Aargau

Wahlempfehlungen des Gemeindeschreiber-Präsidenten stossen sauer auf: «Das ist keine Aufgabe des Verbandes»

Hugo Kreyenbühl ist Präsident des Gemeindeschreiber-Verbandes.

Hugo Kreyenbühl ist Präsident des Gemeindeschreiber-Verbandes.

Hugo Kreyenbühl erntet harsche Kritik. Er hat eine Empfehlung für zwei SVP-Kandidaten als Verbandspräsident unterschrieben. Das widerspreche dem Zweck des Vereins, kreidet der Gemeindeschreiber von Eggenwil an.

Hugo Kreyenbühl ist Präsident des Aargauer Gemeindeschreiberverbandes – und zudem Vorstandsmitglied der SVP Niederwil-Nesselnbach und Bezirk Bremgarten. In einem Leserbrief im «Wohler Anzeiger» hat Kreyenbühl für den zweiten Wahlgang vom 24. November zwei SVP-Kandidaten empfohlen: Jean-Pierre Gallati aus Wohlen im Freiamt als Regierungsrat, Hansjörg Knecht aus Leibstadt im Zurzibiet als Ständerat.

Kreyenbühl stellte bei seiner Wahlempfehlung das Regionen-Argument in den Vordergrund: Bei einer Wahl von Yvonne Feri (SP, Wettingen) in den Regierungsrat sowie einer Wahl von zwei Kandidierenden aus dem Trio Thierry Burkart (FDP), Ruth Müri (Grüne) und Ma­rianne Binder (CVP, alle Baden), wäre jene Region übervertreten.

«Man mag das Geschlecht als entscheidendes Wahlkriterium hervorheben», schrieb Kreyenbühl im Leserbrief, «mir persönlich ist eine angemessene Vertretung der Regionen wichtiger.» Eine Konzentration der Regierungs- und Ständeräte im Raum Baden-Wettingen lehne er deshalb ab. Unterzeichnet war der Leserbrief mit «Hugo Kreyenbühl, Präsident Aargauer Gemeindeschreiberverband.»

«Wahlempfehlung ist keine Aufgabe des Verbandes»

Das stösst Walter Bürgi, dem Gemeindeschreiber von Eggenwil, sauer auf. In einem Brief an mehrere Medien in der Region kritisiert Bürgi, der Ehrenmitglied des kantonalen Gemeindeschreiberverbandes ist, Kreyenbühls Wahlempfehlung. Diese wäre für Bürgi «durchaus in Ordnung, würde er dies nicht explizit als Präsident des Aargauischen Gemeindeschreiberverbands tun».

Er verweist auf den Zweck des Verbandes, der im Jahr 1902 gegründet wurde und heute 480 Mitglieder zählt. «Mit Sicherheit gehören zu den in den Statuten des Vereins festgeschriebenen Aufgaben keine Wahlempfehlungen, weder für die eine noch andere politische Partei», hält Bürgi fest.

Der Gemeindeschreiber von Eggenwil sagt, er schätze Hugo Kreyenbühl seit vielen Jahren als Berufskollegen und als Mensch. Dennoch legt Walter Bürgi Hugo Kreyenbühl nahe, «künftige Wahlempfehlungen doch als Vorstandsmitglied der SVP des Bezirks Bremgarten und der SVP-Ortspartei Niederwil- Nesselnbach/Fischbach-Göslikon zu veröffentlichen.»

Kreyenbühl sagt auf Anfrage der AZ, er habe sich sehr gut überlegt, wie er unterzeichne. «Ich schreibe im Leserbrief klar, dass dies meine persönliche Meinung als Verbandspräsident ist, nicht die Meinung des Verbandes oder des Kantonalvorstandes», hält er fest. Er ergänzt: «Für mich geht es darum, dass der Aargau als Kanton der Regionen im Regierungs- und Ständerat nicht nur durch Politiker aus Baden und Wettingen vertreten ist».

Gerade im Regierungsrat sei das für die Gemeinden sehr wichtig, das habe sich bei den Diskussionen über den neuen Finanzausgleich gezeigt. Hugo Kreyenbühl hält weiter fest, er habe nicht einfach SVP-Kollegen zur Wahl empfohlen. «Es geht nicht um eine spezifische Partei-Empfehlung, ich wäre auch gegen eine solche Konzentration, wenn die Kandidierenden aus anderen Parteien kommen würden», sagt er.

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