wegen seiner Position zu Tempo 30 nicht im TCS-Magazin

Im Magazin des Touring-Clubs Aargau, den Thierry Burkart präsidiert, werden die acht Kandidatinnen und Kandidaten für den Ständerat aufgeführt. Alle beantworten die vier gleichen Fragen zur Mobilität, wobei Burkart als erster Kandidat aufgeführt wird. Eine Wahlempfehlung für das Stöckli gibt es seitens des TCS nicht.

Bei den Ständeratskandidaturen ist das Touring-Magazin also neutral, bei den Empfehlungen für den Nationalrat fehlt hingegen ein prominenter Name. Matthias Jauslin, FDP-Nationalrat, ehemaliger Kantonalpräsident und gegen Burkart intern unterlegener Ständeratsanwärter, ist nicht aufgeführt. «Ich habe nur fünf der sechs Fragen mit Ja beantwortet, die der TCS allen Kandidaten geschickt hat», sagt Jauslin auf Anfrage der AZ.

Er sprach sich gegen ein Verbot von generell Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen innerorts aus. «Ich finde es falsch, dass Tempo 30 auf Hauptstrassen per Bundesgesetz verunmöglicht werden soll», sagt Jauslin. Für Verkehrssicherheit oder Lärmschutz könne dies eine gute Alternative zu teuren baulichen Massnahmen sein. «Solche Entscheide sind aber unbedingt auf Stufe Gemeinden oder Kantone zu belassen», betont Jauslin.

Touring-Chefredaktor verweist auf Tempo-30-Position des TCS

Der Chefredaktor des Touring-Magazins teilte Jauslin mit, dass er unter diesen Umständen nicht empfohlen werde – die Redaktion habe klare Weisungen dazu. «Ich finde es schade, dass der TCS sicherheitsrelevante und staatspolitische Ansichten ausklammert», sagt der Nationalrat. Er nehme diesen Entscheid mit Bedauern zur Kenntnis, schliesst Jauslin, der seit mehr als 30 Jahren TCS-Mitglied ist.

Markus Schenk, Redaktor für den Aargauer Teil des Touring-Magazins, hält auf Anfrage fest: «Der TCS vertritt die Haltung, dass Tempo 30 in Quartieren ein probates Mittel sein kann. Auf Hauptverkehrsachsen hat sich aber gemäss Studien gezeigt, dass die Verkehrssicherheit abnimmt, der CO2-Ausstoss steigt und der Verkehrsfluss sinkt.» Der TCS habe sich dazu auch im Rahmen der Beratungen im National- und Ständerat in dieser Legislatur vernehmen lassen.

Burkart ist nicht Mitglied der Touring-Redaktion

Schenk sagt weiter: «Für eine Unterstützung muss jemand Mitglied des TCS oder des ACS sein und zu einigen aktuell wesentlichen Positionen des TCS Ja sagen können.» Dies werde seit Jahren so gehandhabt, die Redaktion habe ihre Praxis nicht geändert. Man habe wie immer nur jene Kandidierenden unterstützt und im Touring-Magazin aufgeführt, die zu allen Fragen Ja sagen können. «Ausser Matthias Jauslin gibt es andere Kandidierende, die TCS-Mitglied sind, und von uns nicht unterstützt werden, da sie nicht alle Fragen mit Ja beantworten können.» Schenk hält zudem fest, Thierry Burkart sei «übrigens nicht Mitglied der Redaktion des Touring».
Fabian Hägler

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