Augusta Raurica
Vorwärts in die Vergangenheit: Mit dieser App reisen Sie 2000 Jahre zurück in die Römerstadt

Viel zu sehen gibt es beim Besuch der einst grössten römischen Siedlungen nördlich der Alpen heute eigentlich nicht mehr. Doch in Zeiten der virtuellen Realität lässt sich auch Unsichtbares sichtbar machen. Genau so heisst die neue App für die Römerstadt Augusta Raurica, die eine Zeitreise von 2000 Jahren ermöglicht.

Jörg Meier
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Martin Christen von der FHNW beim Testen der App
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Neue App für Römerstadt Augusta Raurica
Das 3-D-Bronzemodell, das als Grundlage gedient hat

Martin Christen von der FHNW beim Testen der App

HO

Wer bisher Augusta Raurica besuchte, brauchte schon ziemlich viel Fantasie, um sich die Stadt von damals vorstellen zu können. Denn von der weitverzweigten Stadt, die vor 2000 Jahren zwischen 10 000 und 15 000 Einwohner zählte, ist nicht mehr allzu viel zu sehen. Lediglich einzelne erhaltene Monumente wie etwa das Amphitheater erinnern daran, dass hier einst eine der grössten römischen Siedlungen nördlich der Alpen pulsierte und florierte. Die allermeisten archäologischen Monumente und Funde ruhen auch nach 2000 Jahren noch immer im Boden.

Wer als interessierter Laie Zusammenhänge suchte, fand sie vor allem im 13 Quadratmeter grossen Bronzemodell, das seit bald drei Jahren vor dem Museum in Augusta Raurica steht. Das Modell beruht auf einem virtuellen 3-D-Modell, das von Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) umgesetzt worden ist.

Unsichtbares wird sichtbar

Ganz neue Einblicke in die Römerstadt von damals vermittelt nun die App «Unsichtbares sichtbar machen». Sie wurde entwickelt vom Institut Vermessung und Geoinformation der FHNW in Zusammenarbeit mit den Wissenschafterinnen und Wissenschaftern der Römerstadt. Die App arbeitet mit den für das 3-D-Modell entwickelten Daten und lässt Augusta Raurica wieder auferstehen.

Möglich macht dies die sogenannte «Augmented Reality». Gemeint ist mit diesem Begriff die Vermischung von Realität und computergenerierten Inhalten. Auf dem Bildschirm wird der computergenerierte Inhalt ins Echtzeitbild der Smartphone-Kamera integriert.

Zudem zeigt die App auf dem 3-D-Stadtplan den jeweiligen Aufenthaltsort an und bietet einen dreisprachigen Audioguide sowie zahlreiche Infos in Text und Bild. An vier für die App-Benutzerinnen und -Benutzer vorbereiteten Stationen sind die Bildtafeln von römischen Bauwerken dreidimensional sichtbar, sobald man mit dem Handy draufhält.

Römer statt Pokémon

Wer also beim nächsten Besuch in Augusta Raurica sein Handy zückt und die App anklickt, wird möglicherweise erstaunt feststellen, dass die Wiese vor dem Amphitheater vor 2000 Jahren ein dicht besiedeltes Stadtquartier war.

Die App ist gratis und kann idealerweise schon zu Hause heruntergeladen werden. Bereits plant das Entwicklungsteam der FHNW um Martin Christen und Stephan Nebiker eine leistungsstärkere Version. Mit dieser soll man an jedem beliebigen Standort jene Ansicht simulieren können, wie sie sich den Menschen vor 2000 Jahren geboten hat.

So könnte es durchaus passieren, dass sich schon bald die heutigen Pokémon-Jäger nach Augst begeben und dort durch die 2000-jährige Stadt bummeln, durch die Gassen, vorbei an den einzigartigen Monumenten aus der Römerzeit. Augmented Reality ist längst mehr als ein Spielzeug für Freaks.